10.04.2018 - 09:56 Uhr
Oberpfalz

Sternstunde des Jazz mit Don Menza Unverbesserlicher Romantiker

Am 22. April feiert er seinen 82. Geburtstag. Don Menza hat Jazz-Geschichte geschrieben und ist gegenwärtig auf einer ausgedehnten Konzert-Tournee durch Europa. Beim Jazz-Zirkel-Weiden, im intimen Ambiente des Bistrot Paris, gibt es ein Wiedersehen mit der lebenden Saxofon-Legende.

Don Menza (zweiter von rechts), die lebende Saxofon-Legende, beschert dem Jazz-Zirkel-Weiden eine Sternstunde der Musik. Bild: Reitz
von Louis ReitzProfil

Donald Joseph Menza, geboren am 22. April 1936 in Buffalo (New York) gehört zum Tafelsilber des modernen Jazz. Er spielte in unzähligen Bigbands und war auch lange Jahre als Studio-Musiker in Kalifornien aktiv. Aber seine große Liebe gehört den kleinen Combos. Hier hat jeder Musiker die größtmögliche Freiheit, sich zu entfalten, und hier verhält es sich ähnlich wie bei gutem Wein: Jeder Jahrgang wird besser!

"Ich hasse Mikrofone!" beteuert Menza und begibt sich am Freitag in einen Dialog mit dem Publikum. Er erzählt Anekdoten aus seinem Leben, setzt unvermittelt sein Saxofon an die Lippen und nimmt die Zuhörer mit auf eine unvergessliche Klangreise.

Energie und Magie

"I remember you" steht am Anfang, und vom ersten Ton an spürt man die Energie und Magie eines erfüllten Musiker-Daseins. Der erdige Ton seines Instruments geht unter die Haut und ruft immer wieder die großen Namen ins Gedächtnis: Coleman Hawkins, Sonny Rollins aber auch Stan Getz oder Charlie Parker. Don Menza kopiert nicht, er hat die Einflüsse seiner Vorgänger weiter entwickelt und einen unverkennbaren eigenen Stil erschaffen, der vor allem durch edle Klangkultur und schöne Melodien geprägt wird. Vorlagen aus dem "Great American Songbook" stehen neben Eigenkompositionen, ausdrucksvolle Balladen neben heißen Bebop-Phrasen.

Unterstützt wird er von drei Musikern aus Österreich, die er während seiner Professur an der Kunstuniversität Graz kennengelernt hat. "Ich spiele seit 13 Jahren mit Jörg Reiter" sagt Don, und das Ensemble reagiert blind aufeinander. Hier gibt es kein festgelegtes Programm oder starre Arrangements, man schöpft aus einem riesigen Fundus von Songs, die spontan ausgewählt werden. Jeder Musiker hat viel Raum und Zeit, um seine Gefühle auszurücken. Oliver Kent (Klavier), Johannes Strasser (Kontrabass) und Bernd Reiter (Schlagzeug) zeigen sich als einfühlsame Begleiter, aber auch als begnadete Solisten.

Da spielt Oliver Kent bei "Old Folks" ein spannungsgeladenes Solo, das alle Facetten seines Könnens zeigt. Bei Menzas Komposition "Broad Bottom" brilliert Strasser als souveräner Solist, und auch bei ihm hat die Klangqualität absolute Priorität. Bernd Reiter ist ein Meister der Nuancen und Stimmungen. Er passt seine Trommeln und Becken dem Charakter der jeweiligen Stücke an, mal dezent sensibel, dann wieder expressiv und kraftvoll.

Hommage an Rollins

"Sonny Daze" widmet Don Menza seinem großen Idol Sonny Rollins, der ihn einst nach einer schöpferischen Pause wieder auf die Bühne zurückgebracht hat. Im ausgelassenen Calypso-Rhythmus groovt das Quartett von Höhepunkt zu Höhepunkt, und hier präsentiert sich Bernd Reiter mit einem dynamisch aufgebauten Schlagzeugsolo. Don Menza arbeitete 47 Jahre mit Henri Mancini zusammen, und aus dieser Zeit stammt das stimmungsvolle "Charade". Diesmal allerdings wird es im Stil von Charlie Parker mit rasenden Bebop-Phrasen dargeboten und Don rät: "Bitte anschnallen!"

Auch seinem Vorbild Coleman Hawkins, dem "Vater des Tenorsaxofons" zollt Don mit "Body & Soul" Tribut, allerdings nicht in der legendären Solo-Version, sondern im sensiblem Duo von Saxofon und Klavier. "Hawk konnte mit seinem Horn auch große Räume ausfüllen. Er brauchte kein Mikrofon!"

Natürlich darf in einem Jazz-Konzert auch der Blues nicht fehlen. Mit seiner eigenen Komposition "Last Call" als Zugabe demonstriert Don noch einmal die zeitlose Essenz der Musik. Es kommt nicht darauf an, was man spielt, sondern wie. Eine Sternstunde der Musik geht zu Ende. Wer dabei war, wird diesen Abend wohl nie vergessen!

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