Faszination Mumien: Anna, Tutanchamun, Ötzi

Die kleine Prinzessin Anna war wohl ein sehr kränkliches Kind. Gestorben sein dürfte sie im Alter von etwa 12 bis 15 Monaten an einer ganz banalen Erkältung. Nach ihrem Tod am 29. Januar 1319 ließ ihr Vater, König Ludwig der Bayer, den Leichnam in der Obhut der Kastler Mönche zurück. Das Mädchen wurde mumifiziert, ruht seit knapp 700 Jahren in der Klosterkirche.

Privatdozent Dr. Albert Zink, der seit 2007 das Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) leitet, gibt unumwunden zu, dass er ein Faible für Mumien hat. Für den Anthropologen sind sie unmittelbare Zeitzeugen der jeweiligen Epoche - egal, ob ein altägyptischer Pharao wie Tutanchamun oder Ötzi, der berühmte Gletscherfund.

Die Mumie der Königstochter Anna sei eine ganz außergewöhnliche. "Sie hat zwar nicht den Bekanntheitsgrad von Ötzi, aber sie ist etwas ganz Besonderes", sagt Zink. Noch nicht genau geklärt ist, ob das Kind damals bewusst mumifiziert worden ist oder ob es vielleicht ein natürlicher Prozess war. Zink erhofft sich von Gewebeproben, die während der Konservierung und Umbettung genommen werden, nähere Aufschlüsse.
Im Museum in Bozen in Südtirol wird die Gletschermumie Ötzi bei minus sieben Grad und einer Luftfeuchtigkeit von fast 100 Prozent konserviert. Während Königskind Anna eine Trockenmumie ist - sie lag knapp 700 Jahre in einer Kirche - befand sich Ötzi fast 5000 Jahre in Eis und Schnee.

Geklärt ist laut Zink, dass Ötzi durch einen Pfeilschuss getötet wurde. Entschlüsselt wurde zwischenzeitlich sein Erbgut: Demnach hatte er braune Augen ("Lange Zeit wurde angenommen, dass er blaue Augen hatte"), eine Laktoseintoleranz, Karies und Parodontose sowie eine ziemlich starke Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (san)
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