"Inflation Art": Hans Weishäupl porträtiert Regierungschefs mit Geldscheinen
Die Kanzlerin für 192 000 Euro

Diese Kunst ist viel wert. Allein das Arbeitsmaterial. 192 000 Euro stecken im Porträt der Kanzlerin. Buchstäblich. Denn Hans Weishäupl hat die lachende Angela Merkel aus 384 500-Euro-Scheinen zusammengepuzzelt. Das mit Abstand teuerste Bild seiner Serie "Inflation Art". Für den Kopf von US-Präsident Obama benötigte der aus Weiden stammende Künstler gerade mal 46 000 Dollar. Für Griechenlands Samaras reichten ihm sogar 1845 Euro in 5-Euro-Noten.

Ein Schnäppchen, das natürlich auch die Kräfteverhältnisse in der Euro-Krise widerspiegelt, wie Weishäupl erklärt. Die andauernden Währungsdiskussionen ließen im 42-Jährigen, der in Hamburg die Agentur "das comitee" betreibt, die Idee für das bemerkenswerte Projekt reifen. Auslöser sei aber ein Artikel über den Verfall des US-Dollars gewesen: "In den letzten 100 Jahren hat er 96 Prozent seiner Kaufkraft verloren." Die Entwicklung sei dramatisch. "2 Prozent Inflation sei okay, heißt es immer. Das muss man aber mal über einen längeren Zeitraum sehen."

Weishäupl hätte es sich einfach machen können, mit kopierten Geldscheinen hantieren oder mit virtuellem Geld am Computer. Nix da: Alle Scheine sind echt. Insgesamt eine knappe halbe Million Euro. Der Hamburger überredete eine Reisebank, ihm die jeweiligen Noten nach und nach für einige Wochen zu leihen. Nachdem er die einzelnen Porträts (Format: 100 mal 80 Zentimeter) abfotografiert hatte, nahm er sie wieder auseinander und brachte das Geld zurück. "Wir benutzen einen Spezialkleber, der leicht abgeht und keine Spuren hinterlässt."
Seit Oktober bastelte der Künstler an der Galerie der mächtigen Geld-Jongleure. Zu Merkel, Obama und Samaras gesellen sich Russlands Staatschef Vladimir Putin (2,175 Millionen Rubel), Chinas Xi Jinping (48 800 Renminbi), Frankreichs François Holland (79 600 Euro), das ehemalige italienische Regierungsoberhaupt Silvio Berlusconi (28 600 Euro), Spaniens Premier Mariano Rajoy (16 900 Euro), der Niederländer Mark Rutte (7560 Euro) und der Belgier Elio Di Rupo (4080 Euro). Ob sie den Kopf zurecht hinhalten für monetäre Fehlentwicklungen? "Sicher sind Merkel oder Sarkozy nicht hauptverantwortlich für den Verfall der Währung", antwortet Weishäupl. "Aber sie sind die Politiker, die derzeit mit unserem Geld arbeiten. Sie entscheiden, was passiert." Wie schon bei "Faces of Evil", als er Gesichter von Diktatoren aus Elementen von unzähligen "Menschen wie du und ich" collagierte (2008), birgt auch die "Inflation Art" eine kritische Botschaft.

Preis auf Anfrage

"Was werden die Bilder wohl in 100 Jahren wert sein?" Diese Frage stellt Hans Weishäupl auf seiner Homepage im Internet - momentan der einzige Ort, an dem seine Kunst ausgestellt ist. Denn sämtliche Porträts existieren nur noch als Fotos. Falls sich ein Veranstalter jedoch für eine Ausstellung interessiere, "könnten wir das ohne Probleme wieder nachbauen", sagt der PR-Profi. Verhandlungen laufen. Und auch eine Zweitverwertung des Projekts ist nicht ausgeschlossen - vielleicht in Ländern wie Russland, "in denen man es toll findet, sich mit Geld zu zeigen": Unter der Rubrik "Shop" auf der Homepage bietet Hans Weishäupl an, auch Privatpersonen mit Geldscheinen zu porträtieren. Preis auf Anfrage.

Zudem plant der 42-Jährige Kunstaktionen in deutschen Städten: "Wir hängen Porträts aus Fünf-Euro-Scheinen an die Wand und schauen mal, wie lange das Bild zu sehen ist." Es droht Wertverlust in Rekordgeschwindigkeit.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.hansweishaeupl.com
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