Ex-Freundin angegriffen - Gericht: Möglicherweise versuchter Mord
Kampf auf Leben und Tod

Ein Martyrium, das physische und psychische Spuren hinterlassen hat, musste eine 52-Jährige aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth im Juli und August letzten Jahres durchmachen. Ihr gleichaltriger Ex-Freund verletzte sie auf einem Parkplatz nahe Waldershof mittels eines Elektroschockers, bevor es ihr gelang zu flüchten. Einen Monat später drang er in das Wohnhaus der Geschiedenen ein und griff sie mit einer Art Lanze an.

Seit Donnerstag steht der ledige Rentner vor dem Schwurgericht. Landgerichtspräsident Walter Leupold wies nach den ersten Erörterungen des Falls darauf hin, dass statt des angeklagten "versuchten Totschlags" sogar "versuchter Mord" infrage kommen könnte.

Priesterseminar besucht

"Erschüttert und voller Scham" verlas der Angeklagte unter Tränen eine Entschuldigung für seine Taten. Er bedauere, seinen Eltern Schande gemacht und seine ehemalige Lebensgefährtin verletzt zu haben. Er habe früher einmal das Priesterseminar besucht und würde es nie übers Herz bringen, einen Menschen zu töten, versicherte er. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Karsten Schieseck (Bayreuth), legte eine Einlassung seines Mandanten vor, in der dieser seine Taten darauf zurückführte, dass die jeweiligen Situationen "außer Kontrolle geraten" seien.

Nach Beendigung der fast sechsjährigen Liebesbeziehung habe er das Verhalten der Frau nicht klar zu deuten gewusst. Bei der Aussprache auf dem Parkplatz habe sie ihn einfach stehen gelassen, weshalb er den Elektroschocker eingesetzt habe. Im August habe er dann versucht, im Haus seiner Ex-Freundin Beweise dafür zu sichern, dass sie ihn "gestalkt" hatte. Beim Versuch, das Haus unerkannt zu verlassen, sei er von ihr mit Pfefferspray angegriffen worden.
Den Stock mit aufgesetzter Metallspitze habe er dabei gehabt, um die Frau "auf Abstand zu halten", falls sie ihn erwische. Nach dem Vorfall habe er einen Selbstmordversuch unternommen. Letzteres bestätigte ein Notarzt aus Waldsassen, der zu dem Bewusstlosen gerufen worden war, als dieser in der Nähe des Freibads im Auto aufgefunden worden war.

Seit dem ersten Angriff durch den 52-Jährigen lebe sie in ständiger Angst, berichtete das Opfer, eine Lehrerin, in der Verhandlung. Nach Schulschluss habe er sie abgepasst und sie bis zu dem genannten Parkplatz verfolgt, wo sie ihn zur Rede gestellt habe. Nach einigem Hin und Her habe er den Elektroschocker gezückt und sie mit einem Stromschlag "umgelegt". Gleich danach habe er gefleht, dass sie ihn nicht anzeigen möge. Bei einem Telefongespräch kurz darauf, habe er alles geleugnet.

"Richtig narrisch"

Viel dramatischer verlief, nach den Schilderungen der Frau, der Vorfall im ersten Stock ihres Wohnhauses. Nachdem sie Geräusche im Erdgeschoss gehört und nachgefragt habe, wer da sei, sei der Angreifer mit einem Schaufelstiel, an dessen Ende eine Metallspitze angebracht war, die Treppe heraufgekommen. "Immer wieder" habe er in ihre Richtung gestochert.
Als sie sich mit einem Pfefferspray zur Wehr gesetzt habe, sei er erst "richtig narrisch" geworden und habe gedroht, sie umzubringen. Dann habe er sie gepackt und mit der Faust auf sie eingeschlagen, bis ihr schließlich die Flucht gelungen sei. Als Zeuge bestätigte ein Arzt der Notaufnahme des Krankenhauses Tirschenreuth die zahlreichen Verletzungen der Frau. Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.
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