Strompost Kollektiv mischt Jazz und Klassik im Alten Rathaus Weiden
Intellektuelles Crossover

Temporeich und sanft: (von links) Pianist Jeremias Kaiser, Uli Schmutzer (Kontrabass), Benedikt Hengstl (Gitarre), Luzi Brandl (Querflöte) und Schlagzeuger Lukas Höllerer spielen Reger'schen Jazz. Bild: Williamson)
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
15.04.2018
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Noch immer gibt es Puristen, die bei jeder musikalischen Grenzüberschreitung das Dahinscheiden einer Stilreinheit beklagen. So auch wenn es um Klassik und Jazz geht. Diese Kombination ist außergewöhnlich und wurde bisweilen sowohl von Jazzmusikern als auch von klassischen Komponisten vernachlässigt.



Das Weidener Strompost-Kollektiv hat mit "Reger: now" ein Programm zusammengestellt, das ausgesuchte Kompositionen von Max Reger mit eigenen jazzigen Arrangements kombiniert.

Notwendiger Drive

Das Ergebnis: Intellektuelles Cross-over. Dabei wird die Sinfonie nicht mit ein paar kitschigen Liegetönen abgespeist, sondern schwingt gleichberechtigt neben Luzi Brandl, Lukas Höllerer, Benedikt Hengstl, Jeremias Kaiser und Uli Schmutzer. Grenzüberschreitungen und Stiladaptionen waren immer schon Bestandteil aller Musik-Genres. Und was bitte schön wäre der Jazz ohne Anleihen anderer Sparten? Jemand, der Klassik und Jazz ganz hervorragend miteinander zu verbinden wusste, war George Gershwin. Seine "Rhapsody in Blue" gilt als eines der Werke, die wirklich beides vereinen: Sinfonik und Jazz. Aber mit Max Reger hat es noch keiner getrieben. Nicht nur, dass der Rhythmus des Schlagzeugs und die Tiefe des Kontrabasses bei "Reger: now" den notwendigen Drive verpasst - Strompost-Kollektiv spielen so, als seien Regers Werke Jazz-Standards. "Meistens treten wir nur im Hintergrund auf. Als Begleiter", erzählt Schlagzeuger Lukas Höllerer am Samstag im Alten Rathaus in weiden. Dafür sind die musikalische Umsetzung und Können aber definitiv zu schade. Ihren Jazz aufgrund Performance und Improvisation haben sie gemeistert, obwohl die Harmonik ihrer Darbietungen eindeutig Reger zu verdanken ist. Die vielgepriesene Freiheit der Kunst kennt nur dort kein Cross-over, wo das deutsche Urheberrecht ernste Musik und Unterhaltungsmusik trennt. Aber daran kann ja noch gearbeitet werden.

CD erscheint im Herbst

Um dem Publikum zu zeigen, was sich das Künstler-Kollektiv ausgedacht hat, werden einige Werke im Original und als Neukomposition gespielt. Eine nette Idee, die das Programm allerdings nicht nötig hat. Letztendlich kommt das Publikum, um die Arrangements der modernen Musiker zu hören. Zwischen Tristesse und Bonheur, Pop und Romantik gemischt mit für den Jazz typischen Offbeat und europäischer Melodien liegt das Klangerlebnis, das Strompost-Kollektiv mit "Reger: now" darzubieten hat. Im Herbst gibt es sie auch auf CD.
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Irene Kassubek aus Weiden in der Oberpfalz | 16.04.2018 | 18:48  
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