29.04.2018 - 16:36 Uhr
Oberpfalz

"Trio Elf" gastiert beim Jazz-Zirkel Weiden Fremd, spannend und doch vertraut

Von Michael Höllerer

Auch schier unspielbare Songs gehen ihnen leicht von der Hand: Gerwin Eisenhauer, Peter Cudek und Walter Lang (von links) gastieren auf Einladung des Jazz-Zirkels und des Lions-Club in Weiden. Bild: Höllerer
von Autor HLLProfil

Weiden. Es gibt verschiedene Arten von dem, was man als heimische Schmankerln bezeichnen kann, kulinarische gehören ganz sicher dazu und auch musikalische. Und manchmal, da finden diese kaum verwandten Formen der Künste unverhofft in einem einzigen Satz zusammen, so als sich etwa Gerwin Eisenhauer, aus Weiden stammender Schlagzeuger des "Trio Elf", an das letzte Konzert der Gruppe vor einigen Jahren hier in der Heimat erinnerte. In einer ehemaligen Metzgerei sei das gewesen, und das Schlagzeug habe dort gestanden, wo es früher immer den Leberkäse gab.

"Trio Elf", das sind neben Gerwin Eisenhauer der Pianist Walter Lang und Peter Cudek am Kontrabass. Auf Einladung des Jazz-Zirkels sowie des Lions-Club zeigen sie am Freitagabend im Bistrot Paris einmal mehr, das sie in letztere Kategorie des soeben beschriebenen gehören - experimentierfreudig, filigran, voller Überraschungen. Leicht ins Ohr gehend, aber doch zugleich überaus komplex. So sehr, dass Drummer Eisenhauer vor der Interpretation seines eigentlich "unspielbaren" Stücks "Krumm" anmerkt, dass es nicht ganz sicher wäre, ob die Band das Stück dann auch so hinbekomme wie es gedacht sei. Leichte Koketterie oder nicht, der Song verläuft makellos, und wenn nicht, so hat es niemand bemerkt.

Kein Wunder, stehen doch hier drei gestandene Musiker auf der Bühne, denen der ständige Wechsel von Tempo oder gar ganzen Stilrichtungen spielerisch leicht von den Fingern geht. So etwa bei Walter Lang, dessen Meisterschaft der klassischen Klaviermusik ebenso hervor scheint wie seine Vorliebe für brasilianisch angehauchte Klänge. Nicht umsonst wurde nun auch das nächste Album des Trios zu großen Teilen in Brasilien aufgenommen.

Und dann ist da natürlich Gerwin Eisenhauer als das wohl prägendste Element der Gruppe. Die "Mensch Maschine" orientiert sich am Schlagzeug oft an Beats, die dem Drum and Bass entstammen. Doch anders als seine rein elektronischen Gegenstücke besitzt sein Spiel eine Seele, und bei aller uhrwerkgleicher Präzision die Fähigkeit, in einer Millisekunde einen völlig unerwarteten, genialischen und zutiefst menschlichen Strich mit dem Drumstick zu vollziehen, so, wie es kein Computer jemals schaffen dürfte.

So bewegt sich das Trio, als wäre es das Einfachste von der Welt, unter dem üppigen Deckmantel des Jazz zwischen Elektronik, subtilen Ausflügen in die klassische Musik und versteckten südländischen Elementen fern vom althergebrachten Musikverständnis und der Leberkäs-Theke - fremd, spannend und doch eigentümlich vertraut. Eben so wie der Heimatbesuch eines weit gereisten Freunds.

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