15.05.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Susanne Neumann zeigt bis 22. Juni beim Kunstverein Weiden "Arbeiten von unterwegs" "Autonautin" in Sachen Kunst

Blaue Weihnachtsteller hat Susanne Neumann (neben Ausstellungskurator Wolfgang Herzer) zu einem großen Wandbild zusammengefügt. Diese und andere Arbeiten zeigt sie zur Zeit beim Kunstverein Weiden. Bild: Prölß
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Es gibt Geschenke, da weiß man einfach nicht, wohin damit. Weihnachts-Sammelteller sind so ein Fall. Überall hin, so die Devise, nur nicht an die Wand. Falsch. Man muss nur warten, bis man 45 Jahrgänge zusammen hat. 45 blaue Porzellanteller, die sich an der Wand spiralförmig zur riesigen "Porzellantellerschneckengalaxie" entfalten, sind derzeit Blickfang beim Kunstverein Weiden und originelle Visitenkarte der ausstellenden Künstlerin.

Im Unterwegs beheimatet

Denn aus ihrer Oberpfälzer Herkunft, aus ihrer Verbundenheit mit der ehemaligen Porzellanstadt Waldsassen, hat Susanne Neumann nie einen Hehl gemacht. Im Gegenteil. Es begann mit der fotografischen Dokumentation sämtlicher Häuser in Waldsassen, gefolgt von der Ausstellung "Weißes Gold", als sie in Nürnberg gerettete Fundstücke aus der maroden Porzellanfabrik Bareuther zeigte.

Und auch die blauen Weihnachtsteller an der Kunstvereinswand sind selbstredend keine unliebsamen Geschenke, sondern ebenfalls Relikte aus dem Waldsassener Traditionsbetrieb, der 2008 der Abrissbirne zum Opfer fiel. Auszüge aus diesen Arbeiten sind auch in Neumanns aktueller Ausstellung zu sehen. Neu ist der Kontext.

Die Ausstellung "Der Body der Botin der Botschaft" lenkt den Fokus auf das Schaffen einer Künstlerin, die nicht nur in der Oberpfalz zu Hause ist. Mit Ateliers in Wien, Berlin und Seggiano, wo sie als Kuratorin und Vizepräsidentin der Stiftung "IL Giardano di Daniel Spoerri" arbeitet, ist Susanne Neumann immer auch im Unterwegs beheimatet. Als Botin und selbst ernannte "Autonautin" in Sachen Kunst, zeigt sie nun Arbeiten, die auf den vielen Fahrten zwischen Waldsassen und Wien, Berlin und Italien entstanden sind.

Leitthema sind Motive des Vorbeifahrens, Motive aus dem Niemandsland am Straßenrand wie die in Öl gemalte Serie von Autobahn-Baustellen, doch es gibt auch kuriose Reisefundstücke. Dazu zählt die funkelnde Kollektion zerborstener Rückspiegel ebenso wie "Autobahn-Schoggi" aus Schweizer Herstellung. Von einem Berlinaufenthalt zeugen zwei Wände voll mit beiläufig notierten Notizen und To-Do-Listen. Und als wolle sie dieser Aura des Flüchtigen, der Frage "Was bleibt eigentlich?", etwas Beständiges entgegensetzen, legt sie beschwörend, als Erdungsversuch, dicke Heimatwälzer auf den Boden.

Malerei bis Objektkunst

Der gezeigten Motiv-Vielfalt entsprechend reichen die künstlerischen Darstellungsmittel von "old-fashioned" Ölmalerei bis Objektkunst, von Installation bis Videoarbeit. Es gibt kein bevorzugtes Medium. "Neumann legt sich nicht fest, sie reist, sie bleibt offen", so Wolfgang Herzer, der in seiner Werkeinführung immer wieder auch den großen Bogen schlug zur großen europäischen Tradition, auf berühmte Italienreisende wie Goethe oder William Turner verwies. Und die Bareuther Weihnachtsteller? Für Herzer blau-strahlendes Symbol für die Sehnsucht nach Ferne, eine "Blaue Blume der Romantik". Auch ein schönes Bild.

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Die Ausstellung von Susanne Neumann "Autonautin: Waldsassen, Berlin, Wien, Seggiano" ist bis zum 22. Juni im Kunstverein Weiden (Ledererstraße 6) zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 20 - 22 Uhr, Sonntag 14 - 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 0961/46308.

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