Sir Simon in der Sünde
Wie ein Geschenk

Der Singer/Songwriter Sir Simon (rechts) begeistert das Sünde-Publikum mit seinen liebevoll ausgestalteten Indie-Songs. Bild: otj

Neuer Sünde-Rekord: Drei Musiker, drei Bands. Der Indie-Poet Sir Simon hat ein paar Kumpels mitgebracht, die der Hauptgast im Pop-Up-Club auch für jeweils zwei Songs ans Mikro ließ. Zum mitschreiben und merken: "Talking To Turtles" und "Burkini Beach". Großartig.

Es gibt Musiker, die gehen mit ihren Songs um, wie verzogene Kinder mit Geschenken: Paket aufreißen, raushauen, nächstes Geschenk. Sir Simon geht mit seinen Songs um, wie jemand mit viel Liebe im Herzen. Der Berliner nimmt die Melodie behutsam in die Finger, ganz vorsichtig knibbelt er am Tesa-Film, um ja das filigrane Geschenkpapier nicht einzureißen.

Ist der Song dann ganz ausgewickelt, nimmt er ihn und zeigt ihn seinem Publikum. Er leuchtet und strahlt in den Raum. Seliges Lächeln ist nicht selten zu beobachten an diesem Abend in der Sünde, so warm umspült der Indie-Pop die Menschen vor der Bühne.

Simon Frontzeck war einst Keyboarder von Thees Uhlmanns Band Tomte - die Meister des umarmenden, euphorisierenden Indie-Rock. Mit Rock hat Sir Simon allerdings nicht allzu viel am Hut. Er spart an Feedback-Orgien oder geniedelten Solos. Manchmal klingt seine Stimme sogar wie die des "The Weakerthans"-Frontmanns John K. Samson. Auch seine Texte sind keine zur Revolution anstachelnden Agitprog-Hymnen, sondern feine persönliche Miniaturen über das Scheitern und Gelingen im Leben.

Wie bereits beschrieben. Ein Sir-Simon-Act ist keine Tanzveranstaltung und kein Mitgröhl-Event. Umso erstaunlicher, dass die Leute so dran bleiben. Und scheinbar verstehen, was der da oben auf der Bühne will: Sein Herz über seine großen Melodien nach außen tragen.
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