19.03.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gefäßspezialist bei Ärzten: Noch viele Fragen bei neuen Medikamenten Bauchspritze oder Tabletten

Jeder frisch operierte Patient weiß es: Nach dem chirurgischen Eingriff kommt die Heparin-Spritze in die Bauchdecke - meistens täglich und für längere Zeit. Hat die bei Patienten unbeliebte Bauchspritze jetzt ausgedient? Wird die Vorbeugung gegen einen Gefäßverschluss durch Tabletteneinnahme möglich? Diese Fragen wurden sehr kritisch beim Fortbildungsabend des Ärztlichen Kreisverbands im Hotel "Zur Heimat" unter die Lupe genommen.

von Autor IRProfil

Zum "spannenden Thema, das viele interessiert, wie die zahlreichen Zuhörer beweisen", begrüßte der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Dr. Michael Angerer den Tegernseer Gefäßspezialisten Dr. Franz Xaver Breu. Der Referent bezog dabei klar Stellung. Er war der Meinung, dass die neuen oralen Antikoagulanzien (blutgerinnungshemmende Medikamente in Tablettenform) zur Vorsorge und Behandlung der Thromboembolie (Gefäßverschluss) noch viele Fragen und Probleme mit sich brächten, die "noch im Nebel liegen".

Obwohl inzwischen bei Hüft- und Knieoperationen für zwei neue Medikamente die Genehmigung erteilt sei und weitere Mittel wohl demnächst auf dem Markt erscheinen, sagte Dr. Breu: "Von einer Umstellung auf die neuen Antikoagulanzien raten wir (noch) ab." Bei der Heparin-Injektion in die Bauchhaut wisse der Arzt: "Was drin ist, ist drin". Ob der Patient die Tablette auch wirklich genommen oder eventuell erbrochen habe, sei weniger sicher.

Vor- und Nachteile

Nicht zugelassen seien die neuen Mittel als Vorbeugung bei Langstreckenflügen oder bei Problempatienten mit Herzklappenersatz. Auch bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion empfahl der Referent Vorsicht walten zu lassen. Unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie fehlende langjährige Erfahrung hielt Dr. Breu außerdem für nachteilig. Die problemlosere Einnahme, das verringerte Blutungsrisiko und keine Wechselwirkung mit der Nahrung führte er als eventuelle Vorteile auf.

Kein abruptes Absetzen

Ausführlich erläuterte Dr. Breu auch die Einnahme von gerinnungshemmenden Mitteln (z. B. Marcumar) bei Herzerkrankungen. Gerade für Patienten mit Vorhofflimmern sei die vorbeugende Behandlung damit von großer Wichtigkeit. Die thrombose-hemmende Wirkung sollte bei bevorstehenden Operationen mit der sogenannten Brückentherapie ("Bridging") erhalten werden. "Das abrupte Absetzen von Marcumar ist gefährlich." Das sollten auch Zahnärzte bei ihren Eingriffen wissen und beachten, riet der Referent. Er hielt außerdem die Wochenbett-Thrombose für die gefährlichste. Nicht unerwähnt ließ Dr. Breu, dass mit den neuen Medikamenten erhebliche Kostensteigerungen zu erwarten seien.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.