08.10.2017 - 20:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vielstimmig gegen die Einsamkeit Mela und ihr Cello bei der "Sünde" im Josefshaus Weiden

Szenenwechsel im "Sünde"-Raum: Stühle statt Stehen heißt es diesmal. Als endlich die Lichter ausgehen im Hinterhof des Josefshauses - eine anhaltende und gespannt beständige Stille.

von Autor HLLProfil

Dann plötzlich ein Schnaufen und Zischen, welches sich schleichend in einen Rhythmus verwandelt. Und endlich das Cello, zuerst noch ganz leise, kratzend und zögerlich zupfend. Doch dann geht es los: Nach der Premiere am letzten Montag steht freitags schon der nächste Höhepunkt an im Konzert-Herbst des "sündikats". Mela sitzt allein auf der Bühne des Pop-Up Clubs, oder fast, schließlich ist sie gemeinsam mit ihrem Instrument hier, dem Violoncello welches bereits seit 12 Jahren ihr ständiger Begleiter ist. Mela alias Marie Spaemann, gebürtige Wienerin und trotz ihrer Jugend schon erfahrene Musikerin, sowohl in solistischer als auch in kammermusikalischer Besetzung, ist froh, zur Bekämpfung der Einsamkeit auch das Publikum vor sich zu haben, ganz nahe, gemütlich, wohnzimmergleich. Froh deshalb, weil sie gerade ihr erstes "richtiges" Album aufnimmt, in der Isolation eines Musikstudios, und die Reise nach Weiden, über Oberösterreich in die Oberpfalz, bietet eine willkommene Abwechslung. Zur Vervollständigung der Anwesenheitsliste und ihrer "Band", wie sie sagt, fehlt Mela dann nur noch eines: ihre Loop-Station.

Ein Gerät, das Klänge einfangen und auf vielen Ebenen gleichzeitig wiedergeben kann. Melas Stimme und Laute, ein Klopfen, Klappern und natürlich das Cello selbst. Ein Solo-Auftritt und Orchester-Konzert zugleich also.

Ein Lied von Europa

Und schließlich ist da noch ihre Stimme: mal gefühlvoll träumend oder auch ganz nüchtern, wie ihre Musik wechselnd in Intensität und Intonation, erzählt Mela von ihren abstrakten Gedanken. Soul, Klassik, Jazz könnte man ihre Zutaten hierfür nennen wenn man wollte. Die schlussendliche Essenz eines Musikstil-Gemischs ist, sofern gelungen, immer mehr als seine Bestandteile, und diese dann nur mehr leere Worthülsen. Da ist sie dann wieder, diese Leere und Einsamkeit, die Mela vielstimmig übertönt. Dank der Intimität des gedrungenen Konzertsaals holt sie schließlich noch das ganze Publikum hinzu, bis alle gemeinsam singen, nach etwas Übung, ein Lied von der Göttin Europa, die auf ihren Kontinent blickt.

Zum Schluss als Zugabe dann noch ein echter Gänsehaut-Moment, in dem Mela dem "Cure"-Klassiker "Lovesong" eine ganz unverhoffte Komplexität und Schönheit verleiht, auch unterschwellige Traurigkeit, so dass man nun nicht mehr weiß, wie man sich fühlen soll - zusammen, oder doch wieder allein? Zumindest eins ist klar: Es ist aus. Zu früh.

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