15.01.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gerd Hofmann: Reform-Diskussion als "echte Chance" - Staatsdiener alles andere als faul "Beamte braucht man nicht überall"

Wenn Beamte zu Angestellten werden, die "leistungsgerecht" bezahlt werden - könnte sich der Staat da nicht ein hübsches Sümmchen sparen?

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Ein gemeiner Gedankengang - und völlig absurd, wie Gerd Hofmann verdeutlichen will: Staatdiener müssten sich mit ihrer Leistung keinesfalls hinter Angestellten verstecken, ist der Kreisvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (DBB) überzeugt. Die Vorstöße von Bundesminister Schily und DBB-Bundesvorsitzendem Heesen - Beamtentum nur noch bei hoheitlichen Aufgaben, leistungsgerechte Bezahlung - sieht der CSU-Stadtrat als "echte Chance".

Braucht der Staat Beamte?

Hofmann: Für mich war immer klar: Bei hoheitlichen Aufgaben - wie Justiz, Polizei, Finanzen - wird er nicht auf Beamte verzichten können. Studien belegen, dass sie dem Staat billiger kommen, zum Beispiel bei der Krankenversicherung. Außerdem bleiben die Behörden von Streikwellen unangetastet - ein großer Vorteil. Über andere Bereiche kann man natürlich diskutieren. Beamte braucht man sicher nicht überall...

Die verbleibenden sollen jedenfalls "leistungsgerecht" bezahlt werden.

Hofmann: Dafür kann ich mich erwärmen. Auch wenn in der Diskussion gleich wieder das alte Vorurteil vom faulen Beamten kommt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Nach den Erfahrungen in meiner 44-jährigen Tätigkeit wage ich zu behaupten: Der Staatsdienst kann immer mit der Privatwirtschaft konkurrieren. Die Beamten haben eine Top-Ausbildung, eine mächtige Verantwortung.

Und das soll sich stärker als bisher in der Bezahlung niederschlagen?

Hofmann: Es soll so sein wie in der Privatwirtschaft. Wer leistungsbereiter ist als andere, soll auch etwas davon haben.

Wie wird die Leistung gemessen? Und von wem?

Hofmann: Dafür gibt es Hierarchien. Der Amtsvorsteher wird bewerten können, wer einen Top-Job macht.

Unterm Strich begreifen Sie die derzeitige Diskussion um den Beamtenstatus also als Chance, nicht als Gefahr?

Hofmann: Ganz klar als echte Chance. Es wird vieles im Umbruch sein in den nächsten Jahren. Auch Zeitarbeitsverträge könnte es geben.

Wie ist die Stimmung unter den Beamten?

Hofmann: Gemischt. Ministerpräsident Stoiber hat die bayerischen Beamten ja schon vor einiger Zeit zu Vorreitern für längere Arbeitszeit gemacht, die Wochenstunden von 38,5 auf 40 erhöht. Daran ist aber keiner gestorben. Als ich 1959 angefangen habe, hatten wir die 48,5-Stunden-Woche. Wir mussten jeden Samstag arbeiten. Arbeit tut keinem weh. Die Deutschen werden wieder zulegen müssen. Da muss ein Umdenken stattfinden - auch im öffentlichen Dienst.

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