16.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Trio eröffnet Max-Reger-Tage in Weiden Gelungener Auftakt mit Reger und Ravel

Ein Trio aus Klavier, Violine und Violoncello eröffnet die 16. Max-Reger-Tage in Weiden. Auch wenn eine Klangpalette Reger und Ravel verbindet - ihre Aussagen unterscheiden sich.

Elisabeth Kufferath (von links), Nicholas Rimmer und Julius Berger spielten zum Auftakt der 16. Max-Reger-Tage Werke des Oberpfälzer Musikers Max Reger. Auch Stücke von Maurice Ravel standen auf dem Programm. Bild: Kunz
von Redaktion OnetzProfil

Nur sechs Jahre trennen die Klaviertrios von Max Reger (1908) und Maurice Ravel (1914). Eine hochdifferenzierte, geradezu aus-orchestrierte Klangpalette verbindet sie. Um so mehr unterscheiden sich die Charaktere ihrer beiden Autoren, ihr kompositorischer Ansatz, ihre Aussagen. Ravels demonstrativ französisches Opus strahlt die schöpferische Energie und das künstlerische Selbstbewusstsein eines Komponisten aus, der in der Kulturmetropole der Grande Nation aufgewachsen war. Freiheit und elegant-großzügige Leichtigkeit dominieren. Da läuft nichts mit "knüppelhartem Kontrapunkt" (Reger).

Komplexe Komposition

Deutschland war 1908 noch nicht lange eine große Nation, für viele - auch für Reger - stellte sich die Frage nach nationaler Identität. Bach, Beethoven und Brahms scheinen seine Komponierstube wie allgegenwärtige virtuelle Gäste bewohnt zu haben. Deutsche Autoritäten, denen er quasi beweisen wollte, dass er ihre Techniken wie Kontrapunkt, Motivarbeit, Harmonik und Klaviersatz beherrschte und weiterentwickelte, aber nie missachten würde. Diese wuchtige Last der Tradition macht Regers Musik oft ganz schön komplex - zu spielen und zu hören.

Bei mittelmäßigen Spielern klingt sie dann kompliziert, als bräuchte sie analytische Erläuterungen. Auch das Trio op. 102 ist so ein Sensibelchen. Beim Eröffnungskonzert am Sonntag in der Max-Reger-Halle hatte es das Glück, Nicholas Rimmer (Klavier), Elisabeth Kufferath (Violine) und Julius Berger (Violoncello) zu begegnen. Die Farbenpalette der beiden Streicher - bei Reger wie Ravel - sucht ihresgleichen.

Vom fahlsten dreifachen Piano bis zum hochexpressiv vibrierten Fortissimo, man hätte die Schattierungen fehlerfrei in eine unbezeichnete Partitur eintragen können. Bestnoten dürfen für die heikle Intonation der vielen Unisono-Stellen verteilt werden. Ein Erlebnis, ein Ereignis war der junge Pianist Nicholas Rimmer. Solche Früchte kann die Verbindung eines Studiums von Musikwissenschaft und Klavier tragen. Rimmer hatte Auge und Ohr immer bei seinen Partnern.

Gewürdigte Klangwelt

Noch selten hat man Regers opulente Klaviersätze so klar, durchleuchtet, ausregistriert gehört. So sind sie wie das ganze Klaviertrio durchschaubar, einleuchtend, zwingend, anrührend. Herrlich der trockene, lakonische Humor im Scherzo, aber auch die weitausholenden nicht enden wollenden Legatissimo-Bögen im Largo. Diese Interpretation allein lohnte die Reise! Die musikalische Kompetenz war aber auch wie geschaffen für die eingangs gewürdigte subtile Klangwelt Ravels. Begeisterter Applaus im voll besetzten Saal, ein wunderbarer Auftakt der 16. Regertage.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.