Feierliche Einweihung des Hermann-Brenner-Platzes - Mutiger Neuaufbau der Jüdischen Gemeinde
"Sein Andenken weist den Weg"

Mit "leeren Händen, 45 Kilo wiegend" kam Hermann Brenner 1945 nach Weiden. Als einer der wenigen aus seiner Familie hatte er Nazi-Terror und Konzentrationslager überlebt. Und dennoch blieb er hier, baute sich ein neues Leben auf - und eine neue Jüdische Gemeinde. Mit der Einweihung des Hermann-Brenner-Platzes an der Campus-Allee setzte die Stadt dem verdienten Bürger nun ein Denkmal.

"Wenn Weiden heute einen Hermann-Brenner-Platz erhält, ist das eine Ehrung, die gleichermaßen der Stadt, Hermann Brenner und seiner Familie widerfährt." Dr. Josef Schuster, Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden, hat den 1988 verstorbenen Hermann Brenner gut gekannt. "Unsere Familien waren befreundet, trafen sich oft." Erst in späteren Jahren habe er begriffen, wie viel Mut und Kraft es erfordert habe, sich im "Land der Täter, der Mörder" ein neues Leben aufzubauen - und neues jüdisches Leben. "Hermann Brenner entschied sich dazu. Der Erfolg gibt ihm recht." Ehefrau Henny sei ihm dabei eine große Hilfe gewesen.

Sie, ihre Söhne und Enkelkinder sowie zahlreiche Freunde der Familie Brenner wohnten ebenso der Feier bei wie Vertreter der Stadt und der Politik. Aber auch Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, war angereist. Sie erinnere sich an Hermann Brenner - er war 45 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Weiden und 30 Jahre lang Mitglied des Präsidiums des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden - als beeindruckende Erscheinung. "Ein Mensch, den ich bis heute zutiefst bewundere. Sein Andenken weist uns den richtigen Weg." Die Jugend forderte sie auf: "Nehmt euch ein Beispiel an seinem Mut und seiner Entschlossenheit, für die Freiheit einzustehen."
Dem Hermann-Brenner-Platz komme in städtebaulicher Hinsicht eine Schlüsselrolle für den Bildungscampus zu, sagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Für die gelungene Umsetzung dankte er Architekt Christoph Thomas. Bildung sei das Schlüsselwort für eine Zukunft in Frieden. Die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte dürften nicht in Vergessenheit geraten. Auch dazu solle die Namensgebung des Platzes beitragen. Für seine Verdienste um den Wiederaufbau jüdischen Lebens im Freistaat habe Hermann Brenner das Bundesverdienstkreuz erhalten. Aber auch als Kaufmann sei der Geehrte erfolgreich gewesen. "Textil Brenner war über Jahrzehnte eine der ersten Adressen."

Vom Vater geprägt

Ihre ganz persönlichen Erinnerungen an den Vater teilten Leonhard Brenner und Prof. Dr. Michael Brenner mit den Gästen. Sie schilderten ihn als Menschen mit einem großen Herzen für Kinder, für Arme, für die Familie und für das Judentum. "Erst mit 86 Jahren hat er sich dazu durchgerungen, uns seine Heimatstadt Krakau zu zeigen", erinnerte sich Leonhard Brenner. Der Vater hat beide Söhne geprägt: Mit seinem Hang zum Kaufmannsberuf bzw. zur jüdischen Geschichte und Religion. "Er hätte sich über die Ehrung gefreut", dankte Prof. Michael Brenner namens der Familie. "Weiden ist ihm zur zweiten Heimat geworden."
"Lassen Sie uns die Freundschaft zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk festigen", rief Leonid Shaulov auf, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Weiden. "Moses war nur vier Jahrzehnte lang Leiter des Volkes in der Wüste, Hermann Brenner etwas länger", erinnerte Rabbiner Dr. Daniel Katz an die 45-jährige Amtszeit des Verstorbenen. Er sprach bei der Feier den jüdischen Segen, Dekan Dr. Wenrich Slenczka und Stadtdekan Johannes Lukas den christlichen. Seite 4
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