24.11.2008 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Dr. Christoph Kleinschnitz beim Ärztlichen Kreisverband: Hoffnung für Multiple ... MS-Forschung läuft auf Hochtouren

Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, können hoffen. "Weltweit laufen über 160 Therapiestudien. Zahlreiche Medikamente, vor allem auch in Tablettenform, sind in der Entwicklung und Prüfung." Dies betonte Privatdozent Dr. Christoph Kleinschnitz vom Uni-Klinikum Würzburg bei der gut besuchten Fortbildungsveranstaltung des Ärztlichen Kreisverbands im Gustav-von-Schlör-Saal.

von Autor IRProfil

In der MS-Therapie habe sich einiges getan, sagte der Referent. Nicht immer führten jedoch die aufwändigen Forschungen der Pharmaindustrie zum marktreifen Produkt. Die Entwicklungskosten könnten dabei von 200 Millionen bis zu zwei Milliarden Euro betragen. Diese Tatsache führe zu den hohen Preisen der MS-Arzneimittel. Der Referent bezeichnete die MS als entzündliche Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems. Bei MS-Patienten könnten die autoaggressiven T-Zellen nicht in Schach gehalten werden. Bei ihrer Wanderung vom Blut ins Nervensystem komme es zu entzündlichen Prozessen sowie Gewebezerstörungen. MS sei daher nicht nur eine entzündliche Krankheitsform, sondern es komme auch zum Untergang von Nervenzellen. Diese neurologischen Defizite führten schließlich zu folgenreichen Ausfällen an den verschiedensten Organen.

Risiken abwägen

Als Basistherapie stünden bei MS Beta-Interferone zur Verfügung. Hier werde inzwischen für eine frühzeitig beginnende anti-entzündliche Behandlung plädiert. Denn: "Viele Schübe zu Beginn führen zu einem schlechteren Verlauf der Erkrankung." Die Anzahl der Schübe sei auch entscheidend für den Behandlungsbeginn, sagte der Neurologe. Wobei in den USA mit der Basistherapie wesentlich früher als in Europa begonnen werde.
Die Art der Langzeitbehandlung richte sich danach, ob es sich um eine schubförmig verlaufende MS oder die primär progrediente Form der Krankheit handle, die eine schleichende Zunahme der Symptome und Funktionsstörungen mit sich bringe. Grundlage für die Diagnosestellung seien die McDonald-Kriterien. Ausführlich erläuterte der Referent die Wirkungsweise des neuen Wirkstoffes Natalizumab. Damit soll die Einwanderung von weißen Blutkörperchen in das Zentrale Nervensystem verhindert werden. Dabei müsse der Nervenfacharzt jedoch genau die Risiken abwägen, die der Wirkstoff mit sich bringe.

Langzeiterfahrung fehlt

Bei grenzwertiger Diagnose empfahl er Zurückhaltung. Bedauerlich sei, dass Langzeiterfahrungen in der MS-Therapie vielfach noch fehlten. Dr. Kleinschnitz räumte daher "offene Fragen" ein. Weitere zugelassene Medikamente kündigte er für nächsten Sommer an. Ziel sei es unter anderem, die Medikamente in Tablettenform und in Einnahmezyklen verabreichen zu können. ÄKV-Vorstandsmitglied Chefarzt Dr. Michael Angerer bedankte sich bei Dr. Kleinschnitz, der die Vertretung des angekündigten Referenten Prof. Dr. Heinz Wiendl "perfekt gemeistert" habe.

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