Saison der "Wurzer Sommerkonzerte" endet mit umjubelter Operngala in Weiden - Mit Temperament ...
Rustikale Leidenschaft und der Geist von Wurz

"Pavagi, o cara", singen Enrique Ambrosio und Birgit Pehnert. "Oh lass" uns fliehen" ist eines der Duette von Alfredo und Violetta aus Verdis Oper "La Traviata". Bild: Göttinger
Wer die innige Beziehung der Italiener zu ihrem Nationalkomponisten Verdi verstehen will, tut gut daran, ein beliebiges Teatro Communale in der italienischen Provinz zu besuchen. In diesen Theatern wird Verdi auf eine sehr bodenständige Art gepflegt, musikalisch nicht unbedingt glanzvoll oder elegant, sondern eher rustikal, aber immer mit Leidenschaft, Temperament und großer menschlicher Wärme.

Ein klein wenig erinnerte der Auftritt des "Abonnentenorchesters des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) Berlin" am Samstagabend in der Max-Reger-Halle genau an diese sehr sympathische musikalische Rustikalität. Es ist ja kein eingespieltes Profi-Orchester, das da zu Gast war. Nein, ebenso talentierte wie motivierte Laien, Freunde und Abonnenten des DSO eben, bilden den Klangkörper - und das hört man natürlich auch.

Warmer Gesamtklang

Nicht immer klappte da jeder Einsatz auf den Punkt genau, auch fehlte es mitunter an der klanglichen Homogenität der Streicher, und gelegentlich quietschte es sogar etwas in den zweiten Geigen. Andererseits machten der warme, volle Gesamtklang der 70-köpfigen Truppe und das sehr engagierte, zupackende Spiel diese Kleinigkeiten auch sofort wieder vergessen. Weil zudem die ausgewählten Stücke - Glanzlichter von Belcanto bis Verismo, von Bellini über Verdi, Leoncavallo, Mascagni und Gounod bis zu Puccini - vom Schwierigkeitsgrad her überschaubar und damit klug gewählt waren, geriet dieses Gastspiel am Samstag zum umjubelten Erfolg. Natürlich hatten daran vor allem die beiden Solisten des Abends, die Sopranistin Birgit Pehnert und der Tenor Enrique Ambrosio, einen ganz entscheidenden Anteil. Pehnert bezauberte mit ihrer kräftigen Stimme und ihrem etwas herben, überaus reizvollen Timbre, schwang sich nach einem wenig glanzvollen "O mio babbino caro" und der seltsam unsicher wirkenden "Norma"-Arie "Casta Diva" zu einer perfekt fokussierten, stimmlich eleganten und dramatisch wunderbar austarierten Violetta auf.

Brachial und kraftvoll

Ambrosio wiederum, mit viel Bronze in der Stimme, wie es sich eben für einen Verdi-Tenor gehört, agierte manchmal vielleicht ein bisschen zu brachial, zu kraftvoll, ließ ansonsten aber keine Wünsche offen. So muss ein Tenor bei einer Operngala klingen - sicher, männlich, voller Energie, klangschön in allen Registern. Egal ob Puccinis "E lucevan le stelle", die "Bajazzo"-Arie "Vesti la giubba" oder die Duette mit Birgit Pehnert aus Verdis "La Traviata" - Ambrosio meisterte sie nachgerade strahlend. Noch etwas mehr Lockerheit beim Auftritt und etwas weniger leere Gesten von anno dazumal, und der Mann brächte einen ins Schwärmen.

Am Schluss feierte das Publikum, wie gesagt, Solisten, Orchester und den sich nie in den Vordergrund drängenden Dirigenten Heinz Radzischewski. Einen Sonderapplaus und Blumen gab es für Dr. Rita Kielhorn, schließlich beendete dieses Konzert die Saison der "Wurzer Sommerkonzerte". Kielhorn hatte in ihrer Begrüßung davon gesprochen, dass mit diesem Abstecher nach Weiden die Klassik vom Land in die Stadt gekommen sei. Na ja, so Klassik-los ist die Max-Reger-Stadt Weiden nun auch wieder nicht, dass sie der Unterstützung aus Wurz bedürfte. Aber ein klein wenig vom "Wurzer Geist", der an diesem Abend wehte, kann bestimmt nicht schaden.
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