01.12.2017 - 13:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tourauftakt Ida Gard in Weiden Die herrliche Magie des Moments

"Die Gedanken sind frei", ist Gards Motto seit der frühen Jugend, "und irgendwann sind es auch die Worte und Taten. Darauf kommt es mir an." Dass dieser Freigeist es ernst meint mit jener Devise, merkt man bereits dem Albumtitel "Womb" an.

von Autor MFGProfil

Ida Gard verbindet eine tiefe Hassliebe zu ihrem Heimatort, einem kleinen Kaff im Norden Dänemarks. "Ich bin früh von zu Hause weggegangen, nach Kopenhagen, wo ich bis heute lebe", erzählt die exaltierte Künstlerin, "weil mir die Enge dieses Nests rasch zu eng war. Gleichzeitig bietet solch ein Platz, in dem jeder jeden kennt, eine gewisse Behaglichkeit und Geborgenheit, die man in großen Städten nur selten findet."

Speziell auf ihrem aktuellen dritten Album "Womb" hat die Skandinavierin mit der gewagten Frisur diese Hassliebe inhaltlich verarbeitet. Ein richtiges Konzept irgendwo zwischen Heimweh und Fernsucht ist dieses Mal entstanden. "Auslöser dafür", meint die 31jährige, "war die Lektüre des schwedischen Erfolgsromans Populärmusik aus Vittula", der verfilmt worden ist. Darin geht es um ein paar Jungs aus streng asketischem Elternhaus, die sich "teuflischer Rock-Musik" verschrieben haben, diese gegen alle Widerstände vor allem der Eltern auch spielen - und sich durch diesen Akt von Zwängen befreien."

"Womb" steht für "Uterus" oder "Mutterleib" - "den Platz auf der Welt, den alle Menschen kennen, unabhängig davon, wo sie leben oder aufgewachsen sind. "Außerdem klingt dieses Wort wie 'wroom' oder 'boom', Inbegriffe ekstatischer Musik. In beiden schwingt emotionale wie körperliche Energie mit. Genau die möchte ich mit meinen Liedern rüber bringen.", sagt die Musikerin.

Dunkler Auftritt

Die extrovertierte Chanteuse legt gesteigerten Wert auf ihr Image in der Öffentlichkeit - mal kommt sie streng wie eine Domina rüber, mal spielerisch wie die Unschuld vom Lande. "Wobei ich fürchte", bekennt Ida Gard, "dass mein Auftritt im Laufe der Jahre dunkler geworden ist, weil die Zeiten dunkler geworden sind. Ich bin weniger und weniger das fröhliche Landei von einst. Entwickle mich mehr und mehr zur geheimnisvollen Diva."

Musikalisch ist die selbst ernannte "Grande Dame" im weiten Feld zwischen Bjork und Miley Cyrus, zwischen Kate Bush und Alanis Morissette zu Hause, das Timbre zwischen schneidend und versöhnlich. Textlich geht es um ironische Seitenhiebe auf eine spießige Gesellschaft, immer wieder auch um dampfende Erotik, wobei sich Ida nicht festlegen lassen will, welchem Geschlecht und welcher sexuellen Spielart sie privat den Vorzug gibt, "dann wäre ja der Dampf raus", feixt sie. "Für mich lebt der körperliche Austausch zwischen den Geschlechtern vom Geheimnis, der aufregenden Mysteriosität."

Als sich Ida Gard vor knapp zehn Jahren erstmalig der Öffentlichkeit stellte, mit großer Entschiedenheit und Entschlossenheit, war das Interesse großer Plattenfirmen, die Exotin unter Vertrag zu nehmen, sofort entfacht. "Aber es gab kein Label, das mich hätte frei schalten und walten lassen", erinnert sich die Ausnahme-Künstlerin. "Ich bin eine Rebellin, lasse mir von niemandem irgendetwas reinreden. Ich brauche seit jeher die äußerst mögliche Freiheit. Also habe ich sämtliche Offerten höflich und bestimmt abgelehnt. Stattdessen habe ich meine eigene Klitsche gegründet. Gelegentlich ist es ganz schön anstrengend, wenn man ausschließlich von den eigenen Entscheidungen abhängig ist. Doch ich bin vollkommen frei, das ist mir diese Mühe wert."

Freiheit findet sich auch in Ida Gards Liedern, gerade weil die Künstlerin aus Dänemark stammt. "Zwar nenne ich meinen Sound "Global Pop" und singe auf Englisch, doch meine skandinavische Herkunft und die damit verbundene Weite, die unbeschreibliche Atmosphäre der Landschaften in Nordeuropa, geben meiner Arbeit das Unvergleichliche", ist Ida überzeugt. "Noch dazu bin ich eine höchst emotionale, ungewöhnliche und selbstständige Frau. Ich mag Männer gerne. Aber ich gebe keinen Millimeter von meiner weiblichen Macht ab, nur weil ich ein anderes Geschlecht als sie besitze."

Tourauftakt in Weiden

Noch vor dem Jahreswechsel kehrt Ida Gard auf fünf deutsche Bühnen zurück, Tourstart ist am Donnerstag, 7. Dezember (20 Uhr), bei "Klein & Kunst" (Max-Reger-Halle, Untergeschoss) in Weiden. Wie inzwischen etabliert, wird neben Ida hinter dem Mikrofon und an der Gitarre lediglich Schlagzeugerin Anne-Kristine Winkler zu hören und sehen sein. "Mir gefällt dieser rudimentäre Minimalismus live", lacht Gard vergnügt. "Wir zwei sind enge Freundinnen, die sich künstlerisch blind vertrauen. Und deshalb passiert jeden Abend etwas Neues, Spannendes. Es geht um die herrliche Magie des Moments."

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

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