23.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Wil Salden und das Glenn Miller Orchestra begeisterten in Weiden Einfach „wonderful“

Ein Abend mit ausschließlich Kompositionen aus der Feder von Glenn Miller wäre ein kurzes Vergnügen: Denn mit Ausnahme von "Moonlight Serenade" hat Miller keinen einzigen seiner Hits selber komponiert.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Da er aber im Arrangieren und Interpretieren ein ganz Großer war und auch heute noch hochachtungsvoll vom "Glenn-Miller-Sound" gesprochen wird, liegt natürlich diese Fehleinschätzung nahe. Welche Musikwelten Glenn Miller erschaffen hat, wird am Donnerstagabend in der Weidener Max-Reger-Halle deutlich: Zu Gast ist "The world famous Glenn Miller Orchestra" mit seinem Leiter Wil Salden.

Weltweit gibt es gerade einmal drei Formationen, die die Originalarrangements des 1944 tödlich verunglückten Glenn Miller spielen dürfen - für eines von ihnen ist seit weit über 20 Jahren der Niederländer Wil Salden verantwortlich. Dass die Halle nur gut zur Hälfte besetzt ist, ist deswegen umso bedauerlicher. Eine vergleichbare Big-Band-Qualität hört man auch nicht jeden Tag.

30er und 40er erwachen

Gut zwei Stunden lang entführen die 15 Instrumentalisten und ihr Leiter, der am Flügel sitzt, die Zuhörer in die Welt Glenn Millers aus Jazz, Swing und etwas Mambo. Das Auftaktstück gibt bereits den Takt des Abends vor - nämlich mit der berühmten "Moonlight-Serenade". Die 30er und 40er Jahre erwachen musikalisch zu neuem Leben. Zu verdanken ist dies fünf Saxofonisten, vier Posaunisten, vier Trompetern, einem Drummer, einem Bassisten und eben dem Mann am Flügel.

Es ist authentisch und ehrlich, was die Musiker abliefern. Verzichtet wird auf jegliche Unterstützung mittels Verstärker, lediglich bei den Soli benutzten die Musiker ein zusätzliches Mikrofon. Und so begeistern Songs wie "Little Brown Jug" von Joseph Eastburn Winner, "Blue Moon" von Richard Rodgers oder das durch Louis Armstrong weltberühmt gewordene "What a wonderful world" von George David Weiss das Publikum - Mitwippen, Mitschnippen und Mitsummen inklusive. Platz ist an diesem Abend auch für die Musik von Ella Fitzgerald, Cole Porter, Count Basie und Tommy Dorsey. Es ist offensichtlich der Sound, den Salden und seine Musiker verehren, der geht ihnen bis die Fingerspitzen.

Zeitlos und modern

Zu keinem Zeitpunkt wird es eintönig, im Gegenteil: man kann gar nicht genug bekommen vom facettenreichen Spiel der Bläser. Immer wieder treten einzelne ans Solo-Mikrofon. Es geht nichts - die anderen Bandmitglieder mögen es verzeihen - über ein hervorragend gespieltes Saxofon, wie Peter Peuker bei "Body and soul" beweist.

Zum Glanz des Abends gehört aber auch der Gesang, die Solo-Einlagen von Eva Buchmann begeistern die Zuhörer - ganz gleich, ob bei "A Cabana in Havana", "Too darn hot", "s wonderful", "We'll meet again" und zahlreichen weiteren Hits. Natürlich schwelgt der Abend in Nostalgie, allerdings wird gleichzeitig deutlich, dass "alte" Musik zeitlos und modern sein kann, wenn sie im Heute gut gespielt wird. Und so lange es "The world famous Glenn Miller Orchestra" mit seinem Leiter Wil Salden gibt, braucht einem um das Erbe von Glenn Miller nicht bange sein. Standing Ovations für einen wunderbaren Abend.

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