Erinnerung an Stürmung des Gewerkschaftshauses vor 80 Jahren - Gedenktafel enthüllt
"Freiheit mit Stiefeln getreten"

Eine Gedenktafel erinnert an die Besetzung des Gewerkschaftshauses in der Naabstraße vor 80 Jahren. Enthüllen durfte sie ein Zeitzeuge: Franz Faltenbacher (Vierter von links), Jahrgang 1919. Er stand zu jener Zeit kurz vor Beginn seiner Lehre als Schlosser beim damaligen Reichsbahnausbesserungswerk. Mit im Bild (von links): Alois Wolfram (SPD-AG 60 plus), Veit Wagner ("Weiden ist bunt"), Helmut Fiedler (DGB), OB Kurt Seggewiß, Helmut Fastner (EVG, verdeckt) und Hartmuth Baumann (IG BCE). Bild: Wilck

Freie Organisationen, mit Werten wie Gerechtigkeit und Solidarität - in der Weltsicht der Nationalsozialisten mussten die Gewerkschaften etwas sein, das es bis aufs Blut zu bekämpfen galt. Und das taten sie auch: Rasch machten sie sich im unglückseligen Jahr 1933 daran, die Gewerkschaften zunächst zu beschneiden - und schließlich ganz zu zerschlagen.

An so vielen Orten in Deutschland, auch in Weiden: Am 2. Mai 1933 besetzten sie das Haus des ehemaligen Fabrikarbeiterverbandes in der Naabstraße. Sie inhaftierten aktive Gewerkschafter, fügten ihnen unerträgliches Leid zu, mordeten.

Eine Mahnung

Nun, 80 Jahre später, erinnert eine Tafel neben dem Eingang zum Gewerkschaftshaus der IG BCE an jenen Tag. "Den Opfern zur Ehre und den heutigen und zukünftigen Generationen zur Mahnung", erläuterte IG-BCE-Bezirksleiter Hartmuth Baumann bei der Enthüllung der Tafel, die mit "Der Zukunft verpflichtet - für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität" überschrieben ist. Denn solche Werte seien damals "mit den Stiefeln der Nationalsozialisten zertreten worden".

In Weiden hätten die Schergen 1933 zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre verhaftet. Stellvertretend nannte Baumann Fritz Ecker, Josef Wagner, Nikolaus Regner, Adolf Thiem und Hans Faltenbacher. Ein besonders tragisches Schicksal sei das von Franz Mörtl gewesen: Der Betriebsratsvorsitzende von Bauscher und SPD-Stadtrat wurde nach seiner Verhaftung in das KZ Dachau verschleppt, das er nicht überlebte.
Helmut Fiedler, Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes, zeigte in einem geschichtlichen Abriss die Stationen der Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung durch das NS-Regime auf.

"Wäre es heute anders?"

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß erklärte in seiner Ansprache, dass solche Gedenkveranstaltungen gerade für sein Amt besondere Bedeutung hätten. Schließlich habe der damalige OB 1933 bei der Besetzung ebenfalls eine schreckliche Rolle gespielt: "Er hat diese ganzen Dinge sanktioniert." Veit Wagner, Sprecher von "Weiden ist bunt", formulierte die Frage, die sich bei solchen Anlässen immer wieder stellt: Hätten die Menschen heute den Mut gegen solches Unrecht einzuschreiten, "wäre es heute anders"?

Eine Antwort kann es freilich nicht geben. Wichtig, so Wagner, sei aber in jedem Fall eins: "Wir müssen ein humanes Bewusstsein und das Bekenntnis zu Menschenrechten wachhalten und stärken."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.