10.05.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bildergalerien vom Nofi-Lauf Ein gemeinsames Ziel

Ohne die Polizei, das ist schnell klar, könnte es keinen Lauf in dieser Größenordnung in Weiden geben. Stellvertretender Inspektionsleiter Roland Ast muss um 17.30 Uhr die Sperrung der Dr.-Pfleger-Straße vorziehen. Hundertschaften in Turnschuhen wälzen sich vom Neuen Rathaus zum Startgelände vor dem NT-Verlagshaus.

Überwältigender Blick vom Verlagshaus "Der neue Tag": 4174 Läufer aus 420 Firmen absolvierten am Mittwochabend die 5,9 Kilometer lange Nofi-Strecke. Bild: Götz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Mit rund 40 Polizeibeamten halten die Weidener "Grünen" die Hauptverkehrsstraßen frei - und ungehaltene Anwohner in Schach. Unterstützt von 26 Feuerwehrlern, 16 THW und zwölf Streckenposten aus Vereinen. 420 Unternehmen der Nordoberpfalz machen gemeinsame Sache. Für die eigene Fitness, für den guten Zweck (Erlös für Schwerkranken-Verein und "Lichtblicke"). Das ist es wert, den Kopf hinzuhalten. Meint auch Jürgen Schön, Leiter der operativen Ergänzungsdienste der Polizei, der den Lauf auf dem Polizeimotorrad begleitet: "Alles im Griff."

Über 4200 Läufer gehen am Mittwochabend auf die Strecke. Das sind heruntergebrochen auf die 42 000 Weidener Einwohner Dimensionen wie beim Berlin-Marathon. "Sirius" von "Alan Parsons Project" - die Startmusik des Berlin-Marathons - ist es auch, die vor dem Startschuss durch Bürgermeister Jens Meyer erklingt. Die Wadeln vibrieren.

Irgendwie ist einfach jeder dabei. Es laufen Ärzte und Rektoren, die halbe Justiz (samt Hausmeister, Richter, Urkundsbeamten und Wachtmeistern). Kaminkehrer und Kfz-Mechaniker. Alle. "Das ist ja das Tolle", sagt Dieter Schobert von der VG Schirmitz: "Hier sind viele dabei, die sonst nie die Laufschuhe schnüren." Andrea und Sara von "La Cocktail" genehmigen sich vor dem Start einen Cuba Libre. Christian Engel, Chef der BHS Corrugated, sucht sich mit den Töchtern einen geeigneten Platz zum Anfeuern des 50 Mann starken Firmenteams.
Die Bäckerei Retzer hat "wilde 13" am Start, inklusive Bäckermeister. Petra Zach aus dem Vorzimmer OB trägt das Trikot mit den Farben der Stadt und staunt über den blankgeputzten blauen Himmel: "Was für ein Wetter!" In den tollsten Neonfarben leuchten selbstentworfene Shirts: Der Malerbetrieb Popp aus Windischeschenbach läuft in Neongelb, die Zoiglstube Gloser in Pink, die Bäckerei Brunner in Leuchtorange. Sonnenbrille her!

Tatsächlich geschieht das beinahe unglaubliche: Es ist plötzlich Sommer. Kilometer zwei, drei, vier werden von den Läufern noch entspannt gewuppt. Eifrige, lautstarke Fans am Straßenrand machen den Run vorbei an Witt bis zum Rotkreuzplatz, zur Justiz und zum Kepler-Gymnasium zum "Home-Run". Die Bands sind Gold wert: die Damen-Bigband Waidhaus, Bateria quem é, die Tännessee Fire-Liners tanzen. An der HAW dröhnen dumpf Didgeridoos. Eine Rhythmusgruppe trommelt. Ja sogar Klavierspieler Hans Grajer hat es irgendwie geschafft,ein Tasteninstrument auf die Straße zu hieven.
Aber dann! Dann wird es hart und immer heißer. Ab der Fachhochschule geht es rauf auf die Süd-Ost-Tangente. "Die Sonne auf dem Teer bin ich gar nicht mehr gewohnt", plagt sich Inge Ibl vom Labor Synlab die lange Gerade entlang. Wie lange ist das noch? Sie wird es nicht wirklich wissen wollen. 1,9 Kilometer. 1900 harte Meter bis zum Ziel. Die tobende Menge am NT ist schon ab dem Kreiswehrersatzamt zu vernehmen. Wie aus der Gladiatoren-Arena.

