12.04.2018 - 09:56 Uhr
Oberpfalz

Strompost Kollektiv ehrt Weidener Komponist mit Konzert und CD Max Regers coole Seite

Das Strompost Kollektiv spielt im Max-Reger-Jahr 2016 ein vom Altmeister inspiriertes Programm in der nach ihm benannten Halle. Schade, dass es davon keine CD gibt, meinen hingerissene Zuhörer. Das soll sich bald ändern. Doch zuvor gibt es einen neuen Appetitan-Reger.

Piano, Klarinette, Gesang, Kontrabass, E-Gitarre und Schlagzeug. Allein diese Besetzung des Strompost Kollektivs verspricht Spannung unter dem Motto "Reger now". Bild: exb
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Seit jenem 30.September vor fast zwei Jahren ist es um Reger und die sieben Strompostboten still geworden. Aber nur, weil sie das Projekt weiterentwickelt haben, erklärt Schlagzeuger Lukas Höllerer: "Das Konzert damals war eher ein Experiment. Danach ist der Druck abgefallen, und wir konnten uns viel intensiver mit den Stücken befassen." Das Ergebnis präsentiert das Kollektiv am Samstag um 20.30 Uhr im Alten Rathaus.

Dieses Konzert sei laut Höllerer als "kleiner Zwischenruf" gedacht. Er lautet, dass im Herbst eine CD erscheinen soll. Sie soll acht bis neun Stücke enthalten. Darunter sind "Mariä Wiegenlied", "Ich hab die Nacht geträumet", Präludium Op.82/4 sowie "Blätter und Blüten" aus dem "Albumblatt".

Abmischen in der Endphase

Höllerer und seine Mitstreiter haben sie in den Ghost City Studios bei Nürnberg mit Toningenieur Christian Hielscher aufgenommen. Das Abmischen geht zurzeit in die Endphase. "Sehr jazzig und zeitgemäß" soll es klingen. Das heißt, dass elektronisches Schlagwerk, Synthesizer und andere technische Spielereien zum Einsatz kommen. Gleichzeitig spielt Pianist Jeremias Kaiser Regersche Klavierpassagen klar und völlig unverfremdet ein. Improvisierte Reger-Fugen und -Sonaten à la "Jazz goes Klassik" sind allerdings nicht zu erwarten. Höllerer: "Wir zitieren den Meister auch mal eins zu eins nach Noten und orientieren uns an seinen Akkordstrukturen, aber dahinter steckt die Fragestellung: Wie würde Reger heute komponieren?"

Trotzdem sind auf CD und beim Konzert auch die Einflüsse neuerer Helden der Strompost-Kollektivisten zu hören. Nils Frahm oder der schwedische Piano-Riese Esbjörn Svensson zum Beispiel. "Leicht melancholischer, angegrauter Jazz, der aber auch was Poppiges hat." Das passe gut in den holzvertäfelten Saal des Alten Rathauses, der gute Akustik biete. Lichteffekte sollen einen popkulturellen Kontrapunkt zum altehrwürdigen Ambiente setzen.

Klingt erstmal schräg

Das alles klingt für den einen oder anderen erst einmal schräg. Das soll es auf keinen Fall sein, unterstreicht Höllerer: "Es wird Erläuterungen zu den Stücken geben. Wir wollen nichts spielen, das niemand versteht." Mit dem Problem hatte Reger in seiner Zeit schon eher zu kämpfen. Das Schwierige, das dem Tonkünstler anhaftet, ist vielleicht auch der Grund, warum die internationale Max-Reger-Gesellschaft die Strompost-CD nicht fördert. "Denen steckt zu wenig Reger drin", sagt Höllerer. Dafür hätten sich die Stadt und die Macher der Max-Reger-Tage um Petra Vorsatz stark dafür engagiert, schickt die Band einen Dank Richtung Rathaus und Kulturamt. Dort habe man den Gedanken verstanden, Reger etwas zu entstauben. Denn Höllerer weiß: "Man kann von niemanden verlangen, dass man ihn auf Anhieb cool findet."

Das ahnte Weidens Komponist schon zu Lebzeiten, wie eines seiner berühmtesten Zitate belegt: "Das Schwein und der Künstler werden erst nach ihrem Tode geschätzt."

Konzertkarten an der Abendkasse und bei den bekannten Internet-Vorverkaufsstellen

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