30.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bürgermeister Lothar Höher lobt Entwicklungen - Vom Einkaufszentrum profitiert ganze Innenstadt Kein Stillstand in Weiden

Vor einigen Monaten ist er erst als Bürgermeister im Weidener Stadtrat und als Vize-Präsident im Bezirkstag wiedergewählt worden. Doch Lothar Höher zeigt sich auch über 2020 hinaus nicht amtsmüde. Der 60-Jährige will sogar nicht ganz ausschließen, als OTV-Geschäftsführer noch 10 Jahre aktiv zu bleiben. Stillstand erkennt er auch für Weiden nicht. Im Gegensatz zu einigen seiner Parteifreunde. Warum das so ist, erläutert der Vollblut-Politiker im NT-Interview.

von Volker Klitzing Kontakt Profil

Mit Lothar Höher sprachen die Redakteure Volker Klitzing, Josef Wieder und Franz Kurz.

Großen Spaß macht Ihrem Kollegen Jens Meyer das Bürgermeister-Amt. Geht es Ihnen auch so?

Lothar Höher : Ja, das liegt in erster Linie daran, dass wir ein freundschaftliches Verhältnis zueinander haben.

Der "Schwarze" mit den zwei "Roten".

Höher : Ja, wir drei verstehen uns wirklich gut.

Im Wahlkampf hatten Ihnen einige Ihrer Parteifreunde die zu große Nähe zu Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zum Vorwurf gemacht. Ist das ausgeräumt?

Höher : Als Bürgermeister hat man im Wahlkampf eine schwierige Position. Da wird viel polarisiert. Ein Bürgermeister aber sollte solidarisch sein und die Gemeinsamkeiten sehen. Nach dem Wahlkampf aber ist das jetzt kein Problem mehr.

Immerhin hat es letztlich dazu geführt, dass Sie den CSU-Kreisvorsitz abgegeben haben. Ein Fehler?

Höher : Nein, mein Ziel war, junge Leute im Kreisverband zu etablieren, auch in den Ortsvereinen. Das ist gelungen. Aber man muss natürlich auch sehen, dass es schwierig geworden wäre, als Bürgermeister einen Wahlkampf zu führen.

Wie schlägt sich der neue Kreisvorsitzende Stephan Gollwitzer?

Höher : Ich bin sehr zufrieden. Von seiner Einstellung her ist er immer kompromissbereit. Routine muss er sich noch aneignen. Aber das ist eine Zeitfrage.

Ihre Aufwandsentschädigung ist auf 900 Euro im Monat angehoben worden. Andere Städte zahlen mehr, aber es muss gespart werden.

Höher : Ich akzeptiere das so. Die Diskussion verläuft in den Medien. Aus der Bevölkerung bin ich auf das Thema noch nie angesprochen worden. Wenn man aber allen Aufwand rechnet, kommt man mit den 900 Euro nicht aus. Wir geben viele Spenden, zahlen für etliche Mitgliedschaften, brauchen entsprechende Kleidung. Dazu kommt die Vorbereitung auf verschiedenste Termine.

Wolfgang Pausch hat durchgesetzt, dass entsprechend auch die Entschädigungen für die Fraktionsvorsitzenden angehoben werden. War das notwendig?

Höher : Das ist auch nicht üppig, und ein Fraktionschef hat sehr viel Arbeit. Man sollte darüber keinen Streit entfachen. Wir sind froh, dass es Leute gibt, die sich engagieren und die Arbeit machen. Glauben Sie mir, es war nicht leicht, die Listen für die Stadtratskandidaten zu füllen, für keine Partei. Man muss viel Freizeit opfern. Es ist nicht so, dass die Leute Schlange stehen.

Pausch ist gleich am Tag nach der Niederlage bei der OB-Wahl einstimmig als Fraktionsvorsitzender der CSU bestätigt worden.

Höher : Die Vorgehensweise war absolut richtig und hat viel Ruhe gebracht.

Ist er denn für drei oder für sechs Jahre gewählt?

Höher : Für die volle Periode von sechs Jahren.

Ist das dann schon ein Zeichen für die nächste OB-Kandidatur?

Höher : Sicher nicht. Bis 2020 ist eine lange Zeit. Da kann so viel passieren.

Aber Ihr Freund und Bürgermeister-Kollege Seggewiß hat seine erneute Kandidatur doch auch schon angekündigt.

Höher : Bei ihm ist es der Beruf. Wenn er gesund bleibt, ist es doch in Ordnung, wenn er weiterarbeiten will.

Die Weidener CSU war schon mal einflussreicher. Sie stellte Abgeordnete in Bund und Land, sogar einen Minister, den Oberbürgermeister und eine satte absolute Mehrheit im Stadtrat. Wie wollen Sie da wieder hinkommen?

Höher : Das ist wie im Fußball. Wer absteigt, für den ist es äußerst schwierig, wieder aufzusteigen. Das erfordert Fleiß und Geduld und vor allem Zeit. Und man muss sehen, das bürgerliche Lager in Weiden ist gespalten. Eigentlich hätten wir mit 21 Sitzen die Mehrheit.

Glauben Sie, dass Bürgerliste und vielleicht auch Freie Wähler wieder in der CSU aufgehen?

Höher : Das liegt immer an den handelnden Menschen. Man muss sich auch verstehen. Spaltungen entstehen in erster Linie aus persönlichen Gründen, nicht aus sachlichen Überlegungen.

Im Wahlkampf hatte die CSU sehr frühzeitig versucht, dem OB die Verantwortung für einen angeblichen Stillstand in Weiden zuzuschieben. Das scheint wohl schiefgegangen zu sein?

Höher : Unser Wahlergebnis hat diese Frage beantwortet.

