28.07.2012 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Akademische Feier der Hochschule Amberg-Weiden - Herausragende Absolventen ausgezeichnet Reise in Zukunft hat längst begonnen

"Die Weichen, die wir heute gestellt haben, bestimmen unsere Zukunft." Mit dieser Feststellung umschreibt Zukunftsforscher Dr. Ulrich Eberl in seinem Festvortrag für die Akademische Feier 2012 der HAW Amberg-Weiden die gesellschaftliche Entwicklung bis zum Jahr 2050.

Die anwesenden Preisträger der herausragenden Absolventen an der HAW-Weiden-Amberg mit Sponsoren und Vertretern der Hochschule. Bild: Huber
von Siegfried BühnerProfil

Für jedermann verständlich und nachvollziehbar beginnt der renommierte Wissenschafts- und Technikautor seine Zukunftsvision: "Die Kinder, die wir heute kriegen, die Häuser und die Kraftwerke, die wir heute bauen, und die Treibhausgase, die wir heute produzieren, bestimmen die Welt im Jahr 2050."

Dass langfristige Prognosen schwierig sind, gesteht Eberl mit Blick auf die Zukunftserwartungen der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu. Fliegende Autos, Städte auf dem Mond und 100 Quadratkilometer umfassende Stadtsiedlungen waren vorhergesagt worden. Technisch sieht Eberl als Physiker vieles davon für machbar an, teilweise auch erprobt. Dennoch weist er auf einen wesentlichen Mangel dieser Prognosen hin: Sie stammen meistens von Ingenieuren, Erfindern und Technikbegeisterten. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen blieben meist ausgeblendet.

Unumkehrbare Trends

So war die Weltraumfahrt zum Mond eher dem Ehrgeiz der Weltmächte USA und UdSSR im Kalten Krieg zuzuschreiben. Nachdem die USA das Wettrennen gewonnen hatten, war das Thema weitgehend erledigt. Und wir verfügten heute auch nicht über vorhergesagte schwimmenden Städte im Meer oder Luftbahnhöfe in den Großstädten.
Eberl nennt bei seinen eigenen Zukunftsvisionen die unumkehrbaren weltweiten Trends, die zu Wegweisern geworden seien: Demografische Entwicklung, Verstädterung, Klimawandel und Globalisierung von Wirtschaft und Kultur. Zwar ist jedes einzelne Stichwort wenig neu, doch die anknüpfenden Gedanken des Referenten machen nachdenklich.

Weil wir heute schon die Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte festgelegt haben, wissen wir, dass 2050 9,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben, darunter dreimal mehr, nämlich 1,5 Milliarden über 65 Jahre. Auch bei konservativer Sicht werden 70 Prozent - gegenüber heute 50 Prozent - aller Menschen in Städten leben.

"Bräuchten drei Erden"

Die Entwicklung der Informationstechnologie wird Computerintelligenz in alle Lebensbereiche tragen. "Der Anzug hat eine Internetadresse und Plakate melden Signale auf das Smartphone," sagte Eberl.

Das Machbare wird vom Referenten allerdings infrage gestellt: "Wir bräuchten zwei oder drei Erden um das alles umzusetzen". Der Umwelttechnologie als Megatrend komme schon deshalb hohe Bedeutung zu um möglichst viel Entwicklungen der Technik umzusetzen. So fordert Eberl auch unbedingt den Masterplan für eine Energiewende in Deutschland. Dabei wird Strom der Energielieferant der Zukunft sein, für Öl wird die Förderung viel zu teuer. Es bedarf intelligenter Stromnetze, Strom-Autobahnen mit maximal 5 Prozent Verlust über eine Strecke von 1500 Kilometer. "Strom darf nicht aus Kohlekraftwerken kommen."
"Technisch ist vieles auch heute schon möglich", resümiert Eberl. "Die Gesellschaft muss die Umsetzung aber auch akzeptieren."

Eingeleitet wurde die akademische Feier durch Professor Dr. Erich Bauer, Präsident der Hochschule Amberg-Weiden. Er stellte Dr. Eberl als gebürtigen Regensburger und als herausragenden Wissenschaftler mit vielen internationalen Preisen vor. Eberl ist Herausgeber der Siemens-Zeitschrift "Pictures of the Future".

Mit Regensburg bewerben

Professor Bauer war voller Lob für die 13 herausragenden Absolventen. Er dankte den anwesenden Unternehmen für die Stiftung der Preise. Zudem sprach er von einer "tollen Partnerschaft" mit der Stadt Weiden wovon andere Hochschulen nur träumen könnten. Die HAW habe einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Oberpfalz geleistet, ergänzte Bauer und kündigte die gemeinsame Bewerbung mit der Hochschule Regensburg um eine technische Hochschule Ostbayern an. "Es braucht Dynamik, nicht nur in den Zentren München und Nürnberg."

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