Aktionstag "Wir für Demokratie": Gespräch zur Situation von Asylbewerbern in Weiden
Inzwischen positive Ansätze

Jost Hess, Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler und Veit Wagner (von links) standen bei fragen zur Lage der Asylbewerber in Weiden Rede und Antwort. Bild: sbü
"Man kommt den Menschen jetzt mehr entgegen und die Stadt schaut auch mehr hin", waren Kernsätze von Jost Hess und Veit Wagner beim moderierten Gespräch im Kulturzentrum Hans Bauer zum Thema "Asylbewerber in Weiden - Fremdkörper oder Gäste oder was?". Im Rahmen des Aktionstages "Wir für Demokratie" erläuterten die beiden Mitinitiatoren und führenden Vertreter des Arbeitskreises Asyl unter Moderation von Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler aus Rothenstadt die derzeitige Situation von Asylbewerbern in Weiden.

"Gott sei Dank sind die Zeiten diskriminierender Äußerungen aus der Stadtpolitik längst vorbei" betonten die beiden engagierten Fachexperten. Aber auf die Ausgangsfrage wollten beide keine eindeutige Antwort formulieren, denn "menschenunwürdige Zustände" gebe es nach wie vor. Die positiven Ansätze in Weiden dürften nicht über die oftmals erschütternde Lebenslage der Asylbewerber hinweg täuschen. Vor allem das seit 1993 geltende EU-Asylrecht, wonach Asylbewerber in ihr "Erst-Aufnahmeland" zurück geschickt werden, führe zu grausamen Einzelschicksalen.
Jost Hess schilderte auch eine lange Reihe solcher Einzelschicksale, bei denen er "die Menschenwürde gravierend verletzt" sieht. So berichtete er von einer vierköpfigen Familie, die 16 Jahre in der Weidener Asylbewerber-Unterkunft in einem einzigen Zimmer leben musste und erst jetzt anderweitig untergebracht werden konnte. Die labile Lebenssituation und die Unkenntnis der möglichen Verfahrensdauer führe häufig zu psychischen Problemen bis hin zu Suizid-Versuchen. Und "es interessiert niemanden" beklagt Hess. Als Jurist versucht er rechtlichen Beistand zu leisten, zum Beispiel bei einer Roma-Familie aus Serbien, deren Tochter im Ursprungsland schon zweimal vergewaltigt wurde; trotzdem drohe die Abschiebung. Bezogen auf die Einzelschicksale stelle sich die Frage: "Wo bleibt der Begriff Toleranz?"

Auch viele positive Beispiele der Asylbewerbersituation in Weiden wurden vorgestellt. Im Zentrum steht die Hausaufgabenhilfe des Arbeitskreises Asyl für über 200 Kinder. " Bildungsarbeit für Flüchtlingskinder" stand schon bei der Gründung des Arbeitskreises im Mittelpunkt, erläuterten Hess und Wagner. Sie freuten sich auch darüber, dass mit Erlaubnis der Bezirksregierung jetzt in der Weidener Asylbewerber-Unterkunft in einem gesonderten Raum regelmäßig zwei Beratungsnachmittage abgehalten werden dürfen. " Und bei den Sozialpflichtstunden werde darauf geachtet, dass zum Beispiel ein Moslem nicht auf einem christlichen Friedhof eingesetzt werde, oder ein ehemaliger Geistesarbeiter nicht regelmäßig auf einer Baustelle arbeiten müsse".

Auch müssten jetzt die Asylbewerber für eine kurze Aufenthaltserlaubnis außerhalb des Stadtgebietes nicht mehr 10 Euro Genehmigungsgebühr zahlen. Und es habe sich ihre finanzielle Situation in Folge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts (wir berichteten) etwas entspannt. Im Durchschnitt hätte ein Asylbewerber dadurch jetzt etwa 180 Euro im Monat zur Verfügung.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.