06.10.2008 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sorgen der Philatelisten um Nachwuchs und Qualität der Postwertzeichen - Forscher geehrt Weiden im Zeichen der Briefmarke

In einer Stadt voll Heiterkeit und Frohsinn glaubte sich Dieter Hartig, der Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten am Wochenende in Weiden. Rund 2500 Gäste kamen zum 109. Deutschen Philatelistentag. Sie genossen ein von Franz P. Zielinski "perfekt organisiertes, außergewöhnliches Programm", bei dem die Niederlassung Philatelie mit ihrem Tag der offenen Tür eine besondere Rolle spielte.

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

In wenigen Stunden schleuste das Team von Niederlassungsleiter Stefan Friedl rund 1000 Neugierige durch die Postwertzeichenversandstelle in Weiden-West. Höhe- und Schlusspunkt des Deutschen Philatelistentages war der Festakt am Sonntag - unter den Gästen aus Tschechien, Österreich und der Schweiz befand sich auch Hans-Jürgen Niehof, der letzte Postminister der DDR. Das Motto "Weiden im Zeichen der Briefmarke" habe ihm sehr gut gefallen, betonte OB Kurt Seggewiß. Die Briefmarke werfe Schlaglichter auf Bauwerke, Ereignisse, Personen und Kunstwerke. Sie seien, so Seggewiß, Chronisten ihrer Zeit. Mit ihnen werde Kultur über die Landesgrenzen transportiert. "Danke, dass Weiden drei Tage lang die Hauptstadt der Briefmarken sein durfte."

Objekt der Kleinkunst

Moderator Dr. Dieter Piwernetz aus Nürnberg betonte, dass die Philatelie in Weiden 60 ihrer Mitarbeiter besonders geschult habe, damit sie intensiver auf die Wünsche der Sammler eingehen könnten. Er stelle aber einen gravierenden Wandel in der Philatelie fest, sagte Dr. Piwernetz. Die Briefmarke als frankiertes Objekt der Kleinkunst scheine an Bedeutung zu verlieren. Aber auch die "Qualität in der Ausführung" leide. Die "faktischen Vorteile" der Briefmarke würden nicht mehr gepflegt. "Die Deutsche Post ist doch ein Weltunternehmen. Wir hoffen, dass es auch so bleibt."
Christian Faißt, Geschäftsbereichsleiter Philatelie der Deutschen Post aus Bonn, ging auf diese Kritik nicht ein. Er unterstrich vielmehr, dass die Briefmarke "Teil unserer Kultur und Tradition" mit hohem emotionalen Wert sei. Es gelte, Kinder und Jugendliche fürs Postkarten- und Briefeschreiben zu gewinnen. "30 Prozent der Unter-25-Jährigen haben noch nie eine Postkarte geschrieben." Das Sammeln bleibe auf jeden Fall sehr interessant und abwechslungsreich, versprach Faißt. Für 2009 gebe es über 1200 Motiv-Vorschläge: von Theodor Heuss über Heinz Erhard bis zu Golo Mann und die Varus-Schlacht.

Veränderungen folgen

In seinem Jahresrückblick räumte Präsident Dieter Hartig ein, dass der Verband die Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigt habe. Es gebe es erst sein kurzem Unterlagen für die Mitgliederwerbung. "Für unsere Image-Kampagne liegen die ersten Entwürfe vor." Gut angelaufen sei die gemeinsame Aktion mit der Versandstelle. Eine halbe Million Kunden habe das Faltblatt erhalten. "Die Philatelie verändert sich. Wir müssen uns darauf einstellen, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht", unterstrich Hartig. Die Briefmarke werde neue Bedeutung erhalten. "Sie darf als Kulturgut nicht verschwinden."

Forscher geehrt

Die Verdienstnadel des Verbandes in Gold erhielten Peter Girlich (Leipzig) und Gerhard Hilbig (Hannover). Der Aloys-Wilhelm-Bögershausen-Preis ging an Helmut Oeleker (Soest), die Kalckhoff-Medaille an Peter Fischer (Berlin). Den Deninger-Preis der Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte erhielt Wolfgang Maassen (Schwalmtal). Mit ihrem Preis ehrte die Sieger-Stiftung Peter Fischer (Berlin), Wilhelm van Loo (Aachen), Wolfgang Maassen, Helmut Oechsner (Nürnberg), Dr. Hans-Karl Penning (Bornheim).

In seinem Festvortrag "Die Wiederentdeckung der Philatelie im Osten Europas" empfahl Michael Adler, Ehrenpräsident des Bundes Deutscher Philatelisten, den Briefmarken aus Ungarn, Rumänien usw. verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.

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