Themen der Gesellschaft präsentieren

Die anspruchsvollen Seiten der dunklen Jahreszeit: Das Herbst-/Winterprogramm des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing präsentieren die Vorstandssprecher Ehrenfried Lachmann (von links), Karin Holl, Uta Doenitz und Fritz-Dieter Doenitz. Bild: Bühner
 

Hochkarätige Referenten, hochaktuelle Themen: Der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing in Weiden präsentiert sein Programm für das nächste Halbjahr.

"Im weitesten Sinne haben alle unsere Themen einen religiösen Hintergrund, denn sie betreffen grundlegende Wertvorstellungen unserer Kultur und der menschlichen Existenz", sagt Ehrenfried Lachmann, Sprecher des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing in Weiden, bei der Vorstellung des Herbst-/Winterprogramms. Auch wenn der Freundeskreis der Evangelischen Kirche sehr nahe steht, seien die Veranstaltungen offen für alle.

Nachdem die jüngsten Vorträge schwerpunktmäßig die Reformation und die Person Martin Luther behandelt haben, wird das neue Programm inhaltlich wieder mehr auf aktuelle Themen eingehen. "Weiterhin wollen wir aber auch grundsätzliche religionsbezogene Fragestellungen behandeln", ergänzt Lachmann. Entsprechend der Zielsetzung des Freundeskreises soll auch das neue Programm einen Beitrag leisten, an der "Gestaltung einer verantwortlichen, gerechten und partizipativen Gesellschaft mitzuwirken".

Deshalb sei zum Auftakt ein Thema gewählt worden, das "leider viel zu oft verdrängt" werde. Weltweit entstünden nach wie vor neue Atomkraftwerke. Dabei sei das Endlagerproblem auch wissenschaftlich noch ungelöst. Über alle damit zusammenhängende Fragen wird am 25. September um 20 Uhr im Martin-Schalling-Haus Klaus Heide, Professor für Geowissenschaften und Mineralogie, sprechen. "Sein ganzes Leben beschäftigte sich Heide mit Atomkraftwerken", erklärt Uta Doenitz vom Freundeskreis-Vorstand.

Der zweite Termin behandelt den Umbruch in der Medienwelt und dessen Folgen. "Wir leben in einer Zeit, in der Nachrichten nicht mehr uneingeschränkt glaubhaft sind", heißt es dazu in der Ankündigung der Veranstaltung, deren Co-Organisatoren das Evangelische Bildungswerk und das Dekanat sind. Dazu gibt es eine Podiumsdiskussion am 4. Oktober, 19 Uhr, unter anderem mit Chefredakteur Norbert Gottlöber von Oberpfalz-Medien (OM) und mit Philipp Reich, Leiter des Jugendmedienzentrums T1. Veranstaltungsort ist das Verlagshaus von OM.

Ein Thema mit direktem religiösem Bezug folgt am 16. Oktober um 20 Uhr im Martin-Schalling-Haus. "Ein Held mit vielen Gesichtern - Jesusbilder im Wandel der Zeit": So hat die Germanistin und Kunsthistorikerin Silke Winter aus Weiden ihren Vortrag überschrieben. Jesus sei der "meistporträtierte Mann in der Kultur des Abendlandes", sagt sie.

Weil ein sehr großes Interesse erwartet wird, haben die Akademie-Freunde ihre Veranstaltung am 10. November, 20 Uhr, in die Aula der FOS/BOS verlegt. Mit Kristin Helberg aus Berlin komme eine exzellente Journalistin und Syrienkennerin, Buchautorin und gefragte Talkshow-Teilnehmerin als Referentin. Zehn Jahre lebte Helberg in Syrien. "Verzerrte Sichtweisen, Syrer bei uns " lautet der Titel ihres Vortrags.

Abgerundet wird dann in der vorweihnachtlichen Zeit das Vortragsprogramm am 5. Dezember im Martin-Schalling-Haus um 20 Uhr mit dem Thema "Zweifelnd glauben - über Religion und Spiritualität in unserer Zeit ". Es referiert Hubert Ettl aus Viechtach, Lehrer, Verleger und Buchautor. Die Entscheidung, an Gott oder etwas Göttliches zu glauben, müsse heutzutage der Vernunft standhalten, sagt er.

Gegengewicht

Von Siegfried Bühner

Was der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing mit seinen Veranstaltungsreihen seit Jahrzehnten für das Kulturleben der Stadt und Region leistet, ist höchst anerkennenswert. Jedes Jahr stellen die Organisatoren ein neues Programm mit wichtigen zeitkritischen oder religiösen Themen auf.

Dahinter stecken viel Aufwand und persönliches Engagement. Alles läuft ehrenamtlich, Zuschüsse der Dachorganisation, an die die Mitgliedsbeiträge fließen, sind spärlich. Mit den kleinen Eintrittsgebühren muss alles finanziert werden.

Doch das Publikum würdigt das Engagement mit hohen Besucherzahlen. Manchmal gab es in der vergangenen Saison im Martin-Schalling-Haus nur noch Stehplätze. Dabei ist das dortige Fassungsvermögen höher als vorher im Evangelischen Vereinshaus. Ein vergleichbares ehrenamtliches Engagement in der Wissensvermittlung rund um Gesellschaft und Religion ist im Raum Weiden kaum mehr zu finden. Im Musikleben der Stadt gibt es Ähnliches. Für viele Besucher der Vorträge ist es ein anspruchsvolles Gegengewicht zu den vielen oft oberflächlichen Freizeitunterhaltungen. Sollte nicht das Engagement der Gruppe um Ehrenfried Lachmann auch einmal "von höchster Stelle" gewürdigt werden?

redws@oberpfalzmedien.de
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