25.05.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Exkursion mit Stadtförster Wolfgang Winter: Unter Bäumen auf dem Holzweg - "BayernTour Natur": Eine astreine Waldbegehung

Im Prinzip war es "die Besichtigung eines Wirtschaftsbetriebs": Stadtförster Wolfgang Winter zeigte bei der Exkursion "Unter Bäumen auf dem Holzweg" am Sonntag im Almesbachtal nicht nur 24 Gehölzarten, sondern auch die Bedeutung von Wald und Forstwirtschaft.

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

"Der Weg, auf dem wir gehen, ist praktisch das Förderband. Und dieser Wald ist komplett menschengemacht, einen Urwald gibt es nicht mehr", erklärte der Stadtförster die intensive Bewirtschaftung des Forstes um die Blockhütte. Bei der rund zweieinhalbstündigen Wanderung von A wie Ahorn bis Z wie Zitterpappel blieben keine Fragen offen. So werde Fichtenholz beispielsweise als Bau- oder Brennholz verkauft. Der Preis ließe sich auf eine einfache Formel bringen: Je dicker, runder und glattflächiger, desto teurer. Ein Festmeter Fichte koste derzeit um die 45 Euro. Daher hätten Waldbesitzer vor 40 Jahren auch lieber "Birken stehen lassen und die Fichten aus ihren Wäldern räumen sollen, da hätte man mehr davon gehabt". Aber der Baum wurde früher trotz seines "wunderschönen Holzes" eher als Unkraut behandelt. Dabei habe schon "Ötzi seinen Köcher daraus gemacht", sagte Winter. Und die Tradition des Maibaums sei ebenfalls auf Birken zurückzuführen. Sie entstand daraus, dass Männer ihren Angebeteten "Birkenbüsche vor die Tür gestellt haben". Heute sei die Birke für Möbel und Fußböden gefragt.

Oder die Zitterpappel, auch bekannt als Espe. Deren relativ weiches und widerstandsfähiges Holz sei früher für Obstkisten, Verpackungsmaterial und Holzbeine verwendet worden. Heutzutage ersetze Kunststoff den Baum, und "Holzfüße gibt's nicht mehr, daher ist der Pappelabsatz schwierig".

Alte Buche erhalten

Probleme bei der Forstwirtschaft, Umweltverschmutzung oder unterschwellige Kritik an der Forstreform kamen ebenso zur Sprache. So sei es zum Beispiel unwirtschaftlich, einzelne umgefallene Bäume aus den Wäldern zu schaffen, wenn das Holz nicht verkauft werden könne.

Besonders eindrucksvoll war eine große, vermutlich 130-jährige Buche. "Aus forsttechnischen Gründen müsste die eigentlich weg", sagte Winter. Denn sie nehme den anderen Bäumen Licht und Lebensraum. Weil der Riese aber so alt sei, "bleibt er stehen, das entscheide ich".

Das Thema Schadstoffe sei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits würden die Bäume durch Schwefel und Stickstoff in der Luft schneller wachsen als vor 50 oder 60 Jahren. Andererseits bekomme den Pflanzen die Luftverschmutzung natürlich nicht. Unter anderem entstünden durch das schnelle Wachstum Risse in den Rinden. "Wenn man zu schnell wampert wird, bekommt man auch Falten", meinte der Förster. Ein Baum ist halt auch nur ein Mensch.

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