"Sündikat"-Team nimmt in München Bayerischen Popkultur-Preis entgegen
Live-Konzerte in "toten Ecken"

Da ist das Ding! Über Trophäe und Scheck zum Popkultur-Preis freuen sich die Jungs vom "Sündikat". Zum Festakt im BR-Funkhaus in München haben sie zahlreiche Unterstützer und Freunde mitgenommen. Bild: exb/Christian Höllerer
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
06.12.2017
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Da ist das Ding! Über Trophäe und Scheck zum Popkultur-Preis freuen sich die Jungs vom "Sündikat". Zum Festakt in München haben sie zahlreiche Unterstützer und Freunde mitgenommen. Bild: exb/Christian Höllerer

Die Siegestrophäe findet wohl einen Ehrenplatz im Vereinslokal, der Kneipe "Neues Linda". Was die Jungs vom "Sündikat" mit der Prämie von 2000 Euro anstellen, ist dagegen noch nicht ganz raus. "Ein Teil fließt vielleicht in ein Helferfest, mit dem wir uns bei Gönnern und Unterstützern bedanken", sagt Christian Gold, Vorstandsmitglied des Kulturvereins. Mit dem Rest könnte man die Gage eines "etwas größeren Künstlers" finanzieren. Oder neue Technik. So oder so - zugute kommen soll das Geld wieder der Kultur.

Der Popkultur, um genau zu sein. Für die engagiert sich der Weidener Verein derart erfolgreich, dass elf seiner Aktiven am Dienstag in München den Bayerischen Popkultur-Preis in der Kategorie "Innovation" entgegennahmen. Mit dabei im BR-Funkhaus auch Unterstützer wie Jugendpfleger Ewald Zenger, Stadtrat Florian Graf und "Linda"-Wirt Robert Hammer. Als innovativ beurteilte die Jury insbesondere das Konzept des Pop-up-Clubs "Die Sünde": Konzertserien in ansonsten leerstehenden Räumen. Entwickelt hat sich das vor zwei Jahren aus einem Gastspiel des "Trio Elf" um den Weidener Gerwin Eisenhauer, das in einer ausgedienten Metzgereifiliale auf der Allee musizierte. Spontan lotste das "Sündikat" in den folgenden Wochen weitere Künstler auf die provisorische Bühne. Im Herbst 2016 folgte der Umzug in den Josefshaus-Keller, der auch heuer als Konzertstätte auf Zeit dient.

Passend, dass "Sünde"-Pionier Eisenhauer in München die Laudatio auf die Weidener Kulturförderer hielt. Kernaussage: Die "Sündikat"-Mitglieder "leisten nicht nur Kulturarbeit, nein, sie beleben tote Ecken der Stadt wieder". Mit zwei Filmchen stellte der Weidener Verein sich und seine Stadt vor. Lukas Höllerer dankte für die Auszeichnung. Für Musik beim Festakt sorgte zufällig Xavier Darcy - ebenfalls ein Künstler aus der ersten "Sünde"-Saison.

Die laufende dritte ist ein Hit: Fünf von bisher sechs Konzerten waren restlos ausverkauft. Für die nächsten beiden - "Van Holzen" am Freitag, Tim Neuhaus am Sonntag - gibt es noch Karten. Nach insgesamt elf Terminen endet die Saison am 30. Dezember mit dem Techno-Duo "Ströme". Und dann begeben sich die Popkultur-Preisträger auf die Suche nach einem neuen "Pop-up-Club".

"So was von verdient"Weiden sei bekannt durch Witt, Bauscher "und vor allem vom Vorbeifahren, wenn man von Regensburg nach Berlin will". Sagt Gerwin Eisenhauer - ein gebürtiger Weidener - in seiner Laudation auf das "Sündikat". "Es ist eine dieser Städte mit so um die 40 000 Einwohner, so eine ganz schwierige Größe. Irgendwie kein Dorf, aber auch ganz weit weg von irgendwas Urbanem." Viele junge Leute jammerten darüber oder langweilten sich. Anders die "Typen" vom "Sündikat", welche die Möglichkeiten der kleinen Stadt "recht sinnvoll und clever für sich nutzen", lobt Eisenhauer. Sie blickten nicht neidvoll auf die Konzertszene im Metropolen, sondern holten ihre Lieblingsband einfach von dort nach Weiden. "Bei den Jungs geht das so weit, dass sie, wenn sie ein Jazzkonzert veranstalten - und ich durfte das live erleben -, einfach einen Jazzclub bauen. Und zwar in einer stillgelegten Metzgerei." Inzwischen vertraue ihnen das Publikum fast schon blind, nach dem Motto: "Wenn die Leute vom ,Sündikat' was machen, ist es auf jeden Fall irgendwie interessant." Den Bayerischen Popkultur-Preis für den Verein findet Eisenhauer "so was von verdient". (rg)
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