Busfahrer lässt sechs Grundschüler an der Haltestelle zurück - Fehlende oder falsche Fahrscheine
Von der Heimfahrt ausgeschlossen

Nur wer reinkommt, ist drin: An dieser Bushaltestelle an der Hans-Schelter-Schule blieben am Dienstag sechs Grundschüler zurück. Der Grund: Sie hatten keine, ungültige oder die falsche Fahrkarte dabei. Bild: Steinbacher

Der kleinen Sabine (Name geändert) kamen sogar die Tränen. Warum? Der Busfahrer hatte die Neunjährige an der Haltestelle stehen lassen, zusammen mit fünf anderen Grundschülern, die keinen gültigen Fahrausweis bei sich hatten. Da half selbst das Angebot des ehemaligen Hausmeisters nichts, eine Liste von allen Schülern mit Fahrschein aus der Schule zu holen.

So geschehen am Dienstagmittag an der Bushaltestelle bei der Hans-Schelter-Schule. Für Markus und Tanja Pöll, deren Tochter ebenfalls unter den sechs Grundschülern aus Neunkirchen war, völlig unverständlich. "Der richtige Weg wäre unserer Meinung nach gewesen, die Namen der Kinder zu notieren und über das Busunternehmen oder die Stadt Weiden an die Eltern heranzutreten, statt die Kinder auf der Straße stehen zu lassen." Von einer anderen Mutter hat das Ehepaar dann erfahren, dass die Tochter weinend bei der Schule steht. Es hat sie dann abgeholt. "Unsere Tochter hätte noch eine Klavierstunde haben sollen", erklärt Markus Pöll. "Deshalb haben wir sie erst eine halbe Stunde später erwartet."

"Schule war noch auf"

"Ich hätte als Fahrer vielleicht ein bisschen anders reagiert", räumt Busunternehmer Wolfgang Wies ein, der die Linie betreibt. "Aber: Es war mittags, und die Schule war noch auf, so dass sich jemand um die Kinder kümmern konnte. So ein Fall würde nie stattfinden, wenn die Gefahr bestünde, dass jemand zu Schaden kommt." Hätte die Schule die Eltern nicht erreicht, "hätten wir die Kinder natürlich abgeholt und nach Hause gefahren".
Der Busunternehmer wirbt aber auch um Verständnis dafür, dass er seine Fahrer in jüngster Zeit zu stärkeren Kontrollen angehalten hat. Zum einen gebe es erhebliche Probleme mit Schwarzfahrern. Zum anderen habe er kürzlich einen hämischen Brief von einem Schüler erhalten. "Der hat gefragt, warum er morgens ohne Karte mitfahren durfte und bei dem Kontrolleur mittags erhöhtes Beförderungsentgelt bezahlen musste."

Fahrkarte von Freundin

Von den sechs Grundschülern hätte einer gar keine Fahrkarte dabei gehabt, vier veraltete Monatsaufkleber und ein Mädchen habe sogar die Fahrkarte einer Freundin vorgezeigt, die bereits im Juni 2012 abgelaufen sei. "Ich war selbst erschüttert, dass schon Siebenjährige die Fahrkarten tauschen."

Erschüttert waren auch Markus und Tanja Pöll. "Am Montag hatten die Kinder einen Ausflug." Also kam die Busfahrkarte der Tochter in den Rucksack, dort wurde sie offenbar am Dienstag vergessen. Kein Grund, das Mädchen einfach stehen zu lassen, meinen die Eltern - und bisher sei das auch noch nie vorgekommen. "Nach unserer Ansicht hat der Busbetreiber eine Beförderungspflicht."
Eine Ansicht, die Daniel Schmidt nicht aus dem Stegreif bestätigen kann. Der Sachbearbeiter der Stadt für die Schulwegkostenfreiheit hat Anrufe von zwei betroffenen Elternteilen erhalten und bemüht sich, die Wogen zu glätten. Er will alle Eltern anschreiben und bitten, darauf zu achten, dass ihre Kinder die Berechtigungskarte dabei haben und die aktuelle Wertmarke aufgeklebt ist. Daniel Schmidt will aber auch noch einmal mit Busunternehmer Wolfgang Wies über den Fall sprechen. Bei Kindern, die von der Hans-Schelter-Schule nach Neunkirchen müssten, sei eigentlich klar, dass ein Anspruch auf Schulwegbeförderung bestehe.

Die Schule selbst hält sich in diesem Fall völlig raus. "Wir stehen der ganzen Sache neutral gegenüber", erklärt Rektorin Petra Demleitner-Lebegern mit Hinweis auf die Zuständigkeit der Stadt und der Firma Wies. Worauf sie Wert legt ist die Feststellung: "Wir kümmern uns um unsere Kinder."
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