Worauf hätten Sie im Wahlkampf gesetzt?

Höher : Ich hätte die Erfolge der CSU stärker herausgestellt. Bundeswehrstandort, Entwicklung der Hochschule, Spitzenförderung des Neubaus von FOS/BOS, den städtischen Haushalt mitgetragen, all daran waren wir maßgeblich beteiligt. Natürlich gibt es auch viele Baustellen, aber Amberg hat vier Kasernen verloren, wir eine erhalten. Der Bildungscampus nimmt eine großartige Entwicklung.

Eine Mehrheit in der CSU-Fraktion hatte gegen den Neubau von FOS/BOS gestimmt.

Höher : Mit der Finanzierung waren nicht alle einverstanden. Aber wir bekommen jetzt eine Schule, um die uns ganz Bayern beneidet. Wir haben Hunderte Bewerbungen aus ganz Deutschland. Und wir erhalten eine Höchstförderung von 14 Millionen Euro. Da haben die Abgeordneten hervorragende Arbeit geleistet. Schließlich haben wir nach dem Umzug freie Räume für die VHS und für die Berufsschule.

Wie kritisch sehen Sie die finanzielle Situation der Stadt?

Höher : Wir müssen bei allen Diskussionen über Einsparungen aufpassen, dass wir nicht die Lebensgrundlagen zerstören. Wenn wir Kultur, Sport und Soziales zusammenstreichen, wird kein Bürger mehr nach Weiden ziehen. Das sehe ich wie mein Kollege Jens Meyer. Dann können wir den Titel "Oberzentrum" zurückgeben.

Was schlagen Sie vor, um den Haushalt zu sanieren?

Höher : Wir müssen versuchen, die Einnahmen zu erhöhen, Arbeitsplätze schaffen. Deshalb ist das geplante Gewerbegebiet West-IV so wichtig. Und mit Altenstadt/WN sind wir auch auf dem Weg, ein zusammenhängendes Gebiet auszuweisen.

Glauben Sie, dass die Menschen beim Bürgerentscheid Ihrem Weg folgen werden?

Höher : Ich bin zuversichtlich. Allerdings müssen wir die Leute mobilisieren. Doch da sind nicht nur die Politiker gefordert, sondern auch die Vereine, Verbände, Gewerkschaften und die Wirtschaft.

Scheitern könnte das Vorhaben auch am fehlenden Geld für die Erschließung.

Höher : Das glaube ich nicht. Weiden ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort, die Infrastruktur ist perfekt. Die Nachfrage ist jetzt schon riesig. Und wir werden uns nach Partnern umsehen, die das Projekt mitentwickeln.

Stichwort Bundeswehr-Standort.

Höher : Da werden wir in den nächsten Jahren merken, welch belebendes Element die Soldaten für die Stadt darstellen.

Ein großes Interesse in der Bevölkerung besteht am Einkaufszentrum. Ist der Durchbruch erfolgt?

Höher . Die Einigung mit der Familie Dostler war ein entscheidender Schritt. Das wird eine Bereicherung für die Stadt insgesamt. Der Investor Fondara hat ein Gefühl, was machbar ist, arbeitet in enger Absprache mit der Stadt und geht auf alle Beteiligten zu.

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die verkehrliche Entwicklung? Muss die Fußgängerzone durchgezogen werden?

Höher : Ich warne hier vor operativer Hektik. Das Gutachten von Dr. Baier gibt interessante Fingerzeige, aber die Entscheidung ist schwierig. Ich bin dafür, eine Lösung erst einmal auszuprobieren. Dann sehen wir, ob und wie der Verkehr den Eingriff bewältigt.

Ist das Ihre Privatmeinung?

Höher : Ja, die Fraktion sieht das eher skeptisch, aber wie haben das Thema noch nicht ausführlich zu Ende diskutiert.

Erwarten Sie eigentlich durch das Einkaufszentrum auch einen Schub für andere Bereiche in der Stadt?

Höher : Ich bin überzeugt, dass die ganze Innenstadt profitieren wird, auch das City-Center. Da ist einiges im Fluss.

Was beschäftigt Lothar Höher zurzeit ganz besonders?

Höher : Als Bezirksrat und Vize-Präsident der soziale Bereich. Wir wollen in Weiden eine moderne Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bauen. Die sollte nach Regensburg, doch der Bezirkstag hat den Bedarf für Weiden festgestellt. Außerdem geht es darum, das kulturelle Leben zu erhalten. Das reicht vom Landestheater Oberpfalz bis zu kleinen Veranstaltungen.

Fällt darunter auch der Erhalt der Sebastiankirche?

Höher : Wir würden Gewehr bei Fuß stehen und die Maßnahme zumindest mit 8 Prozent bezuschussen.

Herr Höher, Sie sind jetzt 60 Jahre alt. Wie sieht denn Ihre weitere Lebensplanung aus?

Höher : Ich bin für 5 beziehungsweise 6 Jahre gewählt. Und es macht Spaß. Ich bin nicht amtsmüde und wenn ich fit bleibe, mache ich weiter.

Und als OTV-Geschäftsführer?

Höher : Ich habe einen Vertrag bis 65 Jahre. Der Verleger Oschmann hat mir aber schon ein Angebot bis 70 gemacht. Noch habe ich nicht zugesagt, auch weil ich mir im Augenblick nicht vorstellen kann, länger als bis 65 Jahre und 8 Monate zu arbeiten. Unterm Strich halte ich nichts davon, so lange vorauszusehen.

Politiker sollten aber doch den Weitblick haben.

Höher : Politiker sind auch nur Menschen. Sie tun nur oft so, als wenn sie mehr wären.

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