05.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Heizungsbauer packt "Verkehrsrowdy" am Hemd - Richter verurteilt Angreifer zu 750 Euro ... Selbstjustiz nach flotter Fahrt

von Autor RNSProfil

"Es ist halt im Rechtsstaat unzulässig, vermeintliche Rechtsverstöße selbst zu ahnden", stellte Staatsanwalt Rene Doppelbauer am Ende einer Verhandlung vor Strafrichter Hubert Windisch fest. Ein 42-Jähriger hatte einen Strafbefehl über 60 Tagessätze wegen Körperverletzung erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Er fühlte sich im Recht.

Im Juni hatte der Heizungsbauer in der Egerländer Straße in Altenstadt/WN vor einer Hofeinfahrt angehalten, um seine Kinder und die Lebensgefährtin einsteigen zu lassen. Da sei ein junger Mann mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeigebraust, berichtete der Angeklagte in der Verhandlung.

Völlig uneinsichtig

Als der Autofahrer ein Stück weiter vorne vor der Sparkasse anhielt, sei er hingegangen, um ihm sein gefährliches Verhalten vorzuhalten. Dieser habe sich jedoch völlig uneinsichtig gezeigt. Da habe er ihn am T-Shirt gepackt. Gewürgt habe er den "Verkehrsrowdy" aber keinesfalls, wie Doppelbauer in seiner Anklage behauptet hatte. Der 26-Jährige, der den Mann angezeigt hatte, weil sein T-Shirt bei der Konfrontation zerrissen war, schilderte den Vorfall etwas anders. Keinesfalls sei er zu schnell gefahren. Als er wieder aus der Sparkasse gekommen sei, habe er nicht gewusst, was der andere von ihm wollte. Eigentlich habe er ihn nur angezeigt, weil er die Gründe erfahren wollte. Der Angreifer habe ihn mit einer Hand am Hemd gepackt und mit der anderen am Hals.

Rechtsanwalt Willibald Bayer (Altenstadt) bat, bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen, dass sein Mandant ernste Sorge um seine Kinder gehabt habe. 20 bis 25 Tagessätze seien, auch angesichts der geringen Folgen, sicherlich ausreichend. Richter Windisch verurteilte den 42-Jährigen zu 30 Tagessätzen à 25 Euro.

Nichts Ungewöhnliches

Eine Einstellung des Verfahrens gegen eine geringere Geldbuße wäre auch möglich gewesen, stellte der Richter fest. Wenn da nicht ein Eintrag im Vorstrafenregister gewesen wäre. 2011 war der Mann schon einmal zu einer Geldstrafe wegen Diebstahls verurteilt worden. Außerdem: "Dass jemand zu schnell an einem haltenden Auto vorbei fährt, kommt in Deutschland 5000 Mal am Tag vor. Wo kämen wir da hin, wenn jedes Mal eine Rauferei daraus wird?"

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.