16.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drei Schüsse auf schwerkranke Ex-Frau: acht Jahre Haft für Kurt N. - Totschlag und Betrug "Diese Todesart wollte sie nicht"

Kurt N. hat seine Ex-Frau mit drei Schüssen umgebracht. Daran gibt es keinen Zweifel, sagte Vorsitzender Richter Walter Leupold. Der 64-Jährige wurde am Donnerstag wegen Totschlags und Betrugs zu acht Jahren Haft verurteilt.

Acht Jahre hat Kurt N. im Gefängnis jetzt zum Nachdenken. Bild: wsb
von Frank Werner Kontakt Profil

Die tragische Geschichte seiner todkranken Ex-Frau Inge nimmt auch für Kurt N. kein gutes Ende. Bis zuletzt hatte der 64-Jährige behauptet, die von ihm geschiedene 61-Jährige habe den ersten, bereits tödlichen Schuss auf sich selbst gerichtet. Er habe dann noch zweimal abgedrückt. Diese Version war durch ein Gutachten des Landeskriminalamtes widerlegt worden. Die Weidenerin habe sich keinesfalls selbst erschossen, die Schmauchspuren sprächen eindeutig dagegen.

Höllenangst vor Waffen

Walter Leupold zeigte sich überzeugt, dass das Opfer niemals auf diese brutale Art aus dem Leben scheiden wollte. Sie sei auch zu eitel gewesen, um sich das Gesicht zertrümmern zu lassen. Zudem habe Inge N. eine Höllenangst vor den beiden Waffen des Angeklagten gehabt. "Diese Todesart wollte sie nicht", ist der Richter überzeugt. Man habe wohl ob ihres schweren Krebsleidens über eine mögliche Sterbehilfe in der Schweiz gesprochen, sicher aber nicht über eine Tötung per Pistole. Der ehemalige Unternehmer aus Bodenwöhr (Kreis Schwandorf), dessen Firma vor gut zehn Jahren in Konkurs ging, habe die ganze Geschichte auch so geplant, um seinen hohen Lebensstandard beibehalten zu können, meinte Leupold: "Er hat clever reagiert." Da wurde ein Konto in Österreich aufgelöst und 175 000 Euro Bargeld in Weiden gebunkert. Der Hartz-IV-Empfänger habe auch schnell die Änderung des Testamentes von Inge N. betrieben. Als Alleinerbin war nicht mehr die Schwiegermutter, sondern die 25-jährige Nichte in München vorgesehen. Von ihr, so der Gedanke des Angeklagten, hätte er am ehesten etwas von dem Vermögen für sich in Anspruch nehmen können. Bei aller Tragik und der echten Anteilnahme an der Krankheit seiner Ex-Frau, stellte Leupold auch die Frage, ob die Betroffenheit von Kurt N. nicht doch nur zur Schau gestellt war. Der 64-Jährige war kurz nach der Bluttat nach München gefahren, um mit der Nichte zu sprechen und ihr von dem vermeintlichen Suizid der Tante zu berichten. Außerdem wollte er das Erbe regeln - wohl in seinem Sinne. Die 25-Jährige lief jedoch unter Schock davon. Kurt N. hatte derweil in einem Wirtshaus in aller Ruhe erst mal Weißwürste gegessen. Als er in einer Tiefgarage von Zivilbeamten festgenommen wurde, habe er anschließend nochmal zwei Donauwellen verdrückt, berichtete Leupold. Soweit zum Thema Betroffenheit ...

Mehrfach gelogen

Auch Staatsanwalt Peter Frischholz hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass der Angeklagte bis zuletzt "funktioniert habe". Und Kurt N. habe mehrfach gelogen. Er habe nicht erzählt, dass er Handschuhe bei der Tat trug. Der 64-Jährige verschwieg außerdem Vermögen, mietete eine leere Wohnung an, täuschte die Behörden. Diese Schummeleien brachte Kurt N. neben sieben Jahren wegen Totschlags auch ein Jahr wegen Betrugs ein.

Verteidiger Tobias Konze appellierte - letztlich erfolglos -, auch die Gefühle von Kurt N. zu berücksichtigen. "Er war in einer ausweglosen Situation." Er stellte keinen konkreten Strafantrag. Konze: "Ich wünsche mir nur, dass mein Mandant seinen Lebensabend selbstbestimmt führen kann." Darauf muss Kurt N. jetzt bis zu acht Jahre warten. (Seite 3)

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