29.04.2018 - 16:52 Uhr
Oberpfalz

Wahnsinnsabend mit Monika Gruber Der Wahnsinn nimmt Gestalt an

Wahnsinn! Mehr müsste man über den Auftritt von Monika Gruber nicht schreiben. Wahnsinn, wie diese Frau auftritt. Tabulos, geistreich, mit einem unglaublichen Tempo erzählend und gleichzeitig die Themen wechselnd. Wahnsinn, wie hellwach, hoch intelligent, durchblickend und uferlos direkt sie über Privates ebenso spricht wie über Politik.

von Autor gagProfil

Innerhalb einer halben Stunde war die Max-Reger-Halle ausverkauft. Kein Onlineverkauf, kein Internet, sondern Tisch hingestellt, Menschenschlange davor, Karten weg. Auch das: Wahnsinn. So ungebrochen beliebt und begehrt sind Auftritte dieser wortgewandten, scharfzüngigen Oberbayerin aus Tittenkofen bei Erding. Beinahe könnte man es als Phänomen bezeichnen, genauso wie die Hochgeschwindigkeitsmonologe, die auf das Publikum herab prasseln. Wenn sie schneller spricht, als mancher zuhören kann.

Es klingt fast so, als würden ihr die Gedanken gerade erst in den Sinn kommen, als dass ein geschriebenes und auswendig gelerntes Konzept dahinter stünde. Kalauer wechseln sich mit Wortwitz, Comedy mit Kabarett, Nachdenkliches mit Dampfhämmern. Da hatte doch die hässliche Inderin am Flughafen gehört, dass es gratis "Beauty-Bags" gibt. Sie geht zum Schalter und fordert mehrmals laut "Beauty Bag!" ohne Bitte oder Höflichkeit. Die Antwort sitzt: "No Beauty, no Bag!"

Jeder weiß: Wer zur Monika Gruber geht, muss die Wahrheit vertragen können. So unverblümt, wie ihr nunmal der Schnabel gewachsen ist. Während sie mit ihren 48 Jahren top aussieht, schlank, sexy und beweglich, trotz Lebensgenuss und alkoholisierten Nächten mit Freunden. Und dabei darf die "Gruberin" auch noch höchst politisch unkorrekt sein, laut verkünden, was sich andere nicht zu sagen trauen. Darf von Negern und Zigeunerschnitzeln sprechen und die übertriebene und blauäugige deutsche Willkommenskultur in Frage stellen angesichts von Terrorgefahr und Behördenversagen.

Großer Beifall

Höchste Zustimmung findet sie für politische Aussagen, die manche in dieser Direktheit nicht erwartet hätten. Eine "Diktatur der Toleranten" nennt sie das. "Was ist da passiert? Wann ist der gesunde Menschenverstand eingetauscht worden? Wann ist aus konservativ-liberal der rechte Rand geworden?" fragt sie. Man könne nicht immer leise sein, setzt sie nach und erntet wieder großen Beifall: "Sonst hört man nur noch die Idioten schreien!" Vergleiche und Pointen sitzen. Besser als die Frisur von Donald Trump, der natürlich nicht fehlen darf.

Alles wird humorvoll auf die Schippe genommen. Junge Mütter, die sich überall einmischen müssen. Die ihre "Schrazen" für hochbegabt halten, wenn diese sich zwischen dem Aussteigen aus dem SUV und dem Eingang zur Schule noch verlaufen: "Die gehen eben eigene Wege" äfft sie mit blasierter Stimme die verblendete Übermutter nach. "Nicht jeder Depp muss aufs Gymnasium!" appelliert Gruber an die Vernunft der Eltern. Und prangert an, dass ihr Neffe gemobbt wird, weil er von sich aus zur Realschule will, um später Handwerker zu werden. "Um als Schreiner den massiven Holztisch zu bauen, um den die Theoretiker dann sitzen und diskutieren können".

Sie kann auch nicht verstehen, dass Mütter ihre Kinder vor Burn-out und Seelenschaden bewahren wollen, indem sie diese etwa vor Weihnachten in ein Krampus-Kostüm stecken. Damit sie die Angst vorm Nikolaus verlieren, wenn der dem Fratzen wegen seiner Ungezogenheit mit dem Krampus droht. "Kinder brauchen jemanden, der ihnen ihre Grenzen aufzeigt! Früher war das der Nikolaus". Und sie brauchen Regeln, ergänzt sie, weil sie noch nicht wissen, wer sie sind. Regeln schafften Identität. Viele würden auch statt dem Christkind lieber den amerikanischen "Santa Claus" mit seinem "hou-hou-hou" wollen. Die Ansicht der Gruberin dazu: "Wenn ich hou-hou-hou hörn will, geh ich in die Oberpfalz!" Die Halle johlt.

"Ich bin Bayerin!"

Rückblicke in ihre Kindheit auf dem Land mit zwei Brüdern, gegen die sie sich durchzusetzen lernte, verbinden das heutige "Event-Getue" vieler Abgehobener mit dem gesunden Menschenverstand. Aufgewachsen auf einem Bauernhof - "Hand hoch, wer noch?" Da ist sie in Weiden an der richtigen Adresse: Viele Hände schnellen nach oben. Viele verstehen, was sie meint. Wo waren Bauernkinder in den großen Ferien, wenn andere in Jesolo waren? Auf dem Feld bei der Ernte!

Heimatgefühl, das kommt nicht auf, wenn man sage "Ich bin Europäer". Heimat, das ist da, wo ich geboren bin, also "Ich bin Bayerin!" verkündet sie selbstbewusst. Aber für manche Trottel auf der Straße sei Heimat dort, wo die Ladestation ihres Smartphones sei. Ein Bayer sei im Grunde buddhistisch eingestellt, wenn er im Biergarten sitzt und in die Mass Bier meditiert.

Dazwischen gibt es auch einiges zu Schlucken für Vegetarier und "das Veganerg'schwerl", Lactose- und Glutenempfindlichkeitseinbildung, Thermomixbesitzer, Lustfeindliche oder Emanzen. "Früher hatten wir Angst vor dem Russen, heute vor Weißmehl!" Präzise auf den Punkt gebracht zeigt sich hier, wie rasend schnell sich alles verändert hat. Man müsse das Leben genießen können! Ihr Opa sei 96 geworden, obwohl er immer fettestes Fleisch, zentimeterdick Butter auf dem Bauernbrot und zu jedem Frühstück Kuchen gegessen habe. Ob Veganer etwa auch Bestäubung statt Sex haben, fragt sie noch. "Um nicht zuzugeben, dass ein Stück Fleisch Spaß machen kann?" Statistisch werde gegen Impotenz zehnmal mehr Geld ausgegeben als gegen Demenz. "Da sitzen sie dann dement im Altenheim, mit aufgespritzten Lippen, falschen Busen und Dauerständer und wissen nicht mehr, wofür das gut ist!"

Man müsse den ganzen Wahnsinn der Welt nicht mitmachen. Sich Oasen schaffen. Und nicht die ganze Welt lieben, sondern "den Nächsten", wie es in der Bibel steht. Stammtisch und Freunde statt Therapeut. Nicht jammern dass das Glas halbvoll ist: Der Inhalt ist wichtig! Nach minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen singt sie im Stil von Frank Sinatra. Aber nicht "I did it my way", sondern "Mia tuat des Mei wäih!" Gut verständlich nach zwei Stunden Dauertext.Früher hatten wir Angst vor dem Russen, heute vor Weißmehl!

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