30.08.2008 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Lehrer Raimund A. Mader schreibt Roman "Glasberg" - Seltsame Parallelen zur Realität Krimi-Debüt: Nicht jeder findet's prickelnd

Spätestens auf Seite 12 zieht's dem kundigen Weidener Leser die Schuhe aus. Da treibt es doch der fiktive Bundestagsabgeordnete Leo Güllner mit der Frau seines politischen Mentors Zeller. Diese ist "ohne jegliche Hemmungen und dankbar für die außergewöhnlichsten Wünsche und Perversionen" des Abgeordneten, der - rein zufällig - sein Büro auf der Allee hat.

von Christine Ascherl Kontakt Profil

Und so wundert es kaum, dass der erfundene Abgeordnete Güllner zehn Seiten weiter vor dem Bürgerbüro hinterrücks ermordet wird. Natürlich nicht, ohne dass ihm vorher noch der "heiße Urin die Beine hinunterläuft und der ekelerregende Gestank seiner Gedärme in seine Hosen ergießt". Das "hässliche Loch in seiner Schädeldecke" ist nichts gegen den Zustand, in dem seine Tochter unweit seiner Leiche gefunden wird: die Beine gespreizt und den Unterkörper entblößt. Im Dachgeschoss stößt die Polizei auf eine Sado-Maso-Kammer: "Güllners privater Lusttempel."

Was sich hier auf den ersten Seiten so makaber anlässt, ist der Erstlingskrimi von Raimund A. Mader, Lehrer für Deutsch und Englisch am Augustinus-Gymnasium. Titel: "Glasberg". Der Lehrer aus Eschenbach hat schon im Vorfeld immer wieder versichert, dass alles frei erdacht ist. Das Weiden in seinem Krimi sei ein verfremdetes Weiden. Er kenne Ludwig Stiegler gar nicht persönlich, habe noch nicht einmal gewusst, dass der Abgeordnete eine Tochter hat. Der Roman "spiele" nur mit realen Elementen: "Mit der Realität hat er natürlich nichts zu tun."
Erfunden oder nicht: Bundestagsabgeordneter Ludwig Stiegler hat sein Bürgerbüro nun einmal auf der Allee neben dem Capitol-Kino. Und er hat eine Tochter. Und er ist, wie die Romanfigur Güllner, "ständig präsent in sämtlichen Medien". Ein "hochrangiger Politiker, weit über die Grenzen des Oberpfälzer Raumes bekannt". Er ist Jurist - wie sein Krimi-Pendant. Die Parallelen sind stellenweise schon sehr parallel.

Mader hat viel Applaus für seinen Weiden-Krimi geerntet, auch bei einer Lesung in der Regionalbibliothek vor rund 100 Zuhörern. Viele werden sein Buch im Vorfeld nicht gelesen haben. Das sollten sie vielleicht nachholen. Schon, um die eigenen Geschmacksgrenzen zu testen.

Drei Leichen und 300 Seiten später, zieht sich die Schlinge für drei mögliche Täter zu. Einer von ihnen mordet, weil er ein gemeinschaftlich begangenes Sex-Verbrechen aus der gemeinsamen Jugend decken will. Unter den drei potenziellen Tätern ist kein geringerer als der Weidener Oberbürgermeister, genannt Wellmann, der - schon wieder so ein Zufall - gerade sein 30-jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat. Mit unter den Verdächtigen ist außerdem Reporter Lamprecht vom "Oberpfälzer Kurier", ein ganz schmieriger Typ. Und zu guter Letzt der Oberstudiendirektor des Augustinus-Gymnasiums (das auch im Buch so genannt wird). Er heißt Dr. Merling.

Täter: Oberbürgermeister

Dr. Merling! Gott sei's gedankt. Zumindest findet sich der reale Augustinus-Direktor Dr. Michael Mahr auf der Seite von Recht und Gesetz wieder. "Michael Mahr" ist im Buch Beamter der Mordkommission: "Kommissar Mahr trug eine altmodische Hornbrille mit dicken Gläsern. Er sah ein bisschen aus wie Woody Allen im ,Stadtneurotiker'." Über diese Rolle kann Dr. Mahr noch froh sein. Der Buch-Direktor Dr. Merling nämlich zwingt im Lokal "Paradiesgarten" im Hessenreuther Wald Augustinus-Gymnasiastinnen zur Prostitution.

Etwas verwundert ist man zumindest im - echten - Bürgerbüro beim "Capitol". Anna Regler, Ludwig Stieglers rechte Hand in Weiden, hat "Glasberg" angelesen: Obwohl sie die "fürwahr blühende Phantasie" des Autors einerseits amüsiere, hätte sie ihm gleich noch ein bisschen mehr Phantasie gewünscht. "Dann hätte er vielleicht nicht diese völlig abstrusen Bezüge zu lebenden Personen und ihren Angehörigen konstruieren müssen, sondern einfach eine gute, spannende Geschichte geschrieben."

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