22.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bundesagentur für Arbeit liefert neue Erkenntnisse zu Hartz IV - Antworten auf wichtige Fragen Mit Zahlen Personen durchleuchten

Selten wird eine Personengruppe mit statistischen Zahlen so tief durchleuchtet wie es bei den Hartz IV-Empfängern der Fall ist. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht auf ihren Statistik-Seiten dazu tief gegliederte Übersichten. Sie sind allerdings für den statistischen Laien schwer zu lesen. Wir haben uns deshalb die Mühe gemacht, die zahlreichen Übersichten auf einige Kernaussagen über Hartz IV- Empfänger im Stadtgebiet Weiden zu reduzieren.

Hier gehen viele Hartz-IV-Empfänger über Jahre aus und ein: Arbeitsagentur und Jobcenter Weiden-Neustadt unter einem Dach. Bild sbü:
von Siegfried BühnerProfil

Für Weiden ist dieser Themenbereich unter anderem deshalb besonders wichtig, weil hier der Hartz IV-Empfänger-Anteil unter der Bevölkerung zu den höchsten in ganz Bayern zählt. Die Zahlen betreffen den Datenstand Ende 1.Quartal 2014 sowie Jahresende 2013.

Wie entwickelte sich langfristig der Anteil der Hartz IV-Empfänger an allen Einwohnern?

Seit dem Jahr 2007 (15,1 Prozent) geht dieser Anteil auch in Weiden kontinuierlich zurück und lag im Jahresdurchschnitt 2013 bezogen auf die Bevölkerung unter 65 Jahren noch bei 11,6 Prozent. In Bayern ist dies allerdings nach wie vor ein Spitzenwert. Und für die unter 15-Jährigen errechnen sich in Weiden auch noch immer 20,3 Prozent. Das heißt also: Jede und jeder fünfte Einwohner unter 15 Jahren lebt in einer sogenannten Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft. Gut 500 sind unter 7 Jahre alt, ähnlich viele sind zwischen 8 und 15 Jahren. Für Jugend- und Arbeitsmarktpolitik gibt es also weiterhin dringenden Handlungsbedarf.

Ist die Gruppe der Hartz IV Empfänger eher ein "fester Block" oder gibt es dort Bewegung?

Leider trifft eher die Bezeichnung "fester Block" zu. 47,3 Prozent beträgt der Anteil der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die am Ende des vergangenen Jahres schon mindestens 4 Jahre oder länger im Leistungsbezug standen. Man kann dies auch aus den monatlichen Bewegungszahlen erkennen. Zu- und Abgänge sind sehr gering und betreffen meistens weniger als 100 Personen. Und längst nicht alle, die aus der Statistik fallen, konnten sich in Arbeit abmelden.

Oftmals wird behauptet, dass Menschen in Arbeit stehen, aber dennoch so wenig verdienen, dass sie auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind.

Auch hierüber ist in der BA-Statistik etwas zu finden. Ende 2013 gab es in Weiden unter 2672 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern immerhin 913 Erwerbstätige. Und diese Zahl unterliegt wenig Veränderungen. Doch Vorsicht ist bei der Interpretation dieser Zahl angeraten, denn es wird nichts über den Umfang der geleisteten Arbeitsstunden gesagt.

Gibt es sonstige Auffälligkeiten im Personenkreis der Hartz IV-Empfänger?

Größere Gruppen unter den "Erwerbsfähigen" bilden insbesondere die Älteren über 55 Jahre mit rund 500 Betroffenen und die Alleinerziehenden mit 450. Ausländer sind mit 17,5 Prozent im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil etwas überrepräsentiert. Rund jede zweite Bedarfsgemeinschaft ist eine "Single-BG" mit nur einer Person.

Sagt die Statistik auch etwas über die Ausgaben für Hartz IV-Leistungen aus?

Auch hier gibt es aussagekräftige Antworten für die Stadt Weiden. So mussten in der Anfangszeit der Hartz- Reformen für Leistungsempfänger des SGB II im Jahre 2005 oder 2006 monatlich mehr als zwei Millionen Euro Gelder des Bundes und der Stadt Weiden ausgezahlt werden. Zwischenzeitlich ist dieser monatliche Aufwand trotz Erhöhung individueller Leistungssätze auf rund 1,6 Millionen Euro monatlich zurückgegangen. 35 bis 40 Prozent davon entfallen auf die Kosten der Unterkunft. Im Durchschnitt werden derzeit pro Bedarfsgemeinschaft monatlich knapp 800 Euro ausgegeben. Das meiste davon entfällt auf Arbeitslosengeld II, Kosten der Unterkunft und auf die Sozialversicherungsbeiträge für Leistungsempfänger.

Ersatzleistungen für Unterkunftskosten bewegen sich im Durchschnitt zwischen 260 Euro für "Single-BG" und 552 Euro für Bedarfsgemeinschaften mit 5 und mehr Personen. Als monatliche Gesamtausgaben errechnet die BA im Durchschnitt 440 Euro pro Person. Ausgaben für Eingliederungsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt oder Vermittlungshilfen sind darin allerdings nicht enthalten.

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