08.01.2009 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Oberpfälzer Dorf in Angst vor einem Pädophilen - Gericht sieht keine akute Gefahr "Warum wird der nicht eingesperrt?"

Aus dem Schornstein des kleinen Häuschens im Landkreis Neustadt an der Waldnaab steigt am Donnerstagmorgen Rauch in die klirrend kalte Winterluft. Drinnen hat es sich jemand gemütlich gemacht. Es ist der junge Mann, der Sex mit einem Baby haben wollte. Trotz zweier Gerichtsverhandlungen mit eindeutigen Schuldsprüchen genießt er ein Leben auf freiem Fuß.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Einer Nachbarin schaudert es, wenn sie sieht, wie der 26-Jährige mit seinem Auto um die Kurve kommt. "Der Mann hat immer wieder Kontakt zu Kindern", erzählt sie. "Wenn er so etwas schon einmal vorhatte, dann besteht doch die Gefahr, dass er es wieder versucht."

Der Maschinenbautechniker plante im Jahr 2007 ein besonders übles Verbrechen. Er überredete eine 23 Jahre alte Mutter aus Weiden, ihm ihre sieben Monate alte Tochter zur Befriedigung seiner sexuellen Fantasien zu "überlassen". In 74 Kurznachrichten legten die beiden die Art des Missbrauchs und dessen Preis fest. 700 Euro bot der Mann der schwer drogenabhängigen Frau. Sie willigte ein.

Kind mit Schutzengel

Ein Schutzengel passte auf das kleine Mädchen auf. Als es sein Peiniger abholen wollte, war es bei der Pflegefamilie. Die Mutter hätte erst losfahren und es holen müssen. Die beiden Erwachsenen gerieten darüber in Streit. Erst jetzt - und vermutlich nur, um es dem Mann heimzuzahlen - wandte sich die 23-Jährige an die Polizei. Die tauchte kurze Zeit später in dem kleinen Dorf im Landkreis Neustadt auf und beschlagnahmte in der Wohnung des Mannes eine ganze Reihe von kinderpornografischen Dateien. Untersuchungshaft wurde nicht angeordnet.

Ein Jahr und acht Monate ohne Bewährung lautete dann der Urteilsspruch des Weidener Schöffengerichts. Gegen die Höhe dieses Strafmaßes wehrt sich der Pädophile seit nunmehr fast einem Jahr mit allen Mitteln. Nachdem die Berufungsverhandlung im November 2008 das Urteil bestätigte, ließ der Mann kurz vor Weihnachten Revision einlegen. Der Antrag liegt dem Bundesgerichtshof vor. "Wir erwarten spätestens im März eine Entscheidung", sagt der Vizepräsident des Weidener Landgerichts, Josef Sertl. Sollte der Mann Recht bekommen, käme es vor einer anderen Kammer des Landgerichts zu einer neuen Verhandlung, wobei es dann nur noch um die Höhe der Strafe ginge. "Am Schuldspruch ändert sich nichts", erklärt Sertl.

In dem Dorf im Landkreis Neustadt verstehen viele nicht, warum der 26-Jährige so weiterleben kann, als wäre nichts gewesen. "Sollen wir jetzt unsere Kinder einsperren?", fragt eine andere Frau aus der Nachbarschaft. "Warum wird der nicht eingesperrt?" Ein Mann, der gerade seinen Hund Gassi führt, kann gar nicht glauben, dass sich die Geschichte vor seiner Haustüre abspielt. "Dass es so etwas in unserem kleinen Nest gibt", sagt er und schüttelt beim Weitergehen den Kopf.

Schlimme Gerüchte

Das Landgericht Weiden hatte seine Gründe, warum es den Landkreisbewohner auf freien Fuß ließ. "Die Wiederholungsgefahr konnten wir nicht bejahen", erklärt Sertl. Oder andersherum: "Eine konkrete Gefahr liegt nicht auf der Hand." Die Nachbarin sieht das anders. "In seiner Verwandtschaft gibt es kleine Kinder. Die holt er sogar von der Schule ab." Sie verweist darauf, dass die meisten sexuellen Übergriffe von Erwachsenen auf Kinder, im direkten persönlichen Umfeld geschehen.

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