12.03.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Einige Weidener Geistliche schauen bei Mel Gibsons "Passion" absichtlich weg - Grausamkeit der ... Leiden Christi bereitet Höllenqualen

Für den Klassenausflug wie bei "Luther" taugt der Film ebenso wenig wie für den Konfirmandenunterricht oder den gemütlichen Kinoabend des Pfarrgemeinderats. "Die Passion Christi" ist offenbar selbst "Mad Max" Mel Gibson zu blutig. Und der führte immerhin Regie.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Gewaltdarstellungen in seinem neuen Bibeldrama, so bekannte der Hollywood-Star, seien "das Schlimmste, was ich je in einem Film gesehen habe". Einige Weidener Geistliche wie Regionaldekan Gerhard Pausch wollen denn auch gar nicht hingucken. Eine Provokation, "die teils mit beabsichtigt ist", vermutet Hans Bräuer von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in den brutalen Szenen. Bräuer war einer der Organisatoren, die im letzten Jahr eine Sondervorstellung von Scorseses Skandalstreifen "Die letzte Versuchung Christi" - samt Diskussion - auf die Beine stellten. Ob sich auch die "Passion" dafür anböte? Der KEB-Geschäftsführer weiß noch nicht mal, ob er sich das Gibson-Werk überhaupt antun möchte. "Ich muss erst weitere Kritiken darüber lesen."

Die bisherigen kratzen gewaltig am Heiligenschein des erzkonservativen Katholiken Gibson: "Ein Weiden am Leiden" erkannte die "Süddeutsche Zeitung", "eine atemlose Orgie aus Gewalt, Blut, rohem Menschenfleisch und immer neuer Formen der Folter" der "Spiegel" - und diese Urteile zählen noch zu den harmloseren. Nach dem Start am 18. März im "Ring" will sich Stadtpfarrer Johannes Lukas ein eigenes Bild davon machen. "Schon gespannt" sei er auf den Kinobesuch, denn Jesus-Filme zählt er ohnehin zu seinen Passionen. Favorit des Geistlichen von St. Konrad: "Das erste Evangelium" (1964) von Pasolini - "sehr sozialkritisch, sehr hart".

Zumindest bei letzterem Attribut könnte "Die Passion Christi" wohl locker mithalten. Regionaldekan Pausch verschrecken die Beschreibungen in den Medien. "Wenn es vordergründig um Gewalt geht, ist das nicht meins", sagt er. "Das kann ich nicht unterstützen. Ich muss das nicht sehen, nur weil der Titel religiös ist." Überhaupt sei es äußerst schwierig, dem Leben Jesu mit einem Film gerecht zu werden. "Es besteht die Gefahr, dass Christus zu sehr auf eine bestimmte Sichtweise reduziert wird."

Jetzt also Jesus der Gequälte? Und: Jesus das Opfer der Juden? Antisemitische Tendenzen macht Stadtjugendpfleger Ewald Zenger im Gibson-Werk aus, schließlich gehöre der Regisseur einer Sekte an, welche das Zweite Vatikanische Konzil nicht anerkenne: "Das kommt mir nicht koscher vor." Der blutige Monumentalstreifen sei wohl weniger "Beweis eines sehr gottgläubigen Menschen" als ein "Film-Spektakel, das genauso vermarktet wird wie jedes andere". "Jugendliche", vermutet Zenger, "werden sich ihn als Horrorfilm anschauen, nicht als Glaubensbekenntnis." Weshalb auch der evangelische Pfarrer Christian Schäfer (St. Michael/Kreuz Christi) dieser "Passion" die Gefolgschaft versagt. "Die Bedeutung des Sterbens Jesu Christi erschließt sich den Menschen nicht dadurch, dass man es möglichst grausam darstellt", meint er.

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