09.03.2018 - 14:16 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Sorry Gilberto bei Klein & Kunst Folk, der sich in Popmusik verwandelt

Sie erzählen gerne musikalisch und können manchmal auch skurril sein. Am Donnerstag, 15. März, tritt das Berliner Folk-Pop-Duo "Sorry Gilberto" mit seinen Minimal-Pop-Chansons bei der "Klein & Kunst"-Reihe in Weiden auf.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Anne von Keller und Jakob Dobers müssen ziemliche Schläge einstecken - zumindest im Video zu einem ihrer Songs. Im Interview mit der Kulturredaktion sprechen sie über ihre Heimat Berlin, "verdrehte Tiere" und sogar über die Oberpfalz. Am Donnerstag, 15. März (20 Uhr) spielen sie bei "Klein & Kunst" in der Max-Reger-Halle (Untergeschoss.

Sorry Gilberto - was hat es mit dem Namen auf sich?

Sorry Gilberto: Er ist eine vorauseilende Entschuldigung bei den Müttern und Vätern des Bossa-Nova Jao Gilberto, Astrud Gilberto etc. In den Anfangstagen der Band, damals noch ein eher loses Projekt, haben wir uns von dieser Musikrichtung sehr beeinflussen lassen. Einfach weil wir die Atmosphäre mochten. Wir wussten aber nicht wirklich wie man sie spielt. Dafür die Entschuldigung. Unsere Musik hat sich seitdem sehr verändert, der Name ist geblieben.

Wer sich über Sie und ihre Musik informiert beziehungsweise selbst anhört, kommt an dem Begriff "Indie-Folk" nicht vorbei. Wie würden Sie ihre Musik denn selbst beschreiben?

Bei uns steht das Erzählen schon sehr im Vordergrund. Insofern passt Folk ganz gut. Auf der anderen Seite sind wir moderne Großstädter und wenn wir so was wie Folk adaptieren verwandelt er sich fast automatisch in Popmusik. Es schwingt eben alles mit, ganz egal wie reduziert man arbeitet. Uns haben neben Leuten wie Leonard Cohen und den Silver Jews auch Bands wie die Moldy Peaches geprägt. Einfach von der Haltung her. Und wir mögen Melodien und Catchyness. Das ist der Pop-Aspekt bei uns.

Sie sind ja in Berlin zu Hause. Wie hat sich Ihrer Einschätzung nach die Musikszene in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren verändert?

Sie ist sehr viel internationaler geworden. Und es gibt viel mehr Durchlauf. Musiker, die für ein Jahr oder so kommen und dann weiterziehen. Andererseits trifft man auf den einschlägigen Konzerten dann doch immer dieselben Leute. Man kann vielleicht sagen, dass die Abgrenzungen sehr viel weniger geworden sind. Es gibt nicht mehr unbedingt so eindeutig eingegrenzte Szenen. Aber das würden so Metal-Kids vielleicht ganz anders erzählen...

Merken Sie einen Unterschied beim Publikum in der Metropole und auf dem "flachen Land"?

Eigentlich eher den Unterschied zwischen Auftrittsorten. Wenn ein Club ein sehr klares Profil hat und eine Idee hinter der Programmierung steht, dann prägt das auch das Publikum. Das ist ja eigentlich das Schöne. Dass ein Laden, ganz egal wo, sein Publikum musikalisch sozialisieren kann. Dann ist manchmal der Unterschied zwischen einem Club in Berlin und einem in Künzelsau zum Beispiel kaum zu bemerken.

Das aktuelle Album heißt "Twisted Animals". Was hat es denn mit diesen "Tieren" auf sich?

Naja, das bezieht sich schon irgendwo auf den Menschen. Der Mensch als "verdrehtes" Tier, der sich mit Hilfe des Denkens selbst erweitern und beschneiden kann. Der eine Vorstellung von sich entwickeln kann, die ihm dann wiederum im Weg steht. Der sich aber auch wirklich tolle Sachen einfallen lassen kann. Manchmal. Andererseits eben einfach auch aus Fleisch und Blut ist. Ein twisted animal eben.

Wenn sich jemand Ihr Video zu "Yellow Sweater" anschaut und zu dem Ergebnis "Cool, aber auch irgendwie skurril" kommt - was sagen Sie dem?

Dann hat der wohl recht. Die Idee stammte vom Regisseur des Videos Mario Mentrup, der eines Tages sagte: Wir machen ein Video, in dem ihr andauernd verkloppt werdet. Wir fanden das gleich gut und dann kam auch noch Marva Kübler dazu, ein richtiger Mixed-Martial Arts-Kämpfer und Wrestler. Der hat uns dann ein bisschen trainiert. Blaue Flecken inklusive. Und diese Zeitlupenkämpfe haben so was psychedelisches, was schon sehr gut zum Song passt, wie wir finden.

Am 15. März kommen Sie nach Weiden, in die Oberpfalz. Sind Sie schon mal in der Gegend gewesen oder ist das absolutes "Neuland"?

Wir haben schon öfter in Regensburg gespielt. Näher dran waren wir glaube ich noch nicht. Aber wir kennen einige Leute, die in Weiden aufgewachsen sind . Immerhin. Aber es ist jedes Mal schön an neue Orte zu kommen und wir freuen uns schon sehr auf unser Konzert dort.

___

Karten auf NT-Ticket und beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290 sowie an der Abendkasse.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.