CSU-Ortsbegehung im Baugebiet Schirmitzer Weg - Festsetzungen des Bebauungsplanes interpretiert
Langsam zum Bauträgerland mutiert

Den Bebauungsplan bitte nicht mit den Füßen treten! Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm erklärt bei der CSU-Ortsbegehung, zu der Hans Forster und Alois Lukas eingeladen hatten, die Festsetzung. Anwohner ärgern sich über zu große Häuser, zu viele Autos in den Spielstraßen. Unter den Gästen war auch Bürgermeisterin a. D. Elisabeth Kraus und CSU-Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer. Bild: Wieder

Emotionen blieben fast außen vor. Zwar ärgern sich die Anlieger im Baugebiet Schirmitzer Weg, die sich vor sechs Wochen bei der Ortsbesichtigung mit der SPD deutlich geäußert hatten, nach wie vor über so manche Festsetzung des Bebauungsplanes. Beim Gang mit der CSU allerdings begleitete Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm die Anwohner. Mit seinen Erläuterungen machte er nachvollziehbar klar, warum dieses oder jenes vermeintlich überdimensionierte Gebäude tatsächlich den Vorgaben des Bebauungsplanes entspricht.

Vor allem den Bürgern, die vor Jahren glaubten, in einem Villenviertel zu bauen, sind die großen Gebäude ein Dorn im Auge. Mit derartigen Dimensionen hatten sie nicht gerechnet, da in den Baufenstern Einzel- oder Doppelhäuser ausgewiesen waren. Es sei aber ein großes Missverständnis zu glauben, ein Einzelhaus entspreche einem Einfamilienhaus oder ein Doppelhaus eben Doppelhaushälften, unterstrich Bohm. Von einem Einzelhaus spreche ein Bauexperte, wenn das Gebäude nicht mehr als 49,99 Meter in der Länge messe. Trotz dieser Länge sei immer noch eine "offene Bauweise" gegeben. Ein Doppelhaus entspreche der Länge von zweimal bis zu 24,99 Meter. Diese Vorhaben habe der Bebauungsplan jedoch "nahezu von Anfang an" zugelassen.

Auch, dass vermeintlich viergeschossige Gebäude entstünden, entspreche den Vorgaben des Bebauungsplanes. Dass die Häuser "überhöht" wirkten, liege an der starken Hanglage und den Kellergeschossen. Diese erschienen zwar als Vollgeschoss, gingen aber noch als Kellergeschoss durch, wenn die Kellerdecke nicht mehr als 1,40 Meter über Grund herausrage.
Ähnlich verhalte es sich mit den Dachgeschossen, wobei hier die Gebäudetiefe von 14 Metern und die Dachneigung von bis zu 45 Grad dafür sorgten, dass das oberste Geschoss bis hinauf in den First eine Höhe von bis zu sieben Metern erreiche. Realisiere ein Investor beim Dachausbau ein zurückgesetztes Staffelgeschoss, hätten die Nachbarn davon sogar großen Nutzen, weil die Gebäude drei bis vier Meter niedriger würden als eigentlich erlaubt.

Zügel gelockert

Im Gegensatz zu den SPD-Stadträten versicherte Alois Lukas, Sprecher der CSU im Bauausschuss, dass ihm klar gewesen sei, was durch die Änderungen des Bebauungsplanes vor nun fast vier Jahren am Schirmitzer Weg gebaut werden konnte. Später bekannte aber auch er, dass man wohl im Bauausschuss "nicht gänzlich überrissen" habe, dass das ganze Viertel damit langsam "zum Bauträgerland" mutiere: Die zunächst recht eng gesteckten Vorgaben hätten lange die Entwicklung des Baugebietes abgewürgt. Es habe nur sehr wenige Bauanträge gegeben. Erst als die Lockerungen beschlossen waren, belebte sich die Bautätigkeit. "Es war aufgrund der Lage und des Preises klar, hier kann nicht jeder bauen."
Lukas machte aber auch klar, dass bereits im ersten Bebauungsplan "kein Villenviertel" mehr vorgesehen war. Während in den vergangenen Jahren die Grundstückspreise - nach dem furiosen Start von einst 440 Mark pro Quadratmeter (teilerschlossen) - "nachgegeben" hätten, stiegen sie seit einigen Monaten wieder, erklärte Lukas. Ein Problem sei allerdings, dass das Gros der Flächen Eigentum von zwei Grundstücksbesitzern sei, die "nicht unbedingt verkaufen" wollten oder müssten.

Zeit heilt Wunden

Bohm räumte ein, dass trotz der vielen Änderungen für den Schirmitzer Weg kein Bebauungsplan für eine klassische Einfamilienhausbebauung mehr hingetrimmt werden könne. Eine Rücknahme der großzügigen Festsetzungen sei zwar möglich, bestätigte er auf Nachfrage von Herbert Burger. "Allerdings müssten wir dann die Grundstücksbesitzer entschädigen." Bohm bat die Bewohner des Baugebietes, erst mal abzuwarten, bis ein Großteil der Flächen bebaut und die Gebäude "eingewachsen" seien. "Das braucht 20, ja 30 Jahre Zeit."
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