18.05.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schreibt euch frei! - Poetry-Slam-Workshop im Kepler-Gymnasium mit dem Literaten Florian Cieslik: Marsmännchen am Frühstückstisch

Poetry Slam ist in aller Munde. In Tiefgaragen wird gebattelt, es gibt Meisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene. Auf Youtube finden sich Amateurfilmchen mehr oder weniger begabter Slammer.

von Autor AKGProfil

Ein Trend also, aber was genau ist es jetzt eigentlich? Geht's um Reimschemata oder um Spaß an der Freude? Womit fängt man am besten an? Und vor allem: Kann man's lernen?

Es sind wohl solche Fragen, die zwei Gruppen, jeweils um die 25 Teilnehmer, im Gartensaal des Weidener Kepler-Gymnasiums zusammenkommen lassen. Mit Collegeblock und Kuli bewaffnet wollen sie sich einweihen lassen in die Welt des Poetry Slams.

Dass es sicher kein staubtrockenes Rhetorikseminar wird, ist klar, als Florian Cieslik beginnt. Der Slammer aus Köln redet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und schafft es mit seiner lockeren Art und den witzigen Sprüchen, die Jugendlichen schnell vergessen zu lassen, dass sie in einer Schulveranstaltung sitzen.

Gegenbewegung zur Lesung

Nach einer kurzen Einführung über die internationale Entwicklung der jungen Kunstart, gedacht als Gegenbewegung zu Literaturlesungen, einer Jazzsession nachempfunden, wird es schnell ernst für die Teilnehmer. Die erste Aufgabe: Beschreibt euer Frühstück. Die Nachwuchs-Slammer wirken anfangs etwas irritiert. Florian merkt nur an, dass es total nebensächlich sei, ob es am Schluss zu einer Marsinvasion grüner Männchen käme oder aber realitätsgetreu von "Appel und Brei" die Rede ist. Aha, so ist das also mit dem freien Schreiben.
Es gibt kaum Vorschriften, das oberste Gesetz ist: "Respect the Poet." Die Textart ist frei, Rechtschreibung interessiert beim Vortrag nicht mal die erste Reihe und auch wenn das Geschriebene anfangs etwas hölzern klingt, bricht sich keiner einen Zacken aus der Krone. Poetry Slam wirkt recht sympathisch, nicht?

Weiter geht's mit Assoziationsübungen, das alte Spiel "Teekesselchen" macht die Runde, Gefühle sollen mit dem Körper ausgedrückt werden, um frei zu sein im Ausdruck, Wortspiele, um die Vielschichtigkeit der Sprache zu entdecken.

Liposome und Batman

Der letzte Punkt auf der Tagesordnung ist ein längerer Text. Die Herangehensweise erinnert an die Reizwortgeschichten aus der Grundschule. Jeder Teilnehmer muss dieselben zehn Schlagwörter verbraten. Nun, um Uhrwerk, Liposome und Batman unter einen Hut zu bekommen, bedarf es wirklich eines freien Geists. Ein paar Mutige wagen sich nach vorne, um ihre Texte vorzutragen. Applaus und Anerkennung der Mitschüler und vom Profi sind ihnen sicher. Der enge Kontakt, den ein Slammer mit seinem Publikum eingeht, die spontanen Reaktionen, vor allem aber die Erkenntnis, "dass da Leute gekommen sind, um dem zuzuhören, was du zu sagen hast", machen den Reiz aus, so Florian Cieslik. Ob anfangs auch nur fürs Tagebuch, Schreiben ist ein Prozess, der hilft, in uns aufzuräumen, sich seiner selbst bewusst zu werden, sich die Welt zu erklären. Auf die Frage, wie aus der Berufung einen Beruf wird, antwortet er überzeugt: "Wenn die Begeisterung und die Leidenschaft da ist, dann kommt das Dranbleiben von allein. Schreiben ist zwar ein Handwerk, es gibt literarische Tricks und Stilmittel. Um aber zu einem Text zu kommen, der Menschen berührt, braucht es doch Talent - außerdem muss er von tief drinnen kommen."

Dass die Keplerianer auf einem guten Weg sind, davon zeugt die Tatsache, dass sie sogar nach der Pausenklingel bleiben, an ihren Texten arbeiten und sich noch der ein oder andere in den Dichterwettstreit wagt.

 

 

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