Barfuß ins Ziel

Buchhändlerin Maria Rupprecht, die mit 33 Läufern zum ersten Mal überhaupt in ihrem Leben in ein Rennen geht, ist beeindruckt: "So ein Zieleinlauf - das ist toll." Hervorragend unterstützt von Moderator Thomas Bärthlein tragen tausende Zuschauer die tausende Läufer auf die Zielgerade. Maria Rupprecht verspricht quasi noch im Ausschnaufen: "Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei." Die Tanzschule Höllriegl tanzt im Walzerschritt über die Zeitnahme-Matte. Sabine Weiß vom Elternbeirat der Albert-Schweitzer-Schule hat müde Beine und braucht jetzt auch noch starke Arme: Töchterchen Ida wartet jubelnd im Ziel und will hochgenommen werden. Andere sind nicht mehr ganz so fit: Das Rote Kreuz versorgt unter Leitung von Bernhard Kick im Sanitätszelt 24 Läufer, meist mit Kreislaufproblemen.
Roman Mühlmeier aus Bärnau kommt barfuß angelaufen. Bisschen schwarze Füße hat er. Aber ansonsten war's "super". Heiße Sohlen, kühler Drink. Den gönnen sich auch Sabine und Wolfgang Bäumler von Vantage-Film. Sabine ist die Strecke in atemberaubenden 26:23 Minuten geflitzt. Sie dürfte auch einsame Spitze darin sein, die originale Strecke vorher zur Probe abgelaufen zu haben. 5,9 Kilometer auf Hauptverkehrsstraßen inklusive Tangente. Zwei, drei Autofahrer haben da nicht schlecht gestaunt. "Aber es war ein Feiertagmittag. Da waren alle beim Schweinebraten."

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Verpflegung läuft hervorragend. Wasser, Iso-Drinks, Chili oder Nudelsalat. Stephan Loew und seine Truppe, Fußballjungs aus Schirmitz und die routinierten Profis der Klinikumsküche "hauen" Speisen und Getränke nur so raus. Berthold Zeitler, Kollege aus der Redaktion Tirschenreuth, holt sich seine Verpflegung ab. Er ist überzeugter Walker und hat die Strecke in seinem bewährten Lauf-Geh-Mix absolviert. Dabei sein - das zählt.
Die Teams, die sich um 20 Uhr im Zelt scharen, wollten mehr. Fünf Teilnehmer sind die 5,9 Kilometer unter 20 Minuten gespurtet. Die Wahnsinnszeiten werden mit Pokalen belohnt. Jubel am Tisch der Polizei. Sie holt sich mit Andreas Hecht den 2. Platz plus den 2. Platz bei den Staffeln. Auch Inspektionschef Klaus Müller ist mitgelaufen, und sein superschneller Bruder Lothar, Bürgermeister von Plößberg.

Um 21.38 Uhr geht das Bier aus. Theo Zeitler von Witron klemmt seinen Pokal für die zweitgrößte Mannschaft (108 Starter nach Kliniken mit 162) unter den Arm und macht sich zum Bräuwirt auf. Dort ist After-Run-Party. "Das ging letztes Jahr bis vier Uhr morgens." Er lässt was ausrichten an die Organisatoren Martin Neuhaus, Norbert Tannhäuser und Michael Ascherl, die gerade mal wieder unauffindbar überall gleichzeitig sind: "Werdet bitte nicht müde."

Keep on Running. Spielt die "King Size Combo".

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