Andenken an Kirche und Seminar St. Augustin: Installation "Gedächtnisraum" eröffnet
"Die Erinnerung ist ein Paradies"

Anhand persönlicher Texte, teils auch mit Fotos, geben rund 30 Weidener ihre Erinnerungen an St. Augustin weiter. Bild: ske

Schön und traurig, lustig und bewegend: Ganz vielfältig sind die Erinnerungen von rund 30 Weidenern, mit deren Hilfe der Kunstverein nun den "Gedächtnisraum St. Augustin" geschaffen hat. Auf den Bänken der ehemaligen Kirche, wo einst Gebetbücher lagen, finden sich nun die niedergeschriebenen Erinnerungen der Weidener an Geschehnisse in den ehemals heiligen Hallen und an das zugehörige Seminar.

Bei der Eröffnung der Installation bedauerte Organisator Wolfgang Herzer, dass es die Kirche, die vielen sehr am Herzen gelegen habe, heute nicht mehr gibt. Über sein Kunstprojekt sagte er: "St. Augustin, ein prägendes Stück Weiden war es, das in vielen Erinnerungen weiterlebt und aufbewahrt ist." Mit dem "Gedächtnisraum" wolle der Verein die Bevölkerung einbinden und eine "Vergessens-Bremse" schaffen.

Und die auf den Kirchenbänken niedergelegten Erinnerungen sind vielfältig. Ein Ehepaar rekapituliert seine Trauung im Jahr 1975. Eine Weidnerin erzählt von der Hochzeit ihrer Eltern, ihrer eigenen Firmung, aber auch dem Trauergottesdienst für die verstorbene Großmutter. Eine andere Frau berichtet von Besuchen, gemeinsam mit zwei Freundinnen, bei einem Mitschüler, der im Seminar wohnte.

Lustig und bewegend

Lustige und bewegende Erinnerungen wechseln einander ab. Berichtet wird etwa auch von Klosterführungen mit Pater Jeremias, die auch einen Einblick in das Leben der Patres ermöglichten. Das frühere Kloster und die Kirche werden in der Schilderung wieder greifbar nah: der Kreuzgang, die Bibliothek, Sporthalle, Theatersaal, Refektorium, Vorträge, Lektüre-Kreis, die Hauskapelle, der Kirchenchor und die Zimmer der Schüler. Auch die vielen Gottesdienste und Meditationen bleiben nicht unerwähnt. Ein junger Weidener schreibt: "Schön, dass dieses Stück Heimat nicht vergessen wird." Und er schließt seinen kurzen Text mit einem Satz, den der unvergessene Pater Albrecht ihm vor einiger Zeit geschrieben habe: "Die Erinnerung ist ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann!"

Oftmals hatten die Augustiner Beistand bei Krankheit und in seelischer Not geleistet. Daran erinnert ein früherer Stadtrat. Nicht vergessen sind auch die zahlreichen Patres, Rudolf Schieder nennt einige namentlich: "Sie haben unseren Raum geprägt und beeinflusst: Pater Ludwig, Pater Jeremias, Pater Pius, Pater Alfons Tony."

Und auch Pater Albrecht selbst nahm von Würzburg aus an der Aktion teil, schrieb einige Erinnerungen in einem langen Brief. Er erwähnt den ehemaligen Seminar-Direktor Pater Amandus Haas und die Rita-Schwestern, die viel Gutes getan hätten.

Die Erinnerungen sollten, so Pater Albrecht, als Auftrag an alle gelten. Gemäß einer Erkenntnis von Dietrich Bonhoeffer: "Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerungen in eine stille Freude."

Begleitend: Foto-Schau

Die Präsentation ist bis 26. Oktober täglich von 8 bis 18 Uhr in der Augustiner-Kirche zu sehen. Sie ist aber mit der Eröffnung noch nicht abgeschlossen. Auch weiterhin können Erinnerungen eingeschickt werden. Unter dem Stichwort "Gedächtnisraum" per E-Mail an info@kunstvereinweiden.de. Per Post geht es an Kunstverein Weiden, Ledererstraße 6, 92637 Weiden. Auch können die Erinnerungen direkt im Kirchengebäude niedergeschrieben und dort in einer Box abgelegt werden. Begleitet wird die Installation von einer Ausstellung mit Fotos von Max Rauch, der die expressionistische Architektur des Seminars abbildete.
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