02.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fußballpartie in Rothenstadt endet mit unrühmlichem Spielabbruch - Trainer Dogdu tritt zurück Schiedsrichter ruft die Polizei

Die Angst vor Hieben und Schlägen muss immens gewesen sein. In jedem Fall so groß, dass Andreas Kink junior sofort nach dem Spielabbruch das Weite vor aufgebrachten Spielern und Fans suchte, sich in seiner Kabine einsperrte und von dort per Smartphone die Polizei verständigte.

von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Mit drei Streifenwagen und sechs Ordnungshütern rückte die Weidener Polizei am Samstagabend im Sportzentrum des VfB Rothenstadt an. Aber zum Glück trafen sie dort einen körperlich unversehrten Unparteiischen an. "Er hat sich bedroht gefühlt, aber zu einer Körperverletzung ist es nicht gekommen", teilte ein Sprecher der Weidener Polizei am Montag mit. Der junge Referee wurde von den Sicherheitskräften zur Polizeiinspektion gebracht, wo er von einem Bekannten abgeholt wurde.

Dass der Mann in Schwarz ohne Schrammen davonkam, ist das einzig Positive, das über das Punktspiel in der A-Klasse Ost zwischen dem VfB Rothenstadt und SV Wildenau zu berichten ist. Eine Vielzahl strittiger Schiedsrichterentscheidungen, ein unerwarteter 0:1-Rückstand des Favoriten nach 53 Minuten sowie hochkochende Emotionen - das war letztlich die Gemengelage, die das Fass zehn Minuten vor dem regulären Spielende zum Überlaufen brachte. Unterm Strich standen nicht nur zwei Mal Rot gegen Domagoj Andabaka und Ugur Köse (jeweils 80. Minute) sowie einmal Gelb-Rot gegen Francesco Morgana (33.) zu Buche, sondern auch klare Tätlichkeiten.

Von einer "Extremsituation, wie ich sie in meiner Fußballerkarriere noch nicht erlebt habe", berichtet SV-Spielertrainer Stefan Stubenvoll. So sei ein Rothenstädter Auswechselspieler aufs Spielfeld gelaufen und habe einen nach einem Foul am Boden liegenden Wildenauer getreten. "Das ist unterste Schublade", befindet Stubenvoll. Für ihn ist klar: "Der Spielabbruch war berechtigt. Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet."

Laut Polizeibericht zog Kink junior einen vorzeitigen Schlussstrich, als ein VfB-Akteur den Fußball wutentbrannt auf den Boden warf und das Leder in Richtung Schiedsrichter sprang. Dieser habe sich konkret gefährdet gesehen, die Begegnung abgebrochen und sei in die Kabine geflüchtet. Dem Vernehmen nach kam es dabei auch zu Rudelbildungen auf dem Feld. Was zusätzlich das Feuer anfachte: Kink junior soll noch vergangene Saison seinen Spielerpass in Wildenau liegen gehabt haben.

Nach dem unrühmlichen Spielschluss fanden die negativen Vorkommnisse ihre Fortsetzung. VfB-Spielertrainer Serkan Dogdu sowie sein Abteilungsleiter Karl-Heinz Aldermann gerieten heftig aneinander. "Aldermann hat mir vorgeworfen, dass ich der Anführer meiner türkischen Truppe bin und die Spieler nicht unter Kontrolle habe", zeigte sich Dogdu empört. "Ich habe das Team aufgebaut, um mit dem VfB aufzusteigen. Ich lasse mir jetzt nicht meinen Ruf zerstören." Sprach's und trat von seinem Amt zurück.

Für Aldermann hat Dogdu jedoch nicht den Schwarzen Peter. Vielmehr hätten sich die Emotionen im Spielverlauf hochgeschaukelt. "Da ist genau das passiert, was in der Luft lag." Natürlich, so Aldermann, seien einige Entscheidungen des Schiedsrichters unglücklich gewesen, aber die Eskalation habe ihren Grund auch darin, dass "manche Nationalitäten ein anderes Temperament haben". Sein Fazit: "Das war ein schwarzer Tag für den Fußball in Rothenstadt."

Ob damit auch die Träume vom Wiederaufstieg geplatzt sind, muss sich zeigen. Der VfB hat nicht nur eine 0:x-Wertung und eine deftige Strafe durch das Kreissportgericht zu erwarten. Bis zu acht Spieler wollen ohne Dogdu nicht mehr die Fußballstiefel für Rothenstadt schnüren.

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