Weidener Amerikaner erläutert US-Bürgern in einem Buch das Leben in der Oberpfalz
Warum Bier nicht Beer ist

Timothy "Timbo" Heefner aus Pennsylvania hat in der Oberpfalz sein Paradies gefunden. Das will der voll integrierte Wahl-Weidener auch anderen Amerikanern nahe bringen und hat deshalb ein Buch über die geliebte Oberpfalz geschrieben. Bild: hcz

"Timbo" hat die Zauberformel gefunden. Der 55-jährige Amerikaner war bis zu seiner Pensionierung vor kurzem Zivilangestellter der US-Army. Dabei arbeitete Timothy R. Heefner - Spitzname "Timbo" - auch zehn Jahre in Bayern. Weiden, wo er ein Haus im Ortsteil "Konradshöhe" besitzt, liebt er am meisten. Der Stadt und den Menschen hier hat er nun sein Buch gewidmet. Eines, in dem es mit Augenzwinkern um die Unterschiede zwischen der Oberpfalz und den USA geht.

"Find The Magic Formula in the Oberpfalz, Bavaria, Germany" lautet der Titel. Der Autor, der 13 Jahre bei der Army als Multi-Media-Manager für ganz Europa verantwortlich war, musste am Ende seiner Karriere noch einmal zwei Jahre zurück in die Staaten. Ins Exil. In Brown Mills im Bundesstaat New Jersey fühlte er sich wie ein Fremder. In diesen zwei Jahren schrieb Heefner das Buch. Es soll ein kultureller Führer für Amerikaner sein, die nach Deutschland kommen. "Entsetzlich" findet es der Wahl-Weidener, dass Soldaten Jahre hier stationiert waren und kein einziges Mal beim "Zoigl" waren, die örtlichen Kirwa-Feste nie besuchten sowie die Bräuche und Kultur Bayerns beziehungsweise der Oberpfalz kein bisschen kennen.

Voll integriert

Anders Heefner: Als "Timbo" kennt man ihn in der Kneipen-Szene der Max-Reger-Stadt, auf Festen und bei vielen Vereinen. Er ist Mitglied beim "Schnupferclub Latsch", bei der "7er-Kameradschaft" und beim Stammtisch "Höhe 308". Dessen Präsident Georg Seidl sei sein Mentor für die Oberpfälzer Kultur gewesen, schreibt er im Vorwort. "Kulturelle Unterschiede", die er in seiner Zeit in der Oberpfalz entdeckt hat, soll das Buch aufzeigen. Das Ziel sei, "Amis" ("so der Spitzname für Amerikaner") als Newcomer in der Region, oder denen, die an deutscher Kultur interessiert sind oder die hier leben, reisen oder arbeiten, "Erleuchtung" zu bringen.

Im ersten Kapitel gibt Heefner Tipps zum richtigen "Prost"-Trinken. "Zum Wohl" oder "Prost" habe die gleiche Bedeutung wie "Cheers" im Englischen. Man erhebe sein Glas und stoße mit seinen Freunden, Nachbarn oder den Festgästen an. Wichtig sei, dem Gegenüber direkt in die Augen zu schauen, so der Autor, denn, wenn man das nicht mache, bedeute es "sieben Jahre schlechten Sex". Im Gegensatz zu den USA werde in Deutschland fast immer angestoßen, erklärt er.

Die deutsche/bayerische Bierkultur nimmt weiten Raum in Heefners Buch ein. "Eines der großartigsten Gesetze der Welt" sei das Bayerische Reinheitsgebot, schreibt er. Und warnt davor, das deutsche Bier so zu trinken wie das amerikanische. Deutsche dagegen könnten - wegen des geringeren Alkoholgehalts - amerikanische Brauerzeugnisse "praktisch bis zur Unendlichkeit" trinken.

Geniale Erfindung

Als geniale Einrichtung empfindet Heefner auch den "Bierdeckel". Dieser ermögliche es, dass nicht jedes Bier einzeln gezahlt werden muss. Und er rät, bei "Ceramic Beer Steins" (Krügen mit Deckel) den Deckel zu schließen, wenn der Krug nicht leer ist. Sonst koste es jedes Mal eine Runde. Ein Vorurteil in Amerika sei, dass die Deutschen warmes Bier tränken, berichtet Heefner. Er habe so etwas seit seinen Zeiten in Hanau aber nie bekommen. Allerdings gebe es "für die älteren bayerischen Männer" ein Gerät, das er in einem Restaurant namens "Hennerloch" erstmals gesehen habe: einen Bierwärmer. Die Mär vom warmen Bier in Deutschland könne vielleicht auch daher kommen, dass hierzulande keine Eiswürfel hineingetan würden.

Freundliche Bayern

Als freundlich schildert der Autor die Menschen in Bayern. Sie grüßten, wenn man sich gesetzt hat und würden immer versuchen, "ihr Englisch an dir auszuprobieren". In Gasthäusern, in denen man sich, anders als in den USA, selbst einen Platz sucht und sich setzt, finde man zur Überraschung sogar oftmals Hunde unter den Tischen. Manchmal gebe es für diese sogar Wasserschälchen, zählt "Timbo" etwas weiteres Bemerkenswertes auf.

Heefner geht auch auf die Unterschiede beim Frühstück ein. Berichtet, dass ein Klopfen auf dem Tisch das Händeschütteln mit jedem Einzelnen erspart und erzählt das schauerliche Erlebnis, dass sie in einem Weidener Kino Zucker statt das für ihn gewohnte Salz auf das Popcorn geben. Dass "Holz vor der Hütte" in Bezug auf Frauen eine spezielle Bedeutung hat, habe er bei vielen Bierfesten gelernt. Außerdem warnt er, dass das metrische System "Amis" genauso Schwierigkeiten bescheren könne wie die Tatsache, dass hierzulande der Tag und das Monat andersherum geschrieben werden als in Amerika. Zu einigen verpassten Verabredungen habe dies bei ihm geführt, sagt "Timbo".

Heefner veröffentlicht in seinem Buch auch eine Liste von Vereinen, denen man sich anschließen könne, rät zum Besuch des Windischeschenbacher Zoigl ("14 Minuten Zugfahrt von Weiden entfernt") und listet die monatlichen Events auf, die den "Ami" in der Oberpfalz erwarten. Von Silvester in der Weidener Fußgängerzone bis zum Maibaumaufstellen - alles schildert "Timbo" mit größter Empathie.

Bald auch gedruckt

Das Buch "Find The Magic Formula in the Oberpfalz, Bavaria, Germany" von Timothy R. Heefner ("Timbo") ist bisher nur als E-Book erhältlich (für 3,99 US-Dollar bei smashwords.com), soll aber bald als gedruckte Ausgabe erscheinen. Das Cover ziert ein Bild des Weidener Malers H. Gallitzdörfer: Ein "Ami" und ein Bayer trinken Bier inmitten lauter typisch bayrischer Utensilien.
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