15.05.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Annemarie Krauß referierte über Geschichte des Roten Kreuzes: Patienten im Handkarren

Ein "bissl was erzählen über das Rote Kreuz" in Weiden: Der Vortrag von Annemarie Krauß beim Arbeitsabend des Heimatkundlichen Arbeitskreises im Oberpfälzer Waldverein war fundiert und von beeindruckendem Bildmaterial begleitet. Gespannt lauschten die 20 Zuhörer in der Galerie "Altes Eichamt" am Donnerstag den Ausführungen und persönlichen Erfahrungen der ehemaligen Stadtarchivarin.

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Idee der Hilfsorganisation stammt vom Schweizer Henri Dunant. Dessen "traumatische Erlebnisse auf dem Schlachtfeld von Solferino" bewegten ihn dazu, das Rote Kreuz ins Leben zu rufen. Die preußische Königin Augusta, die 1866 den Vaterländischen Frauenverein gründete, unterstütze Dunant bei seinen Bemühungen, erklärte Annemarie Krauß.

Start in Eschenbach

In Bayern folgte der damalige König Ludwig den Plänen des Schweizers und trat der Genfer Konvention bei. Seine Mutter Marie initiierte 1869 den ersten Bayerischen Frauenverein des Roten Kreuzes. Aber auch bei uns in der Oberpfalz stellten sich Männer und Frauen in den Dienst der Hilfsorganisation. Bereits 1870 entstand in Eschenbach die erste Einrichtung in der Region. Einen Frauenverein in Weiden gab es seit 1871. Erst 30 Jahre später gründeten der Dentist Johann Baptist Baier und Polizeiwachtmeister Hiltl die Sanitätskolonie in Weiden.

Die ersten Krankentransporte fanden in einem zweirädrigen Handkarren, der so genannten "Handmarie" statt. "Am Jahnplatz entstand ein eigenes Gebäude", erläuterte Annemarie Krauß. Nach und nach folgten weitere Sanitätskolonien in Vohenstrauß, Neustadt/WN, Grafenwöhr, Pressath und Rothenstadt.

Große Einschnitte für die Organisationen bedeuteten die beiden Weltkriege. "Viele Kolonnenmänner fielen an der Front", sagte Annemarie Krauß. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verboten die Besatzungsmächte zunächst das Rote Kreuz. Aber bereits im November 1945 bildete sich wieder ein Rot-Kreuz-Kreisverband und die Frauenbereitschaften wurden wieder aufgebaut, erklärte die ehemalige Stadtarchivarin. Und nur ein Jahr später machte sich Franz Weiß daran, die Sanitätskolonie in Weiden wieder aufzubauen.

Frauensache

Doch die eigentliche Aufbauarbeit leisteten damals die Frauen, "bis an die Grenze ihrer Leistungsbereitschaft". Annemarie Krauß weiß, wovon sie spricht, wurde sie doch selbst als 17-Jährige 1944 zum Sanitätsdienst verpflichtet. Weiterhin zeigten unter anderem Emma Stark und Maria Braun großes Engagement.

Die Referentin betonte zudem die fast schon übermenschlichen Leistungen des Suchdienstes. Der habe "damals Unmögliches geleistet", um im Krieg vermisste Männer wieder zu finden. Unzählige Stunden, "aufgereiht würden sie wohl Jahre ergeben", vergingen dabei. Anhand historischer Aufnahmen, die Annemarie Krauß herumreichen ließ, konnten sich die Zuhörer ein noch besseres Bild der damaligen Verhältnisse machen.

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