Halter sieht Federvieh als Therapie für die Kinder - Aber: Lärmbelästigung löst bei Nachbarin ...
Vor Gericht, weil unermüdlich der Hahn kräht

Wenn am frühen Morgen, schon bei Anbruch der Dämmerung, der Hahn unermüdlich kräht, kann das den Nachbarn um den Schlaf bringen. Aber: Kann man deswegen das Halten von Federvieh verbieten lassen? Noch dazu in ländlicher Umgebung? Um das endlich zu klären, "trafen" sich zwei Nachbarn vor dem Amtsgericht Weiden.

Die Kontrahenten leben nicht weit von einander entfernt, am Ortsrand einer Marktgemeinde im östlichen Landkreis Neustadt/WN. Rechtsanwalt Dr. Markus Sanner vertrat die Klägerin, die sich durch das morgendliche Gekrähe nicht nur gestört, sondern sogar in ihrer Gesundheit gefährdet sieht. Zum Beweis legte Dr. Sanner die Bescheinigung eines Mediziners vor, dass seine Mandantin durch die Ruhestörung unter schweren Schlafstörungen leidet.

Tiere tun Kindern gut

Der Beklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Peter Sailer, ist stolz auf seine Hühner und Hähne, die er, wie Sailer ausführte, auch zu therapeutischen Zwecken hält. Seinen Kindern, und auch einem unter ADHS leidenden Kind eines Bekannten, tue der Kontakt mit den Tieren gut. Außerdem liege die Wohnung der Klägerin an einer vielbefahrenen Straße - sicher ebenso eine Lärmquelle wie seine Hähne. In unmittelbarer Nähe befinde sich zudem ein landwirtschaftliches Anwesen. Alle anderen Mieter des Wohnhauses, in dem die Klägerin wohnt, hätten sich ausdrücklich nicht beschwert, und er habe ja bereits umfangreiche Dämm-Maßnahmen ergriffen. Für viel Geld sei der Hühnerstall isoliert worden.

Richterin Sabine Nickl riet zu einer gütlichen Einigung. Wenn die Sache bis zum Ende durchgezogen werden solle, könne bis zur Entscheidung leicht ein Jahr vergehen. Es müsste ein Gutachter eingeschaltet werden, der Lärmmessungen vornehmen und Abhilfevorschläge erarbeiten müsste. Schließlich wies die Richterin den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab. Die Klagepartei hatte beantragt, dass die Hähne von 22 bis 6 Uhr in schalldichter Umgebung zu halten seien. Nickl erachtete die Angelegenheit nicht für so wesentlich und eilbedürftig, dass sie sofort geregelt werden müsste. Außerdem sei 4.30 Uhr nicht "mitten in der Nacht". Es könne bis zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung gewartet werden.

Streit beendet

Das gute Ende der Geschichte: Nach Informationen des NT werden es die Parteien nicht zu einer Hauptverhandlung kommen lassen. Sie haben sich mittlerweile zusammengesetzt und eine vernünftige Lösung gefunden: Der Tierhalter baut einen neuen, noch besser gedämmten Hühnerstall. Und die Nachbarin bezahlt das Material dafür.
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