08.06.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Angeklagter Jäger will mit vergifteten Hunden nichts zu tun haben und sieht sich selbst als ...: "Mir tut immer das Herz weh"

Nach Einlassung des Angeklagten ist er nicht Täter, sondern selbst Opfer: Den Verdacht, in seinem Revier den vergifteten Köder gelegt zu haben, an dem am 20. Mai 2010 eine Hündin qualvoll zugrunde ging, wies er am Dienstag vor Strafrichter Roland Güll weit von sich. Gezielt habe jemand eine falsche Fährte gelegt, um ihm die Sache in die Schuhe zu schieben: "Da ist jemand da, der mir das Leben schwer machen will. Wohl, damit ich die Jagd aufgebe."

von Autor CDProfil

Staatsanwalt Dennis Herzog legt ihm Tierquälerei und drei Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last. Gegen den Strafbefehl hat der Waidmann Einspruch eingelegt. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Weiden lässt er sich von Dr. Hans Scholzen, einem Fachanwalt für Waffenrecht aus Düsseldorf, vertreten.

In dem Ort im Altlandkreis Eschenbach, in dem er Revierinhaber ist, fielen bereits etliche Hunde Giftködern zum Opfer. "Mir tut immer das Herz weh, wenn ich das höre", versicherte der Angeklagte. Niemals habe er selbst Gift gekauft oder ausgelegt. Bei einer Hausdurchsuchung waren bei ihm mehrere Behälter mit Rückständen jenes Giftes gefunden worden, an dem die dreijährige "Cindy" elend zugrunde ging. Der Angeklagte erklärte dies damit, dass er mit Carbofuran gebeiztes Saatgut gekauft und in den Eimern aufbewahrt habe. Einen der kontaminierten Kanister habe er auf der Straße aufgelesen.

Als Zeuge schilderte der Hundebesitzer, wie er beim Abendspaziergang am Waldrand eine tote Krähe entdeckt und deshalb einen Stock ins Feld geworfen habe, um die Hündin vom Kadaver abzulenken. Dabei habe sie vom Köder gefressen und unmittelbar darauf die ersten Vergiftungserscheinungen gezeigt. Ihm seien frische Fußspuren aufgefallen, die vom nahen Hochsitz zum Köder und weiter durch das Feld verliefen. Dorthin führte der Hundebesitzer noch am selben Abend zwei Beamte der Eschenbacher Polizei, die diese Abdrücke dokumentierten.
Er berichtete ihnen auch von dem im Dorf kursierenden Gerücht, dass der Revierinhaber der Giftleger sei. Dessen Auto stand auf der Rückfahrt am Straßenrand, bestätigte einer der Beamten im Zeugenstand. Der Jäger sei auf ihre Rufe hin aus dem Wald gekommen und habe Stiefel getragen, deren Größe und Profil zu den Abdrücken am Tatort passten. Zunächst habe er ausgesagt, dort schon längere Zeit nicht mehr gewesen zu sein. Mit frisch geschnittenen Sträuchern am Hochsitz konfrontiert, habe er dann aber eingeräumt, dass die Spuren von ihm stammten. Vor Gericht bestritt der Angeklagte dies wieder: Er würde nie durch ein frisch bestelltes Feld laufen, außerdem seien die Abdrücke größer als die Stiefel, die er trage. Die Frage des Staatsanwalts, ob es Probleme mit frei laufenden Hunden gebe, bejahte er. Doch versuche er immer, sie im Einvernehmen mit den Tierhaltern zu regeln. Angesichts verkoteter Wiesen halte er es aber "durchaus für möglich, dass Landwirte zur Selbsthilfe greifen und so was machen".
Weil der Streifenwagen im weichen Untergrund festsaß, konnten die Polizisten dem Jagdpächter erst mit ein paar Minuten Verzögerung zu dessen Haus folgen. Telefonisch hatte dieser unterdessen einen Jagdgehilfen gebeten, aus dem Waffenschrank ein Gewehr mit verbotenem Nachtsichtgerät verschwinden zu lassen. Vor Gericht gab der Helfer zu, das auch getan zu haben.

Der Hundehalter hatte Wochen später davon erfahren und die Polizei informiert, die daraufhin Anfang November erneut Hausdurchsuchungen vornahm. Dabei wurden am Hauptwohnsitz des Jagdpächters ein verbotenes Springmesser und in der Mittelkonsole seines Wagens eine Taschenlampe mit Rotlichtscheibe und passender Halterung gefunden, um sie an einer Waffe zu befestigen. Während der Anklagevertreter auch dies als verbotenen Gegenstand einstufte, widersprach der Verteidiger: Nur der Verbund mit der Waffe mache daraus einen verbotenen Gegenstand. Der Waidmann sagte aus, er habe die überall frei erhältliche Halterung nur benutzt, um zum Schutz seiner Waffe bei Regen einen Schirm daran befestigen zu können.
Das Springmesser habe er zu einer Zeit, als der Besitz noch nicht verboten gewesen sei, bei einem Schießwettbewerb gewonnen, im Tresor deponiert und dort vergessen. Auch den Besitz des Jagdgewehrs mit aufgesetztem Nachtsichtgerät zur Schwarzwildbejagung räumte er ein, will aber beides zusammen nie benutzt haben.

Um weitere Zeugen - darunter den Beamten, der die Stiefelabdrücke vermessen hat - zu hören, wurde die Verhandlung vertagt auf 21. Juni, 14 Uhr. Als Sachverständiger wird außerdem Prof. Dr. Hermann Ammer vom Lehrstuhl für Veterinärpharmakologie der Ludwig-Maximilian-Universität München geladen.

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