Werke von Max Reger
Klangfaden aus Orgeltönen

Ullrich Böhme und Susanne Langner widmen sich monumentalen Orgelwerken als auch ausgewählten Orgelliedern von Max Reger. Bild: Rondeau

Leipzig/Weiden. Max Reger sah sich stets in die Tradition eingebunden und ihr verpflichtet, besonders dem Erbe Johann Sebastian Bachs. Der Leipziger Thomasorganist Ullrich Böhme und die Mezzosopranistin Susanne Langner beleuchten diesen Aspekt mit einer hörenswerten CD.

Orgeltöne durchziehen das Programm wie ein roter Klangfaden. Zu hören ist die pneumatisch traktierte Orgel der Thomaskirche Leipzig. Wilhelm Sauer hat sie 1889 zunächst mit 63 Registern erbaut, dann 1908 unter Federführung des renommierten Reger-Interpreten Karl Straube auf 88 erweitert. Nach einigen Modifikationen führte Christian Scheffler sie 2005 auf den Status von 1908 zurück.

Prädestiniert für Reger

Die Orgel ist prädestiniert für Regers Musik. Sie verfügt über die Farben eines großen romantischen Orchesters: dunkel im Timbre, voll Saft, Kraft und Gravität, facettenreich die 28 Manualregister in 8'-Lage, zeichnend und ätherisch die 14 Streicher. Da kann sich Regers Musik wie zu Hause fühlen.

Bei zwei der reinen Orgelstücke spielen Choräle eine bedeutsame Rolle. Die in Weiden komponierte Phantasie über "Ein feste Burg ist unser Gott" op. 27 bezeichnete Reger "als das Beste, was ich bisher geschrieben habe". Sie ist ein bemerkenswertes Bekenntnis des Katholiken Reger zum protestantischen Choral. Die Trauerode op. 145 ist "dem Gedenken der im Kriege 1914/15 Gefallenen" gewidmet. Ihre drückende Stimmung wird erst durch den Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" erlösend erhellt.

Bekenntnis zu Bach

Ein Bekenntnis zu Regers Vorbild ist die "Phantasie und Fuge über B-A-C-H" op. 46, einer der in Weiden geborenen Reger'schen "Elefanten". Etwas versteckt im mit arg dünner Schrift gedruckten Booklet ist die Information, dass dieses Opus als einziges 1998, vor der großen Orgelrenovierung eingespielt wurde. Die Orgel scheint durch diese an Klarheit und Farbe gewonnen zu haben.

Böhme ist ein erfahrener Reger-Interpret, er ist mit seinem Instrument bestens vertraut. Es inspirierte ihn offenbar mehr zu einem majestätisch getragenen denn virtuos-brillanten Spiel. Die Agogik mancher Tempoübergänge möchte man gern geschmeidiger hören. Die Orgellieder repräsentieren verschieden komplexe Typen: Gekonnt schlicht die Auswahl aus den 12 Liedern op. 137, ebenso "Schönster Herr Jesu" und das "Gebet", die Bearbeitung eines Hugo-Wolf-Liedes. Komplexer, mit Zwischenspiel, die zwei geistlichen Lieder op. 105 und "Wohl denen, die ohne Tadel leben". Susanne Langner interpretiert die Lieder bewusst und überzeugend mit verhaltener Schlichtheit, mit sparsamstem Vibrato, nie opernhaft-solistisch auftrumpfend. Dennoch befremdet bisweilen der Kontrast zwischen dem hochromantischen Orgelklang und der sehr schlank timbrierten Stimme, deren Berufung wohl mehr die Barockmusik ist.

___



Weitere Informationen:

www.rondeau.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.