19.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Siegfried Mauser präsentiert "Nachtstücke" bei den Weidener Max-Reger-Tagen Mit Musik durch Nacht und Traum

von Redaktion OnetzProfil

"Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen" heißt es in Regers Nachtlied op. 138/3. Neben angenehmem Ambiente und ebensolcher Gesellschaft haben da auch Träume Einfluss. Das nächtliche Kopfkino ist Programm ohne Ansage, mal Lustspiel, mal Komödie, mal Drama.

Eine Herausforderung

Mit der Emanzipation der Künstler im 19. Jahrhundert wagten diese auch, ihre individuellen Nacht- und Traumerlebnisse zu thematisieren. Ein Lied darüber zu schreiben ist eine der leichteren Übungen, sie in Musik für Klavier allein zu gießen eine Herausforderung. Siegfried Mauser hatte diese Musikgattung als Thema gewählt, im ersten Teil ging es dem Motto der Regertage gemäß um Musik bis zum Ersten Weltkrieg, im zweiten Teil um Musik ab dieser Zeitenwende.

Das bestechend konzipierte und strukturierte Programm führte von Nocturnes von John Field und Frédéric Chopin über die unvermeidliche, garantiert schockfreie "Träumerei" von Schumann zu der mit Schreckmomenten marmorierten von Richard Strauss op. 9. Die Terzgänge des Intermezzo op. 119/1 von Brahms verlinkten mit den "Träumen am Kamin" von Reger op. 143. Die turbulenteren, virtuoseren Träume Nr. 5, 6 und 10 enthielt uns Mauser allerdings vor. Das psychisch gefestigt scheinende Publikum hätte sie wohl verkraftet.

Die "Feuilles Mortes" von Debussy leiteten dann über zu den bemerkenswerten "Träumen und Erlebnissen" op. 15 von Paul Hindemith (1915-1919). Stand Reger noch diesseits der funktional-harmonischen Zeitenwende, so hatte der 20-jährige Hindemith den Sprung über den Styx schon gewagt. Es war wohl eine Art künstlerischer Selbstschutz, die radikalen Aussagen dieser Musik mit dem Wort "Träume" quasi in den Konjunktiv zu setzen.

Doppelfuge mit Engführung

Man durfte staunen über harmonische Stimmungen, Tierstimmen, Kurioses, Groteskes, Ironisches, Sarkastisches wie bei den Kollegen Strawinsky und Schostakowitsch. Am Ende ein Albtraum, die Doppelfuge mit Engführung, deren "knüppelharter Kontrapunkt" (wieder sind wir bei Reger) ins Chaos mündet und das Zeitenende 1918 symbolisiert.

Siegfried Mauser hat seine glühende Leidenschaft gerade für die neuere Musik bewahrt. Fast musste er die Schnelligkeit seiner Gedanken und Assoziationen bremsen, aber er versteht es einfach, Hintergründe und Aussage der Stücke auf den Punkt zu bringen. Als hoch achtbarer, zupackender Pianist am nicht optimal gestimmten Flügel absolvierte er ein umfangreiches Programm.

Zu intensiven und ergreifenden Höhepunkten liefen Hindemith und die abschließenden Nocturnes von Killmayer auf. Regers Musik ging Mauser bezüglich Tempo, rhythmischer Agogik, Dynamik und Klangfarben eher improvisatorisch-frei an. Das ebenso ausziselierte wie expressive Spiel von Nicholas Rimmer am Sonntag hatte mehr Aussage frei gelegt. Ein erkenntnisreicher Abend vor der geruhsamen Nacht!

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