19.03.2018 - 16:56 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Werkschau "Zehn Jahre Denken, Fühlen, Malen" im Alten Schulhaus eröffnet Platz für jeden Einzelnen

Im Gästebuch steht es schwarz auf weiß: "Liebe Susanne, besten Dank für die beeindruckende und nachdenkliche Ausstellung." Auch die anderen Einträge machen deutlich, dass die Werkschau im Alten Schulhaus etwas ganz Besonderes ist.

Kuratorin Susanne Kempf freut sich über 10 Jahre Wanderausstellung "Denken, Fühlen, Malen". Bild: Silke Winkler
von Silke WinklerProfil

Auftrieb geben

Seit zehn Jahren kuratiert Susanne Kempf Ausstellungen mit Künstlern, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind. Bei der Werkschau im Jubiläumsjahr begrenzt die Weidenerin erstmals die Anzahl der Teilnehmer. "Ich wollte jedem Einzelnen mehr Fläche zum Präsentieren geben", erklärt die Kuratorin. Bei der Auswahl der Künstler setzt Kempf auf Interesse und Begeisterungsfähigkeit. "Die Ausstellungen sollen den Teilnehmern Auftrieb geben. Denn auch mir hat der Zuspruch von außen bei meiner ersten Ausstellung sehr gut getan", freut sich die Künstlerin.

Dass das Rezept, einer Krankheit mit Kunst zu begegnen, auch bei den anderen MS-Patienten wunderbar funktioniert, macht die Ausstellung "Zehn Jahre Denken, Fühlen, Malen" deutlich - eine vielseitige, fröhliche, aber auch nachdenkliche Präsentation.

Unter dem Titel "let's have a party" zeigt Anja Charafeldin eine stark stilisierte Disko-Szene. "Das Leben ist schön" heißt die von Andrea Hake gemalte Landschaftsidylle. In einer mit "Restla" betitelten Collage präsentiert die fränkische Künstlerin Anna Lohneisen die abgeschnittenen Ränder früherer Bilder. Ulrike Lautenschlager gewährt dem Betrachter einen Blick durchs Kaleidoskop.

Mit einer stark reduzierten Abstraktion fragt Barbara Leinweber-Gottwald nach dem "Warum". Jana Schulz zeigt einen verästelten Kopf mit dem Titel "Ich". Bei Iris Hetz formiert sich das Kolorit zu figürlichen Szenen. Für weiche Formen und Harmonie sorgt Sabine Vogel mit ihren Landschaftsmotiven. Ursula Werner hingegen beeindruckt mit naturalistischen Stadtansichten. Bei Susanne Kempf steht das Experimentieren mit Farben und Materialien im Mittelpunkt.

Weg in die Gesellschaft

Für die Jubiläumsausstellung konnte die Kuratorin zwei neue Künstlerinnen gewinnen. Die in Frankfurt lebende US-Amerikanerin Amelia Lee verarbeitet in ihren Werken die mit der Krankheit einhergehenden Sehstörungen. Neben klar durchgezeichneten Studienblättern präsentiert die akademisch ausgebildete Künstlerin bewusst verzerrte und verschwommene Motive. Auch Ruth Malina zeigt erstmals eine Installation und zwei Bilder in Weiden.

Mit ihren beeindruckenden Werken ist sie in ganz Deutschland unterwegs. Doch wer sich hinter dem Namen Malina verbirgt, weiß niemand. Durch die Anonymität und das von ihr gewählte Pseudonym macht die Berlinerin deutlich, wie schwer es für Betroffene ist, sich der Gesellschaft zu öffnen.

Besonders, wie die Künstler

Bei der Ausstellung wartet Susanne Kempf zudem mit zwei Besonderheiten auf. Neben Seltmann-Porzellan für Menschen mit körperlicher Einschränkung wird das "Flötenkonzert von Sanssouci" nach dem berühmten Gemälde von Adolph Menzel von 1852 in Porzellan gezeigt.

Besichtigungen sind bis Donnerstag, 29. März, werktags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr möglich. Die Wanderausstellung ist außerdem vom 30. Mai bis 20. Juni in Ismaning und vom 22. Juli bis 18. August in der Begegnungsstätte Kloster Speinshart zu sehen.

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