BUND-Vorsitzender Weiger sieht in Windkraft das größte Potenzial - Kritik an Weiden-West IV
Energiewende kein Luxus

"Diese Sauerei darf nicht kommen. Damit werden wir uns noch explizit beschäftigen." Deutliche Worte fand Professor Dr. Hubert Weiger zum geplanten Gewerbegebiet Weiden-West IV und der damit verbundenen Abholzung des stadtnahen Waldes. Der Vorsitzende des Bunds Naturschutz Bayern und Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) referierte im Alten Eichamt zur Energiewende. Nur kurz ging er auf ortsspezifische Themen ein.

Der Experte gab einen generellen Überblick über die Energiewende. Dabei zeigte er sich überzeugt, dass der richtige Weg eingeschlagen wurde. Allerdings gebe es in der Politik und Wirtschaft auch viele Gegenströmungen.

"Für uns hat der Einsatz gegen Atomenergie eine lange Tradition", blickte Weiger auf Bayern als "Atomstrom-Land Nummer eins". Dabei verhehlte er auch nicht, dass der Bund Naturschutz sich in den 60er Jahren noch für die Atomkraftwerke stark gemacht hatte.

Hubert Weiger machte darauf aufmerksam, dass der Freistaat im Bereich der erneuerbaren Energien deutschlandweit Spitze sei. Der sehr hohe Anteil an Photovoltaik-Anlagen sei auf die gute Informationspolitik des Handwerks, der Kommunen und regionalen Banken zurückzuführen. Allerdings habe Bayern einen sehr geringen Anteil an Windkraft.

Energieberatung ausbauen

Die Endlichkeit fossiler Brennstoffe müsse immer im Auge behalten werden. "Die Opfer, die wir für die Brennstoffe bringen, werden immer größer", kritisierte der Fachmann das umstrittene Fracking. Jeder wisse, dass dies nur ein kurzes Strohfeuer sei.
"Die Energiewende ist kein Luxus, sondern ein Überlebenskampf", verwies der Experte auf die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Besonders der Freistaat könne die Energiewende vorantreiben. Als Gründe nannte er die starke Umweltschutzbewegung, die hohe Anzahl an Genossenschaften für Energieerzeugung , die dezentrale Siedlungsstruktur sowie eine Vielzahl von Gemeinden, die Energieautonomie anstreben würden. Zudem warb der Vorsitzende, mehr kommunale Energieagenturen zu gründen, denn "Energie braucht auch Exporteure".

Bis 2050 sei es möglich, rund 50 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. "Es wird das Potenzial unterschätzt, der Aufwand überschätzt." Weiger empfahl die Auswechslung von alten Heizungspumpen: "Es gibt keine effektivere Stromsparmaßnahme." Als weiteren Ansatzpunkt nannte er die energetische Gebäudesanierung.

Dezentrale Strukturen

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien müssten aber auch ökologischer Leitplanken beachtet werden. Um die Wende zu schaffen, "sind Investitionsveränderungen, dezentrale Strukturen und Verhaltensänderung notwendig".
Und das größte Potenzial liege in der Windkraft. Den Bedarf für Bayern bezifferte Weiger auf 2500 große Windräder. "Dabei ist aber eine überregionale Planung unumgänglich." Eine vernünftige Regionalplanung liefere Investitionssicherheit. Zudem sei ein umfangreiches Beteiligungsverfahren notwendig. "Der ländliche Raum gewinnt durch die Energiewende enorm an ökonomischen Potenzial", sagte er positive Zeiten voraus.
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