Fünf vor Elf: Bürgerinitiative gedenkt 27. Jahrestag von Tschernobyl - Infos zum ...
Katastrophe, die niemals endet

Genau einen Tag nach dem 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl gedachte die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen der Opfer des Unglücks. Wie Sprecherin Hilde Lindner-Hauser per Megaphon in der Fußgängerzone erklärte, schwanke die Zahl der Todesopfer zwischen 10 000 und 25 0000 - je nach Standpunkt der Betrachter.

Am 26. April 1986 sei es in Block 4 des Kernkraftwerks zu einem Super-GAU gekommen, nach offiziellen Angaben wegen eines Bedienungsfehlers, wahrscheinlich aber wegen eines Erdbebens. Die darauf folgenden Explosionen hätten den tausend Tonnen schweren Reaktordeckel und das Gebäudedach weggesprengt.

Der Super-GAU von Tschernobyl gelte als die bislang schwerste nukleare Katastrophe. Viele Menschen hätten seither gesundheitlich an den Folgen zu leiden. Von den 800 000 Liquidatoren, die unmittelbar nach dem Unfall zu Aufräumarbeiten abkommandiert worden seien, seien 112 000 gestorben. Tschernobyl sei eine Katastrophe, die niemals ende.

Denn während der ersten Aufräumarbeiten seien rund eine Million Kubikmeter radioaktives Material ohne besondere Schutzmaßnahmen oberflächennah in etwa 800 Abfallmulden verbuddelt worden. "Diese vorläufigen Zwischenlager bedrohen jetzt das Grundwasser." Hinzu komme, dass in den radioaktiv kontaminierten Gebieten, die von einer landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen seien, häufig Brände aufträten. Diese wiederum verbreiteten die radioaktiven Substanzen weiter. Die Opfer und deren Nachkommen würden noch Jahrzehnte mit massiven gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben.
Auch dieser Menschen wollte die Bürgerinitiative am Samstag um "fünf vor Elf" in der Fußgängerzone gedenken. Dazu schwang ein schwarzer "Boandlkramer" seine Sense. Die Initiative rief alle Passanten zur Teilnahme an den Schweigeminuten auf. Ferner lief eine Unterschriftenaktion zum schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft. Am Infostand bot sich schließlich auch Gelegenheit, sich über das Otto-Hug-Strahleninstitut des gebürtigen Weideners, Professor Dr. Edmund Lengfelder, zu informieren. Das Institut hatte bereits vier Jahre nach dem Atomunglück ein Schilddrüsenzentrum in Gomel, Weißrussland, gegründet, um den vielen als Folge der Verstrahlung an Schilddrüsenkrebs erkrankten Menschen, vor allem Kindern, zu helfen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.