Stimmungsvolle musikalische Lesung von Klaus Hoffmann bei den Weidener Literaturtagen im ...
Wohltuende Lebensbilder aus dem "Nüscht"

Er hat viel gesehen und erlebt, scheint der Blick Klaus Hoffmanns auszudrücken. Der Liedermacher bot mit seinem Auftritt bei den Weidener Literaturtagen einen nostalgischen Rückblick auf sein Leben und damit zugleich auf eine spannende Epoche der jüngeren Zeitgeschichte. Bild: Karin Wilck
Seine Stimme ist für einen Liedermacher eigentlich zu gut. Weich und melodisch und mit einer immer mitschwingenden, natürlichen Emotionalität. Und doch ist Klaus Hoffmann einer der bemerkenswertesten Vertreter dieser Gilde. Denn in der Mischung mit seinen Texten gelingt beim Publikum der Balanceakt - ein sonores Wohlgefühl zu schaffen, ohne es dabei gedanklich abdriften zu lassen.

Auch in der eher nüchternen Umgebung des Verkaufsraumes des Autohauses Widmann kreiert der ausgebildete Schauspieler diese eigene Atmosphäre. Seine Erzählungen wirken verstärkt durch das stimmige Lichtkonzept wie grüne Schimmer der Menschlichkeit, umgeben vom harten blauen LED-Licht der Realität.

Lebendige Bilder

Es ist weniger die angekündigte, mit Musik aufgelockerte Lesung aus Hoffmanns Autobiografie "Als wenn es gar nichts wär", die die gut 150 Zuhörer am Sonntag bei den Weidener Literaturtagen erleben. Denn oft legt der 62-Jährige das Buch beiseite und erzählt (und singt) frei über markante Eckpunkte seines Lebens. Dabei entstehen Bilder mit ungeheuerer Detailfülle. Keine Dokumentation könnte die Nachkriegszeit in Berlin, in der zerstörte Männer die Familien, Inge Meysel das Kino und das Spiel der Leierkastenmänner den kleinen Klaus prägten, eindringlicher beschreiben, als ein Herbstspaziergang mit seiner Mutter und der bewegende Titel "Der König der Kinder".
Auch die Anfänge als Liedermacher Ende der 60er Jahre in Szenekneipen, als er "linker als links" aus jeder Protestgruppe flog und dem Titel "Du musst jetzt geh'n" auf einer Gitarre für 15 Mark erste Preise gewann, fesseln. Oder der obligatorische Eskapismus für jeden echten Beatnick nach Indien, der den Jugendlichen nach Afghanistan verschlug. Während seine Begleiter von dieser Reise - außer anhaltenden Verdauungsproblemen - kaum etwas mitnahmen, bestärkte sie in ihm die Lebensfreude und den Drang seiner Zeit, etwas aus "Nüscht" zu machen. Verewigt im kraftvollen "Wenn ich's hier schaff, schaff ich's überall".

Drei Akkorde reichen

Die Biografie sei aus dem Zufall heraus geboren, betont Hoffmann, denn eigentlich wollte er ein Handbuch für junge Liedermacher schreiben - im Sinne von "mit drei Akkorden zum Erfolg". Sein Verlag habe ihn dazu genötigt. Man ist geneigt, ihm zu glauben, denn seine Geschichten bergen viel Katharsis, aber kaum etwas von jenen Eitelkeiten und prätentiösen Schilderungen ähnlicher Lebensbilder.
Weggefährten wie Reinhard Mey, der ritualartig vor Konzerten seine Texte durchgeht, oder Hannes Wader, der ihn heute noch seine Gitarre hinterhertragen lassen würde, sind keine Referenzen, sondern dienen eher als Objekte für wohlmeinende Lacher.

Überhaupt sorgt der typische Berliner Humor aus der Situation heraus für Auflockerung. Das Publikum dankt es ihm. Denn Hoffmanns eigene ersten drei Akkorde waren a-moll, d-moll und A-Dur. Und so recht konnte sich "der Mollige" - wie er sich selbst nennt - bis heute nicht davon nicht lösen. Seine Lieder sind so oft tief nostalgisch und traurig.

Aber dank seiner wohlklingenden Stimme auch tröstlich. Selbst die viel beklatschte Zugabe "Adieu Emile" von Jacques Brel - der Abschied eines Sterbenden - klingt bei Hoffmann, dem Chansonnier der etwas anderen Art, weniger wie der harte Ton des kleinen Belgiers, sondern eher nach Terry Jacks' Version "Seasons In The Sun" - berührend und versöhnlich.
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